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Kategorisierung und Evaluierung von Videokonferenzen


Inhalt:


Einleitung

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Technisch vermittelte Kommunikationsformen prägen in immer stärkerem Maße den Alltag vieler Menschen, E-Mail und Chat-Programme gehören mittlerweile zum Standard der interpersonellen Kommunikation. Moderne Kommunikationstechnologien nehmen einen stetig wachsenden Stellenwert ein und bedienen sich heute nicht mehr ausschließlich der abstrakten Form virtueller Kommunikation wie Telefon, Fax und E-Mail. Vielfältige neue Kommunikationsmöglichkeiten haben sich durch die rasante Entwicklung verschiedenster Technologien herausgebildet, zu denen auch die Videokonferenztechnik gehört. Sie profitiert wie keine andere Kommunikationstechnologie von der Entwicklung kostengünstiger, breitbandiger Netze und gilt als Kommunikationsform mit Zukunft.

Durch die Videokonferenztechnologie eröffnet sich für viele Einrichtungen ein breites Spektrum an neuen Möglichkeiten mit Gesprächspartnern in der ganzen Welt, in Bild und Ton, zu kommunizieren. Im Gegenteil zu den Anfängen der Videokonferenztechnologie ist die Qualität der Übertragung heute weit fortschrittlicher und bietet mittlerweile Gesprächsituationen, die einem persönlichen Treffen sehr nahe kommen.

Per Definition ist eine Videokonferenz ein audiovisuelles Kommunikationsverfahren, in dem Bewegtbild und Ton sowie optionale Anwenderdaten (zum Beispiel Dokumente oder Computerdarstellungen) zwischen zwei oder mehreren Standorten übertragen werden. Die Eingabegeräte sind daher Kamera und Mikrofon sowie ein eventuelles Präsentationsmedium, die Ausgabegeräte sind Monitor (oder andere Anzeigegeräte) und Lautsprecher.

Die Internationale Fernmeldeunion ITU definiert verschiedene Gerätegruppen von Videokonferenz-Endgeräten, wobei die Ausstattung der Systeme hauptsächlich vom Verwendungszweck abhängt. So sind bei Desktop-Systemen alle notwendigen Komponenten in einen Arbeitsplatzrechner integriert. Dabei kommen hauptsächlich kleinere Desktop-Kameras oder USB-Webcams für die Bildübertragung sowie Headsets für die Übertragung des Tons zum Einsatz. Man unterscheidet hier zwischen hardwarebasierten und softwarebasierten Desktop-Systemen. Aufgrund der Bauweise eignen sich Desktop-Systeme vorrangig für Einzelplatz-Videokonferenzlösungen.

Kompaktsysteme sind weitestgehend so angelegt, dass sie ohne großen administratorischen Aufwand betriebsbereit sind. Sie unterteilen sich in Officesysteme und Gruppensysteme. Officesysteme sind eigenständige, repräsentative Videokonferenzlösungen mit integriertem Bildschirm. Auch Kamera, Mikrofon und Lautsprecher sind bereits im System integriert. Gruppensysteme sind meist mit Hilfe von Settop-Boxen realisiert und benötigen für den Betrieb in der Regel noch einen Monitor. Alle anderen Komponenten sind auch hier schon integriert. Diese Geräte sind wesentlich leistungsstärker als Desktopsysteme und eignen sich sowohl für Einzelplatzlösungen als auch für kleine Gruppenkonferenzen. Aufgrund des geringen Gewichts und der einfachen Installation eignen sich Kompaktsysteme auch für den mobilen Einsatz.

Die leistungsstärkste Gerätegruppe für Videokonferenzen ist die Gruppe der Raumsysteme. Dies sind modular aufgebaute Anlagen, die meist in eine Multimediaumgebung integriert werden. Leistungsstarke Kameras, Raummikrofone und große Monitore beziehungsweise hochwertige Projektoren erlauben auch in großen Konferenzräumen den Einbau dieser Systeme, die auch die Einbindung weiterer Peripherieeinrichtungen wie zum Beispiel Dokumentenkameras ermöglichen. Durch variable Ausstattungsmerkmale sind flexible Systemkonfigurationen für fast jede Anwendung möglich. So können auch größere Teilnehmergruppen an Videokonferenzen partizipieren.

Die technische Basis der Übertragung von bild- und tonübermittelter Fernkommunikation sind die Protokolle H.320 sowie H.323. Dabei ist das wichtigste Protokoll für den Betrieb im Internet das Protokoll H.323. Diese Norm regelt die Zusammenarbeit für Videokonferenzgeräte, die über ein LAN beziehungsweise WAN verbunden sind. Innerhalb des Rahmens von H.323 werden die Steuerung der Verbindung und die Umsetzung von IP-Adressen geregelt. Weiterhin regelt diese Norm die Videokomprimierung und die Audiokodierung. Das Protokoll H.320 regelt den Betrieb von schmalbandigen Videokonferenz-Endgeräten und betrifft somit hauptsächlich Videokonferenzen über ISDN-Netze.

Das Kompetenzzentrum für Videokonferenzdienste der Technischen Universität Dresden ist ein Projekt des Deutschen Forschungsnetzes und bietet als Dienstleister allen Mitgliedern der Universität die Möglichkeit, Videokonferenzen durchzuführen. Dabei kommt neben mobilen Kompaktsystemen und Desktopsystemen hauptsächlich ein modernes Raumsystem zum Einsatz, welches in eine Multimediaumgebung integriert wurde. Die Videokonferenzen basieren dabei hauptsächlich auf IP-vermittelter Übertragung nach dem Standard H.323.

Mit der vorliegenden Arbeit sollen mögliche Szenarien von Videokonferenzanwendungen kategorisiert und mittels einer Evaluierung auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden. Dabei beschränkt sich diese Evaluierung auf die im Konferenzzentrum stattgefundenen Veranstaltungen und umfasst aufgrund der technischen Infrastruktur somit ausschließlich IP-basierte Konferenzen nach H.323.

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Anwendungsszenarien von Videokonferenzen

Lehre

Allgemeines

Diese Kategorie ist dadurch gekennzeichnet, dass hier einer Gruppe von Lernenden oder Schülern Wissen beziehungsweise Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden. Diese Unterweisung erfolgt durch einen Lehrenden, der sich durch einen Wissensvorsprung im entsprechenden Gebiet auszeichnet. Die Gruppe der Unterwiesenen variiert je nach Szenario in der Anzahl der Teilnehmer sowie der Interaktion untereinander während der Veranstaltung.

Bei Videokonferenzen in dieser Kategorie ist darauf zu achten, dass ein zusätzlicher Betreuungsaufwand bei allen Teilnehmern und Standorten entstehen kann. Oftmals ist es nötig, die Veranstaltungen durch einen Techniker administrieren zu lassen, der sich um die gesamte Konferenzsteuerung kümmert. Somit ist sichergestellt, dass sich der Lehrende auf seinen Vortragsinhalt konzentrieren kann und nicht durch technische Aspekte wie zum Beispiel die Kamerasteuerung abgelenkt wird. Weiterhin ist auch darauf zu achten, dass eine Lehrform meist eine weitere Lehrform nachfordert. Beispielsweise gehören zur Vorlesung häufig noch Seminare oder Übungen. Es sollte auch in Betracht gezogen werden, den Lernenden die Möglichkeit zu geben, später noch Fragen zu stellen sowie eine mündliche Prüfung im gelehrten Fachgebiet abzulegen. Wird eine Vorlesung per Videokonferenz abgehalten, müssen die nachlaufenden Lehrformen nicht zwangsläufig fernmündlich stattfinden, jedoch muss sichergestellt werden, dass sie stattfinden können.

Ein möglicher Mehrwert der verteilten Durchführung von Szenarien der Kategorie Lehre ist, dass so die Möglichkeit besteht, die Veranstaltung aufzuzeichnen und den Mitschnitt den Lernenden zur Verfügung zu stellen oder für eine spätere Auswertung zu nutzen. Weiterhin ist auch denkbar, während der Veranstaltung einen entfernten Experten in die Konferenz einzuladen.

Aufgrund der erhöhten Teilnehmeranzahl am eigenen Standort und der Art der Lehrveranstaltung ergeben sich gewisse Anforderungen an die Konferenzumgebung. Wichtig ist eine adäquate Raumgröße. Die Audiotechnik sollte dem Raum entsprechen ausgebaut sein, auf eine ausreichende Anzahl Mikrofone muss unbedingt geachtet werden. Weiterhin muss die Video- und Datenpräsentationstechnik zur Raumgröße passen, um eine optimale visuelle Qualität der Darstellungen zu ermöglichen und die Lehrsituation nicht durch unzureichende Optik zu belasten. Ferner sollten alle Teilnehmer gut ausgeleuchtet sein, damit jeder Teilnehmer korrekt identifiziert werden kann.

Vorlesung

Grundsätzlich ist diese Lehrform gekennzeichnet durch einen frontal vortragenden Dozenten oder Professor. Die Anzahl der teilnehmenden Zuhörer kann sehr hoch sein, die Inhaltsvermittlung erfolgt in eine Richtung. Die verteilte Durchführung einer Vorlesung per videovermittelter Fernkommunikation ermöglicht es, dass sich ein Teil oder auch die Gesamtheit der Zuhörerschaft an einem entfernten Hörsaal aufhält beziehungsweise der Vortragende von einem räumlich entfernten Ort unterrichtet. Dabei wäre es durchaus denkbar, dass sich zu einer Vorlesung noch weitere örtlich verteilte Teilnehmer einwählen. Dies können sowohl Lernende als auch Lehrende sein, zum Beispiel kann entsprechend dem jeweiligen Vorlesungsthema ein Experte hinzugezogen werden, um nähere Erläuterungen zu geben.

Dieses Szenario stellt nun aber hohe Anforderungen an die technischen und baulichen Gegebenheiten des Vortragsraumes. Mehrere Kameras sowie die Projektor- und Raumsteuerung machen eine Mediensteuerung unverzichtbar, die Raumausstattung sollte so gewählt sein, dass der Vortragende auch andere Medien zur Wissensvermittlung einsetzen kann. Hier sind als ergänzendes Element auch Mitschnitte der Veranstaltung für eine spätere Aufbereitung denkbar. Die Audiokomponenten müssen dem Raum sorgfältig angepasst werden, so dass alle Teilnehmer den Ausführungen des Dozenten folgen können. Während einer Vorlesung sollte es den Hörern möglich sein, dem Vortragenden Fragen zu stellen oder weiterführende Erläuterungen zu erbeten sowie mit den anderen Teilnehmern den Dialog zu suchen. Deshalb ist es unabdingbar, auch das Auditorium mit Mikrofonen auszustatten, die eine genügende Abdeckung erreichen. Moderne Konferenzanlagen haben mittlerweile hervorragende Echo- und Rückkopplungsunterdrückungen. Damit sind auch Full-Duplex-Diskussionen (das heißt es kann zur gleichen Zeit sowohl Ton empfangen als auch Ton gesendet werden) mit mehreren Teilnehmern möglich. Für die visuelle Qualität ist eine ausreichende Beleuchtung notwendig, die sowohl Redner als auch Hörer ausleuchtet. Das bedeutet, dass im Plenarbereich genügend Licht einfällt, die Projektionsflächen nur wenig oder überhaupt nicht beleuchtet werden und Spots für die Vortragenden verwendet werden. All diese technischen Ansprüche machen es unabdingbar, dass eine audio- und videovermittelte Vorlesung immer durch eine technische Betreuung begleitet und unterstützt wird.

Seminar

Ein Seminar ist eine Lehrveranstaltung, die dazu dient, erworbenes Wissen zu vertiefen. Seminare werden von einem Seminarleiter durchgeführt, der als Lehrperson auftritt. Im akademischen Bereich zeichnen sich Seminare (im Gegensatz zur Vorlesung) durch höhere Interaktivität von Leiter und Seminarteilnehmern aus. Meist wird in geschlossenen übersichtlichen Gruppen gearbeitet (5-20 Leute). Seminare können zu beliebigen Themen eines Fachgebiets angeboten werden und dienen der Vertiefung und Anwendung des in einer Vorlesung erworbenen Wissens und der Einführung in das selbständige wissenschaftliche Arbeiten mit Übungen, Diskussionen und Vorträgen der Studenten. Dozentenmoderiert kann ein verteiltes Seminar verschiedene Formen annehmen. Sowohl als Punkt-zu-Punkt-Konferenz als auch als Mehrpunktkonferenz mit Lernenden und Lehrenden auf allen Seiten sind diese Szenarien ideale Anwendungen für eine Videokonferenz.

Zur Durchführung eignen sich Gruppensysteme bei Kleingruppen sowie Raumsysteme bei größeren Gruppen. Die eigenständigen Gruppensysteme, die nur noch an einen Standardbildschirm oder Projektor angeschlossen werden müssen, können sowohl über ISDN- als auch über IP-Netzwerke betrieben werden und haben sowohl die Kamera als auch die Datenverarbeitungstechnologie bereits komplett integriert. Gesteuert werden die Set-Top-Geräte meist durch grafische Bildschirm-Menüs mittels einer Fernbedienung. Oft sind zusätzliche Anschlussmöglichkeiten an den Geräten vorhanden, um weitere Mikrofone, Kameras oder Rechner anzuschließen. Wie schon beschrieben eignen sie sich durch ihre Kompaktheit für den mobilen Einsatz, sind aber aufgrund der Bauweise auf Kleingruppen beschränkt und bieten für viele Konferenzen nicht den benötigten Funktionsumfang. Deshalb erfordern immer mehr Videokonferenzen in Seminarräumen die Integration des Systems in eine Multimedia-Umgebung, wie es die Raumsysteme ermöglichen. Dazu gehören geeignete Präsentationsflächen für alle darzustellenden Teilnehmerseiten, Projektionsmöglichkeiten für eventuelle Datenpräsentationen sowie Anschlussmöglichkeiten für Notebooks, DVD-Abspielsysteme und ähnliche Gerätschaften. Viel mehr als bei einer Vorlesung ist hier die Teilnehmeridentifikation von Bedeutung, das heißt alle Teilnehmer müssen gut zu erkennen sein. Dies erfordert eine optimale Ausleuchtung aller Seminarteilnehmer sowie strategische Platzierung der Kameras, um jeden Teilnehmer aufnehmen zu können. Auch auf die Raumakustik und die optimale Ausnutzung der Mikrofone muss unbedingt geachtet werden, um die natürliche Kommunikation und Interaktion sowohl innerhalb der Gruppe als auch zwischen den einzelnen Gruppen nicht zu behindern, was im Seminar von zentraler Bedeutung ist. Neben dem Mehrwert der Aufzeichnungsmöglichkeit wird hier auch die Medienkompetenz aller Teilnehmer geschult.

Prüfung

Dieses Szenario beschreibt die Situation einer mündlichen Prüfung, bei der das vorher durch Lehrveranstaltungen vermittelte Wissen des entsprechenden Fachgebiets abgefragt wird. Teilnehmende Personen sind somit nur der Prüfer und der Prüfling, eventuell noch ein Protokollant. Im Falle von Komplexprüfungen mit mehreren Prüfern ist es natürlich auch möglich, über eine so genannte Multipoint-Control-Unit (MCU) die Prüfung als Mehrpunktkonferenz zu organisieren. Durch die Möglichkeit der Aufzeichnung kann auf den Protokollanten auch verzichtet werden, die Protokollierung erfolgt dann hardwareseitig. Um die Kommunikation so natürlich wie möglich zu gestalten, ist hier die Audio- und Videoqualität von höchster Bedeutung. Bei der Nutzung von Data-Sharing (denkbar ist beispielsweise ein von Prüfer und Prüfling gemeinsam genutztes Whiteboard) sollte auch auf visuelle Qualität geachtet werden. Ferner ist es unabdingbar, vor der Prüfung eine Einweisung in die Funktionsweise des Konferenzsystems durchzuführen. So wird dem Prüfling die Angst vor der Technik genommen und Anwendungsfehler können vermieden werden. Zwar dürfen während der Prüfung Gäste anwesend sein, so dass eine technische Betreuung gewährleistet werden kann, zur Notenberatung jedoch müssen alle, auch der Techniker, den Raum verlassen. Deshalb muss der Konferenzraum den Ansprüchen der Vertraulichkeit genügen und so beschaffen sein, dass nichts nach außen dringt.

Kooperatives Arbeiten

Allgemeines

In dieser Kategorie sind alle Szenarien dadurch gekennzeichnet, dass das Arbeitsklima zwischen den einzelnen Teilnehmern von partnerschaftlicher Natur ist, die Teilnehmer verfolgen ein gemeinsames Ziel, und die Videokonferenz ist dabei das Vermittlungsmedium. Eine entsprechende Titulierung bei Durchführung vor Ort ist „Meeting“, also ein Zusammenkommen von Personen mit dem Ziel der gemeinsamen Bearbeitung eines Problems. Alternativ zur Videokonferenz werden vereinzelt auch Telefonkonferenzen eingesetzt, wohingegen die Videokonferenz aber schon wegen der zusätzlichen visuellen Kommunikationsebene einen deutlichen Mehrwert besitzt. Bei kooperativen Arbeiten über audiovisuelle Fernkommunikationskanäle können neben der üblichen Datenübertragung von Vortragsfolien auch Werkzeuge aus dem Bereich der Groupware zum Einsatz kommen, die es erlauben, gleichzeitig an Dokumenten zu arbeiten, zum Beispiel Mehrbenutzereditoren.

Projektzusammenarbeit (Arbeits- / Projektbesprechungen)

Dieses Szenario umfasst verschiedene Ausprägungen der medienvermittelten kooperativen Arbeit. Der einfachste Fall beschreibt die Arbeitsituation zweier lokal getrennter Partner, die via Bild- und Tonübertragung am gemeinsamen Projekt arbeiten. Dabei kommt ihnen die Nähe zum Arbeitsumfeld zugute, da die zwei Teilnehmer vom Arbeitsplatz aus mit Hilfe eines Einzelplatz-Konferenzsystems kommunizieren können. Diese Punkt-zu-Punkt-Schaltung ist einfach umzusetzen und auch ad hoc realisierbar. Erhöht sich die Teilnehmerzahl, so nehmen auch die infrastrukturellen Anforderungen zu. Der Organisationsaufwand steigt nicht nur durch terminliche Planungsschwierigkeiten, die Realisierung einer Mehrpunktkonferenz für mehr als zwei Teilnehmer erfordert stets die Einbindung einer Multipoint-Control-Unit (MCU). Jeder der teilnehmenden Standorte muss eindeutig gekennzeichnet sein, indem aussagekräftige Namen gegeben werden, die an den entfernten Standorten lesbar sind. Weiterhin sollte ein Gesprächsleiter festgelegt werden, der die Konferenz lenken kann und auch bei organisatorischen Problemen zur Verfügung steht. Solange an jedem Standort nur ein Teilnehmer partizipiert, kann man problemlos Einzelplatz- oder Desktopsysteme verwenden. Damit wird der Organisationsaufwand nicht unnötig strapaziert.

Erweitert man nun das Szenario auf miteinander kommunizierende Gruppen, so genügen Einzelplatzsysteme nicht mehr den Anforderungen. Hier kommen Gruppensysteme zum Einsatz, die weiterführende Funktionalitäten bieten (z.B. steuerbare Kamera, Anschluss mehrerer Mikrofone, Echo- und Rauschunterdrückung). Bei zwei miteinander kommunizierenden Gruppen handelt es sich wieder um eine Punkt-zu-Punkt-Konferenz, jedoch kommt nun noch die gruppeninterne Kommunikation hinzu. Diese sollte weitestgehend auch allen entfernten Teilnehmern zugänglich sein (sofern es gewünscht wird), um eine möglichst natürliche Gesprächsatmosphäre zu ermöglichen. In jeder Gruppe gibt es eine lokale Gesprächsleitung, zusätzlich dazu gibt es noch eine gemeinsame Gesprächsleitung. Jeder Sprecher muss erkennbar und von allen anderen Gruppenmitgliedern differenzierbar sein. Die steuerbare Kamera (schwenk- und zoombar) kommt dabei zum Einsatz. Umfasst die Konferenz drei oder mehr Gruppen, so geschieht die Umsetzung wieder mittels einer MCU. Auf eine globale Moderation sollte hier abermals nicht verzichtet werden, eine lokale Moderation ist ebenso wichtig.

Gremien (Vorstand, Direktoren, Entscheidungsträger…)

Dem Szenario „Projektbesprechung“ im vorangegangenen Abschnitt nicht unähnlich erfordert dieses Szenario eine wesentlich aufwendigere und sorgfältigere Umsetzung, nicht zuletzt auch durch die Exklusivität des Inhalts und die qualitativen Ansprüche der Teilnehmer. Sicherheit beziehungsweise Vertraulichkeit ist oberste Priorität, weshalb besonders auf eine Verschlüsselung der Konferenz geachtet werden muss. Nehmen mehrere Standorte teil, kommt auch hier wieder eine MCU zum Einsatz. Ein Techniker muss den reibungslosen Ablauf organisieren und umsetzen. Da es sich bei Vorstandsbesprechungen meist um regelmäßig stattfindende Konferenzen mit gleich bleibenden Teilnehmern handelt, sollte sich das Szenario schnell eingespielt haben. Jedoch kann es vorkommen, dass kurzfristig dringender Handlungs- oder Abstimmungsbedarf besteht und eine Konferenz ad hoc anberaumt werden muss. Deshalb sollten stets freie Kapazitäten für spontane Konferenzen zur Verfügung stehen.

Ist das Szenario korrekt eingerichtet profitieren die Teilnehmer enorm durch die Nutzung der modernen Videokonferenztechnologien: einfachere Planung und effizientere Abstimmungsprozesse können Zeit und Geld sparen.

Event

Allgemeines

Schwierige Planungsgegebenheiten vor Ort mit vielerlei technischen und personellen Hürden kennzeichnen diese Kategorie. Vorwiegend handelt es sich um einmalige Veranstaltungen mit einem großen Publikum.

Kongress

Ein Kongress ist eine Zusammenkunft von Personen und Gruppen, die in einem speziellen Themenbereich arbeiten und ihre Arbeiten und Ergebnisse einem großen Publikum vorstellen. Sie können einmalig stattfinden oder regelmäßig in großen Abständen. Die Teilnehmerzahl ist sehr hoch. Durch Moderatoren geleitet finden verteilt über mehrere Tage und oftmals auch parallel verschiedene Vorträge statt, stellenweise auch mehrsprachig. Auch andere Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen können während eines Kongresses durchgeführt werden. Stets bedeutet die Planung eines Kongresses einen hohen Organisationsaufwand.

Soll nun moderne Videokonferenztechnik in die Kongressgestaltung einbezogen werden, so steigt natürlich der Aufwand, aber die Veranstaltung erfährt auch einen enormen Mehrwert. So können beispielsweise Teilnehmer von außerhalb als Vortragende oder Diskussionspartner einbezogen werden. Kongressbeiträge können in andere Räume oder andere Orte übertragen werden, Ereignisse an anderen Orten können live eingespielt werden (denkbar wäre zum Beispiel die Übertragung einer Operation im Medizinbereich). Informelle Gespräche, die bei Kongressen stets stattfinden und die auch einen erheblichen Beitrag zum Kongressgeschehen leisten, können durch Videokonferenztechnik jedoch nicht unterstützt werden.

Bei der Übertragung von Kongressbeiträgen ist vor allem auf Authentizität der Vortragenden zu achten. Eine hohe Audio- und Videoqualität kann dabei helfen. Vortragsmaterialien müssen übertragen werden, Rückfragemöglichkeiten oder besser noch Diskussionsmöglichkeiten müssen vorhanden sein. Die Größe der Projektion muss an die Größe des Raumes beziehungsweise des Teilnehmerkreises angepasst sein. An die Bild- und Tonregie sowie an die Moderatoren werden durch die Übertragung besondere Anforderungen bezüglich der Ausgestaltung des Kongresses gestellt. Für das Auditorium sollte eine hochwertige Beschallung installiert werden, bei Einbeziehung von Beiträgen aus entfernten Standorten ist eine hallarme Raumakustik von Vorteil. Die Ausleuchtung sowie optische Gestaltung sollte nicht nur aus Sicht des Vor-Ort-Publikums ausreichend sein, sondern auch aus Kamerasicht. Meist empfiehlt es sich, dass extra Personal für die Gesamt-Regie (Aufnahmeleitung) eingesetzt wird und erfahrene Techniker für Aufbau und Durchführung. Sollen zusätzlich Medien oder Objekte aufgenommen, übertragen oder wiedergegeben werden, ist zusätzliche Technik notwendig. Der Ablauf vor Ort und die Präsentationen müssen gut vorbereitet werden, was natürlich auch der Repräsentativität des Veranstalters zuträglich ist.

Tag der offenen Tür

Der Tag der offenen Tür ist eine Informationsveranstaltung von Einrichtungen, Institutionen oder Unternehmen, um sich zu präsentieren. Ziel solcher Tage ist, dass sich die Besucher über die Einrichtung informieren können. Dabei sind in der Regel die meisten Bereiche zur Besichtigung zugänglich und die Veranstaltungen auf mehrere Räumlichkeiten verteilt. Teils regelmäßig durchgeführt (im Ein-, Zwei- oder Fünf-Jahresturnus) wird ein „Tag der offenen Tür“ auch manchmal nur einmalig organisiert, beispielsweise zu einem bestimmten Anlass. Eine mögliche Videokonferenzanwendung beim Tag der offenen Tür kann eine angebotene Präsentation sein, beispielsweise die Demonstration vorhandener Technologien. Dabei kann schon eine einfache Punkt-zu-Punkt-Konferenz genutzt werden. Mit erheblichem Mehraufwand kann auch eine Kongress-Situation erzeugt werden.

Festakt

Hierbei handelt es sich um eine offizielle, förmliche Veranstaltung mit feierlichem Charakter. Dies können Einweihungen oder Eröffnungen sein, aber auch Verleihungen. Sie werden nur ein einziges Mal durchgeführt und von vielen Teilnehmern besucht. Die hohe Repräsentativität der Veranstaltung geht einher mit einem entsprechend hohem Organisationsaufwand.

Videokonferenztechnik bietet sich hier an, externe Grußworte oder Statements einzubinden sowie die Veranstaltung in andere Räume oder an andere Orte zu übertragen. Alternativ dazu sind auch Streamingmedien einsetzbar, wie sie in modernen Konferenztechnologien zur Verfügung stehen. So kann die Veranstaltung einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.

Für das Auditorium wird eine hochwertige Beschallung eingesetzt, ebenso muss die Videoqualität überzeugen. Oft sind die Veranstaltungsräume nicht für Videokonferenztechnik vorbereitet, weshalb meist mobile Systeme zum Einsatz kommen. Sowohl die Audio- und Videotechnik als auch die Lichttechnik müssen kurzfristig anpassbar sein. Durch die hohen Anforderungen sowohl an die Authentizität der Redner als auch an die Qualität von Bild und Ton sollte hier nur hochwertige Technik zum Einsatz kommen. Die Projektion muss an die Raumgröße und an die Größe des Teilnehmerkreises angepasst sein, das technische Personal muss erfahren sein im Aufbau und der Durchführung der Veranstaltung und nicht zuletzt auch eingeübt im Umgang mit Bild- und Tonregiegeräten. Die optische Gestaltung sollte nicht nur aus Sicht des lokalen Publikums sondern auch aus Kamerasicht optimiert werden.

Informations- und Beratungsdienstleistung

Allgemeines

In dieser Kategorie sind alle Szenarien dadurch gekennzeichnet, dass ein klarer Wissensvorsprung zwischen Anbieter und Kunden vorliegt. Alle Anwendungen sind so angelegt, dass stets eine unidirektionale Wissensvermittlung erfolgt. Die Differenzierung der einzelnen Szenarien erfolgt dabei unter Berücksichtigung des Umfanges der Informationsvermittlung.

Auskunft

Synonym dafür haben sich auch Begriffe wie „Hotline“, „Point of Information“ oder „Point of Service“ etabliert. Gemeint sind damit nicht nur Auskunftsdienste im herkömmlichen Sinn wie die Telefonauskunft von zu Hause aus, sondern auch und vor allem öffentlich zugängliche Kommunikationssysteme zum alleinigen Zweck der bildgestützten Informationsvermittlung. Das einfachste Szenario gestaltet sich gleichsam einer Telefonauskunft, nur mit zusätzlichem Videokanal. Der Bildkontakt mit dem Mitarbeiter der angerufenen Serviceleistung kann für einen Mehrwert in der Kommunikation sorgen.

Allgemein werden an diese Kommunikation weniger hohe Qualitätsansprüche gestellt. Die Steuerbarkeit beziehungsweise intuitive Handhabung stehen im Vordergrund. Ohne zusätzliches Personal können die Systeme ad hoc eingesetzt werden, meist wird nur eine einfache Punkt-zu-Punkt-Verbindung genutzt. Durch einfache Bedienbarkeit, frei definierbare Ausstattungsattribute beziehungsweise Inhaltsspektren und die damit einhergehende Fehlerrobustheit können diese Systeme öffentlich platziert werden und als Informationspunkte oder Servicepunkte dienen.

Sprechstunde

Als Sprechstunde bezeichnet man allgemein einen vorher festgelegten Zeitraum, an dem man eine Person aufsuchen und mit ihr ein Anliegen besprechen kann. Umgangssprachlich ist auch die Arbeitszeit eines Arztes als Sprechstunde tituliert, soll hier aber außen vor bleiben und wird im Kapitel Spezialanwendungen beschrieben. Umfassender könnte man sagen, es handelt sich bei einer Sprechstunde um eine beratende Informationsvermittlung, die terminlich und inhaltlich geplant ist. Dies können zum Beispiel Beratungsdienste zum Thema Existenzgründung oder Sprechstunden bei Lehrer oder Dozent sein, aber auch Technologietransfers verschiedenster Art.

Die meisten Beratungsdienstleistungen können mit Hilfe videogestützter Kommunikationsmedien durchgeführt werden. In diese Videokonferenzanwendungen sind Systeme zur Unterstützung der Medienvielfalt integriert, gegebenenfalls auch spezielle Applikationen zur Unterstützung der Beratung, die parallel zur Konferenz laufen, zum Beispiel Application-Sharing oder Whiteboard-Funktionalitäten. Das Inhaltsspektrum bestimmt dabei den Ausstattungstyp. So sind auch komplexere Szenarien als nur Punkt-zu-Punkt denkbar und Mehrpunktverbindungen mit mehreren Beratern möglich. In der Regel sollte technisches Personal bei der Durchführung der Veranstaltung zur Verfügung stehen, um einen durchweg hohen Qualitätsstandard halten zu können.

Im Gegensatz zu telefonbasierten Beratungen oder Sprechstunden erfährt die Sprechstundenkommunikation mit Hilfe der Videokonferenzsysteme einen deutlichen Mehrwert. Der Einsatz von zusätzlichen Applikationen steigert ebenso den Mehrwert des Systems.

Workshop

Ein Workshop ist eine Informationsveranstaltung, die terminlich und inhaltlich geplant ist und durch mehrere Vortragende abgehalten wird. Durch Videokonferenztechnik können sowohl die Vortragenden, als auch das Publikum der Veranstaltung an verschiedenen Standorten beiwohnen. Dies bedeutet natürlich einen hohen organisatorischen Aufwand, gewinnt aber durch viele Vorteile der Videokonferenztechnik auch an Mehrwert. Die Verteilung der Informationsveranstaltung minimiert Reisewege für alle entfernten Teilnehmer, die lokale informelle Kommunikation muss dennoch nicht eingeschränkt werden. Auch regionale und überregionale Grenzen können so überwunden werden und der Teilnehmerkreis dementsprechend bereichert werden.

Natürlich müssen für eine gelungene Veranstaltung hohe Anforderungen an die Technik gestellt werden. Die Audio- und Videoqualität müssen von hoher Qualität sein, die korrekte Übertragung der Vortragsmaterialien muss gewährleistet sein. Bei diesem Szenario ist eine lokale Moderation unerlässlich, eine globale Moderation durchaus denkbar. Damit wird sichergestellt, dass allen Teilnehmern die Möglichkeit der Rückfrage an die Vortragenden gegeben ist, was natürlich auch technisch eingerichtet werden muss. Die Moderatoren sind auch für die Einhaltung der Agenda und die zeitliche Kontrolle der einzelnen Beiträge verantwortlich.

Die Optik des Vortragsraumes muss der Veranstaltung angemessen sein, jeder Standort sollte zugunsten der Erkennbarkeit gekennzeichnet werden. Alle Funktionalitäten sollten im Vorfeld getestet werden und die Techniker sollten mit der Durchführung vertraut sein, um ein reibungsloses Gelingen zu gewährleisten.

Spezialanwendungen

Neben den genannten Szenarien sind nun auch noch zahlreiche weitere Einsatzgebiete denkbar. Eines der wichtigsten und am weitesten etablierte ist der Einsatz von Videokonferenztechnik im medizinischen Sektor. So können Ärzte während einer Diagnose oder sogar während einer laufenden Operation die Zweitmeinung eines Experten einholen, bei eingespielten Systemen auch ad hoc. Auch regelmäßig stattfindende Besprechungen sind denkbar, in denen die teilnehmenden Ärzte die Planung weiterer Therapiemaßnahmen unter Einsatz von Application Sharing vornehmen. So könnten zum Beispiel Röntgenbilder oder andere Untersuchungsdokumente mit Hilfe der Videokonferenztechnik besprochen werden. Studenten der Medizin können, indem die Übertragung in ein Auditorium erfolgt, einen Eingriff live mitverfolgen, ohne die hohen Sicherheitsvorkehrungen im Operationssaal zu beeinträchtigen. Weiterhin sind verteilte Anwendungen denkbar, in denen der leitende Arzt mit Hilfe von Videokonferenztechnik und modernen chirurgischen Systemen einen Eingriff am Patienten vornimmt, ohne vor Ort zu sein. Vielmehr sitzt der Arzt an einem entfernten Gerät, mit dessen Hilfe er den Patienten und die Behandlungsstelle sieht, während seine Bewegungen an das Gerät übertragen werden, an welches der Patient angeschlossen ist.
Die Anforderungen an solche Szenarien sind sehr hoch, vielerlei Faktoren müssen berücksichtigt werden. So sind die Qualitätsansprüche sowohl bei Audio als auch bei Video sehr hoch, Übertragungsfehler können fatal sein. Ebenso nimmt die Betriebssicherheit einen hohen Stellenwert ein, schließlich geht es bei den beschriebenen Szenarien oftmals um Menschenleben. Integrierte Protokollfunktionen in den Übertragungsgeräten sind denkbar, dabei sollte aber gerade im medizinischen Bereich auch auf die Rechtssicherheit geachtet werden. Die Nutzer der Systeme müssen mit der Technik vertraut sein. Sie müssen sich auf die Systeme verlassen können und die Systeme selbst müssen stets an die örtlichen Gegebenheiten und die Anforderungen des Einsatzgebietes angepasst werden. Vorgefertigte Geräteanordnungen sind meist nicht möglich, oftmals werden spezielle Anfertigungen benötigt, die die Medizingeräteverordnung (MedGV) einhalten. Im Bereich der bildgebenden Verfahren (zum Beispiel bei Röntgenbildern) werden Präsentationsauflösungen benötigt, die von Standard-Konferenzsystemen nicht erreicht werden. Auch hier müssen spezielle Lösungen gefunden werden.

Neben den Szenarien im medizinischen Sektor gibt es weitere Spezialfälle in der Produktions- beziehungsweise Entwurfstechnik. Denkbar sind videokonferenzgestützte Konstruktions- oder Produktionsprogramme, mit denen an verschiedenen Standorten parallel an Produkten gearbeitet werden kann. Die bildgestützte Konferenz ist dabei nur optional, in vielen Fällen ist eine Audiokonferenz ausreichend. Hauptaugenmerk in diesem Bereich liegt auf der verteilten Steuerung der Programme. Mit Hilfe von Application Sharing können CAD-Programme oder Konstruktionsprogramme von entfernten Standorten bedient werden, die Steuerbarkeit ist dabei von enormer Wichtigkeit.

Die Spezialanwendungen in diesem Kapitel sind beliebig erweiterbar und nicht nur auf die genannten beschränkt. Durch die Sonderstellung dieser Szenarien treten sie in dieser Arbeit in den Hintergrund und werden nicht mit zur Evaluierung herangezogen.

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Evaluation

Theoretische Überlegungen

Im Bereich der Lehre stellt der Einsatz der Videokonferenztechnologie eine gute Möglichkeit dar, den Unterricht methodisch auszubauen und inhaltlich zu erweitern. Lehrkräfte oder Lernende können von entfernten Standorten teilnehmen, Gastdozenten können eingebunden werden und weiterführende Lernmaterialen übertragen werden. Die Ressourcennutzung kann dadurch noch maximiert werden (vgl. Fischer, Tenbrink in Connecting Perspectives, S.89). Der Begriff Teleteaching ist mittlerweile im Bildungssektor eine etablierte Institution, die Zahl der veröffentlichten Arbeiten zu diesem Thema ist immens. Verteilte Vorlesungen oder Seminare erbringen einen enormen Mehrwert für das Lehrgeschehen und schon mit gängigen Verfahren der Videokonferenztechnologie können ohne großen Aufwand annehmbare Veranstaltungen mit Kleingruppen (beispielsweise Seminare mit bis zu 20 Teilnehmern lokal) durchgeführt werden.

Sprachunterricht ist eines der idealen Einsatzgebiete. Dabei können zwei Sprachklassen in einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung die Sprache der Gegenstelle lernen, aber auch Mehrpunktkonferenzen zwischen mehr als zwei Standorten sind denkbar. Durch die Interaktion der Klassen untereinander steigt der Mehrwert des Unterrichts (vgl. Videnet, Videoconferencing Cookbook, Uses of Videoconferences, Kapitel Classroom). Bei größeren Lehrveranstaltungen (zum Beispiel Vorlesungen im Hörsaal) ist der Vorbereitungsaufwand höher, der technische Anspruch ebenso. Durch größere Projektionsflächen muss auch die Bildqualität der Übertragung erhöht werden, um die Gegenstelle trotzdem noch deutlich abbilden zu können. Anzunehmen ist, dass die Evaluationsergebnisse dies widerspiegeln und größere Veranstaltungen negativer bezüglich der Konferenzqualität bewertet werden und Seminare mit überschaubarer Teilnehmerzahl positives Feedback erhalten. Videokonferenzgestützte Prüfungen sind durchaus einfach zu realisieren und sicherlich gut geeignet zur Durchführung. In einigen Universitätsstandorten sind so genannte Teleprüfungen bereits in den Regelbetrieb übergegangen (vgl. Lienhard/Trahasch in Connecting Perspectives, S. 295 und 303). Das Szenario der Prüfung ist jedoch in der vorliegenden Arbeit aufgrund fehlender Nachfrage nicht zur Evaluation gekommen, weshalb hier nur auf andere Veröffentlichungen verwiesen werden kann (vgl. auch Wegge/Bipp in Connecting Perspectives, S. 123).

In der Kategorie des kooperativen Arbeitens zeichnen sich auch klare Vorteile der Videokonferenztechnologie ab. Neben direkt messbaren Vorteilen durch gesenkte Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten erfährt die Gruppenarbeit durch die Nutzung des Kommunikationsmittels einen weiteren Mehrwert durch die Möglichkeiten der beschleunigten Entscheidungsfindung und somit einer Effizienzsteigerung der Arbeitsprozesse (vgl. Der Polycom Ratgeber für Konferenzmanagement und Collaboration, S.3). Die Videokonferenz sollte aber dennoch nicht als Ersatz für ein persönliches Treffen mit den Gesprächspartnern gesehen werden, sondern stellt vielmehr eine Erweiterung der Voice-Konferenz mittels des visuellen Übertragungskanals dar. Viele Kooperationsszenarien sind oftmals erst mit Hilfe einer Videokonferenzlösung praktikabel, so zum Beispiel Kooperationsprozesse zwischen mehreren lokal verteilten Arbeitsgruppen, bei denen eine einfache Sprachkonferenz kaum praktikabel und akzeptabel ist. Durchgeführt als Mehrpunktkonferenz kann jedes Projektteam am eigenen Standort ein Videokonferenzsystem nutzen und so innerhalb der eigenen Gruppe als auch mit den anderen Gruppen kommunizieren. Nachteilig kann dabei sein, wenn die Übertragungsqualität den Ansprüchen der Teilnehmer nicht gerecht wird und durch minderwertige Bild- und Tonqualität eine authentische Kommunikation verhindert wird. Die Komponente des informalen Gespräches kann durch Videokonferenztechnik nicht mit in das virtuelle Meeting eingebracht werden (zum Beispiel erste Vorstellung und Begrüßung, Händeschütteln, Austausch von Visitenkarten), weshalb zusätzlich zu den virtuellen Besprechungen auch reelle Treffen durchgeführt werden sollten. Der Sicherheitsaspekt bei Gruppenmeetings höherer Managementstrukturen und die Exklusivität dieser Besprechungen verlangen nach Systemen, die sich der, in dieser Arbeit durchgeführten, Evaluierung entziehen. Dennoch sind sie mittlerweile gängige Praxis und viele Entscheidungsträger profitieren durch den Einsatz moderner Videokonferenztechnologien.

Durch die Breite unterschiedlicher Anwendungen in der Kategorie Event ist eine konkrete Evaluation sehr schwer. Viele der Szenarien wie zum Beispiel ein Festakt oder ein Kongress sind geeignet für die Einbindung in eine Videokonferenz. Doch bei allen vorstellbaren Szenarien steigt der Planungs- und Realisierungsaufwand überproportional an. Die Fehlerquellen nehmen bei Großveranstaltungen drastisch zu und natürlich werden hohe Ansprüche an die Qualität der Darstellung und Durchführung gestellt. Die Anwendung von Videokonferenztechnik zur Einbindung von entferntem Publikum oder entfernten Vortragenden ist ein Mehrwert für die jeweilige Veranstaltung. Reisestress und Reisekosten entfallen und die Breite der angesprochenen Teilnehmer nimmt zu. Das Szenario „Tag der offenen Tür“ profitiert von bild- und tonvermittelter Fernkommunikation nur in Ausnahmefällen, wenn zum Beispiel mit der sich vorstellenden Institution in Verbindung stehende Personen eingebunden werden sollen. Im Normalfall ist der Tag der offenen Tür für lokale Begehungen oder Vorstellungen gedacht.

Die praktische Relevanz für Videokonferenzen der Kategorie Informations- und Beratungsdienstleistung ist nicht zu vernachlässigen. Das Szenario der Auskunft ist durchaus gut geeignet als bildgestützte Dienstleistung, vor allem wenn dedizierte stand-alone-Geräte verwendet werden, deren Steuerungsinterface intuitiv gestaltet ist und so von einer großen Nutzerzahl bedient werden kann. Mit zunehmender Komplexität der beschriebenen Szenarien nimmt jedoch auch der Aufwand zu und die Nutzung von Videokonferenztechnologie wird schwieriger und vor allem nachteiliger, die Vorteile verlieren an Bedeutung. Da es sich vorrangig um Dienstleistungen handelt, müssen Aufwand und Nutzen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und a priori sorgfältig überdacht werden. Kosten für Kauf und Betrieb beziehungsweise Anmietung von Videokonferenzanlagen müssen gut kalkuliert werden.

Entwurf eines Fragebogens

Beim Entwurf des Fragebogens musste darauf geachtet werden, dass alle auftretenden Szenarien abgedeckt sind und alle Adressaten der Befragung berücksichtigt werden. Da es sich um eine schriftliche Befragung handelt und somit kaum Rückfragen bei unklaren Fragestellungen möglich sind, wurde bei der Erstellung des Fragebogens auf prägnante, unmissverständliche und eindeutige Fragen (und Antworten) geachtet. Die Formulierung der Befragungsitems erfolgte einerseits im Hinblick auf die Befragten, andererseits aber auch unter Berücksichtigung verschiedener anderer Aspekte wie geeignete Frage-Antwort-Muster (vgl. Landwehr/Steiner/Keller, S. 17f). Es empfiehlt sich, für möglichst viele Befragungsitems denselben Antworttypus zu verwenden, also nicht bei jeder Frage das Beantwortungsmuster zu wechseln, sondern Fragegruppen zu bilden, die nach demselben Muster zu beantworten sind. So wird der Befragte nicht unnötig durch verwirrende Konstruktionen belastet und eine möglichst einfache und gleichzeitig objektive Auswertung ermöglicht. Im vorliegenden Fragebogen werden die meisten der Fragen geschlossen gestellt (vgl. Kirchhoff/Kuhnt/Lipp/Sulawin, S. 20). Bei geschlossenen Fragen werden alle möglichen oder interessierenden Antworten vorgegeben. So ist es außerdem möglich, Antwort-Skalen einzusetzen. Anhand solcher Skalen, so genannte Likert-Skalen (benannt nach dem Sozialforscher Rensis Likert), wird die Antwort operationalisiert und kann für eine objektive statistische Auswertung genutzt werden. Im genutzten Fragebogen wird eine fünfstufige Skala mit je zwei positiven und zwei negativen sowie einer neutralen Antwortvorgabe verwendet. Damit wird ein breites Spektrum möglicher Varianten der Beantwortung abgedeckt. Bei der Formulierung der Befragungsitems wurde weitestgehend auf die Berücksichtigung der vier formalen Kriterien einer guten Fragestellung (vgl. Landwehr/Steiner/Keller, S. 18 und 47) geachtet. Die Fragen wurden einfach und verständlich formuliert, so dass sie auch ohne weitere Erläuterung verstanden werden. Dabei wurden einfache Satzkonstruktionen ohne Fremd- oder Fachausdrücke gewählt. Die Fragen sind präzise und konkret gestellt. Vieldeutige oder missverständliche Formulierungen wurden vermieden. So werden die Befragungsitems von allen Adressaten gleich verstanden. Auch wurde darauf geachtet, in den Fragen keine Antworttendenzen vorzugeben (so genannte Suggestivfragen), sondern die Formulierung neutral zu halten, um eine Verzerrung der Antworten zu vermeiden. Jede Frage wurde eindimensional gestellt, das heißt jedes Befragungsitem zielt nur auf einen Sachverhalt. Sammelfragen oder Fragen, die verschiedene Aussagen verknüpfen, wurden vermieden.

Der verwendete Fragebogen umfasst zwei Seiten. Um den Rücklauf der Befragung so weit wie möglich zu optimieren und die Nutzer des Konferenzdienstes nicht zu strapazieren, wurde der Evaluationsbogen so kurz wie möglich konzipiert, ohne auf notwendige Fragen verzichten zu müssen (vgl. Kirchhoff/Kuhnt/Lipp/Sulawin, S. 107).

Der Fragebogen ist in sechs verschiedene Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil erfolgt die qualitative Beurteilung der durchgeführten Konferenz. Dies ist von großer Bedeutung, da die Qualität der Videokonferenz sowohl im Audiobereich als auch im Videobereich den Nutzer maßgeblich in seiner Meinung beeinflusst und bei allen Szenarien ein wichtiges Kriterium darstellt. Die Bewertungsskala reicht dabei analog dem Schulbewertungssystem von 1 (für sehr gut) bis 5 (für sehr schlecht), die 3 stellt die neutrale Mitte dar. Diese Notenskala erleichtert wie schon beschrieben die Auswertung der ausgefüllten Fragebögen, indem das einfache Mittel der Antworten darüber gebildet werden kann. Neben den Fragen zur Qualität von Audio- und Videoübertragung werden auch allgemeine Fragen zur Videokonferenz gestellt, wie etwa Fragen zur Planung, Betreuung und Durchführung sowie der Zufriedenheit des Nutzers. Auch diese Werte zeigen die Meinung des Nutzers zur evaluierten Konferenz.
Ein weiterer Teil des Bogens behandelt Fragen zu Alter und Beschäftigung des Befragten (die Befragungsitems sind offen gestellt, das heißt der Adressat hat hier keine Auswahlmöglichkeiten vorgegeben, sondern muss eigene Werte in die dafür vorgesehenen Freiräume eintragen) sowie die Erfahrung des befragten Nutzers zu bisherigen Erfahrungen mit Videokonferenztechnologien (wobei der Adressat angeben soll, wie oft er bereits an bild- und tongestützten Konferenzen teilgenommen hat). Wichtig sind diese Frage für die Auswertung insofern, dass Rückschlüsse gezogen werden können, inwieweit das Alter beziehungsweise der Beruf die Nutzung und Beurteilung der Konferenztechnologie beeinflusst, in welcher Position der Nutzer während der Konferenz aktiv war (Dozent, Student, Mitarbeiter oder ähnliches) und ob und wie sehr die schon erlangten Fertigkeiten im Umgang mit Konferenztechnik das Erlebnis der Videokonferenz beeinflussen.

Ein dritter Teil des Bogens behandelt die Fragen, inwieweit für die Vermittlung und das Verständnis des Gesprächsinhaltes Audio, Video und Folienpräsentation von Bedeutung sind und in welchem Maße diese drei Komponenten für den Erhalt der Konzentration während der Konferenz eine Rolle spielen. Damit kann geprüft werden, ob das getestete Szenario geeignet ist für die Durchführung per Videokonferenz. Dabei werden geschlossene Wertungsfragen gestellt. Die bereits erwähnte fünfstufige Likert-Skala wird auch hier wieder eingesetzt und umfasst dabei zwei positive Antworten (sehr wichtig/wichtig), eine neutrale Antwort (teils/teils) sowie zwei negative Antworten (weniger wichtig/nicht wichtig).

Im vierten Teil des Fragebogens soll der Nutzer seine Meinung zum Thema Videokonferenz mit vorgegebenen Aussagen abgleichen. Dabei stehen je Aussage wieder fünf verschiedene Antwortmöglichkeiten zu Verfügung (stimme voll zu, stimme eher zu, teils/teils, stimme eher nicht zu, stimme nicht zu). Das Ergebnis der Auswertung soll zeigen, in welchem Maße die Nutzer Videokonferenztechnik als Bestandteil des Konferenzgeschehens akzeptieren und ob sie mit der durchgeführten Konferenz zufrieden waren. Die Akzeptanz der Konferenzteilnehmer ist maßgebend für das Gelingen oder Scheitern einer Videokonferenz.

Der letzte vom Nutzer auszufüllende Teil des Fragebogens ist eine offene Fragestellung, die dem Adressaten Platz einräumt, positive oder negative Anmerkungen darzulegen und Kommentare zum Verbesserungsbedarf und zum allgemeinen Eindruck zu geben. Damit soll bewirkt werden, dass auch unberücksichtigte Items in die Auswertung einfließen können. Nicht zuletzt gehört es auch zum freundlichen Ton, den man gegenüber den Befragten einschlagen sollte.

Inhaltlich, methodisch und grafisch vom Rest des Fragebogens abgegrenzt ist der letzte Abschnitt dennoch von zentraler Bedeutung. Hier ist ein Bereich vorgesehen, in dem das evaluierte Szenario beschrieben wird. Wie im Anleitungstext auf dem Fragebogen beschrieben führt der technische Betreuer diese Aufgabe nach dem Rücklauf aller Fragebögen aus. Neben einer kurzen Beschreibung des Szenarios soll hier eingetragen werden, wie viele Teilnehmer lokal und an den Gegenstellen anwesend waren, ob ein Moderator eingesetzt wurde, ob Dozenten anwesend waren und weitere Details. Dieser Teil des Fragebogens ist von grundlegender Bedeutung, da nur hier hervorgeht, in welche Kategorie die geführte Konferenz einzuordnen ist und welche Randbedingungen herrschten. Da der technische Betreuer mit der Kategorisierung (vgl. Kapitel 2) vertraut ist und der Konferenz beiwohnt, obliegt ihm die Durchführung der objektiven Beschreibung des Szenarios anhand genannter Kriterien.

Einsatz des Fragebogens

Allgemeines

Von Februar 2007 bis Mai 2007 wurde der entworfene Fragebogen in verschiedenen Veranstaltungen eingesetzt. Insgesamt wurden dabei 8 Veranstaltungen evaluiert, die Grundgesamtheit der befragten Teilnehmer beträgt 75 (tabellarische Erfassung der Daten siehe Anhang). Im Evaluationszeitraum wurde dabei das Szenario „Seminar“ viermal durchgeführt und ergab 63 rückläufige Fragebögen, sowie das Szenario „Projektbesprechung“, ebenfalls viermal durchgeführt mit 12 Rückläufen (vgl. Tabelle 1).

Szenario Rücklauf
Seminar 63 (84%)
Projektbesprechung 12 (16%)
Gesamt 75 (100%)
Tabelle 1 : Verteilung der Fragebögen auf die evaluierten Szenarien ( Eine detaillierte Beschreibung der durchgeführten Veranstaltungen befindet sich im Anhang)

Während des Einsatzes der Fragebögen im Evaluationszeitraum ergab sich die Notwendigkeit, die schon bestehenden Befragungsitems um drei weitere Fragen zu ergänzen, um die Auswertung detaillierter gestalten zu können. Deshalb wurde ab Mitte April 2007 ein um die Fragen nach Alter, Beruf und Fachrichtung erweiterte Fragebogen eingesetzt. Insgesamt 44 Rückläufe basieren auf diesem. Damit ergibt sich ein erster Überblick über die Fachrichtung und Beschäftigungssituation der Befragten (vgl. Tabelle 2 und Tabelle 3).

Fakultät Anzahl
Erziehungswissenschaften 1
Maschinenwesen 1
Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften 1
Zentrum für internationale Studien 1
Informatik 2
ZIH 2
Philosophie 2
Verkehrswissenschaften 3
Mathematik und Naturwissenschaften 5
Wirtschaftswissenschaften 8
Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften 12
keine Angabe 6
Tabelle 2 : Verteilung der Befragten nach Fakultätsangehörigkeit

Hier wird deutlich, dass das Fachrichtungsspektrum der Teilnehmer breit gefächert und nicht auf bestimmte Fakultäten beschränkt ist. Ein Großteil der Befragten waren Studenten, was natürlich auch dem Umstand zuzuschreiben ist, dass an den durchgeführten Seminaren überwiegend Studenten teilnahmen und TU-Angestellte nur durch die Lehrkräfte vertreten waren. Die Bezeichnung TU-Angestellter umfasst dabei alle nichtstudentischen Angehörigen der Universität, hauptsächlich Professoren oder andere Dozenten und wissenschaftliche Mitarbeiter.

Beschäftigung Anzahl
Student / Studentin 34
TU-Angestellter 7
keine Angabe 3
Tabelle 3 : Beschäftigungssituation der Befragten

Analog zum Beschäftigungsverhältnis gestaltet sich auch die Alterstruktur der Befragten. Dabei hat sich ein Alter von 30 als signifikante Grenze ergeben, alle Befragten Teilnehmer mit einem Alter unter 30 Jahren waren Studenten, alle Befragungsteilnehmer über 30 Jahren waren Angestellte der Technischen Universität Dresden. Ein nicht zu vernachlässigender Teil gab auf die Frage nach dem Alter keine Angabe.

Alter Anzahl
unter 30 31
über 30 3
keine Angabe 10
Tabelle 4: Alterstruktur der Befragten

In Frage 14 des Fragebogens wurde die Erfahrung der Teilnehmer in der Nutzung von Videokonferenzen erhoben. Dabei stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte der Nutzer (51%, vgl. Tabelle 5) noch nie an Videokonferenzen partizipiert hat.

Frage 14: Wie oft haben Sie schon an Videokonferenzen teilgenommen? Anzahl
nie 38 (51%)
einmal 16 (21%)
zweimal 7 (9%)
dreimal 3 (4%)
mehr als dreimal 11(15%)
Gesamt 75 (100%)
Tabelle 5 : Erfahrung der Befragten in Bezug auf Videokonferenzen

Anhand dieser Verteilungen und für eine sinnvolle Auswertung der Daten empfiehlt es sich, die Befragten in verschiedene Nutzergruppen einzuteilen.
Schon eine Einteilung in die Nutzergruppen „Seminar“ und „Projektbesprechung“ gestattet es aufgrund der statistischen Auswertung, die unterschiedlichen Anforderungen in diesen Szenarien zu belegen. Aber auch eine Einteilung der Nutzer in „Novizen“ (Teilnehmer, die noch nie an einer Videokonferenz teilgenommen haben) und „Fortgeschrittene“ (Teilnehmer, die schon mindestens einmal an einer Videokonferenz teilgenommen haben) ist anhand der Auswertung von Frage 14 möglich. Aus Tabelle 5 ergibt sich somit die in Abbildung 1 dargestellte Gruppenstruktur.


Abb1
Abbildung 1 : Bildung von Gruppen aufgrund des Erfahrungslevels der Befragten (erhoben in Frage 14)

Die weitere Auswertung wird sich auf diese Gruppierungen beziehen. Dabei soll versucht werden, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den verschiedenen Bewertungsprofilen herauszuarbeiten.

Wesentliche Ergebnisse

Im ersten Fragenbereich des Fragebogens wurden Daten bezüglich der Qualität der Videokonferenz erhoben. Mehr als 81% der Befragten beantworteten die Frage nach der allgemeinen Qualität mit gut beziehungsweise sehr gut. Im Mittel bewerteten alle Befragten die allgemeine Qualität der Konferenz mit 2,01 bei einer Standardabweichung von 0,61. Unterschiede in der Bewertung dieser Frage sind vorhanden sowohl zwischen den Szenarien Projektbesprechung und Seminar als auch zwischen den Kategorien Anfänger und Fortgeschrittene (vgl. Tabelle 6). Ganz deutlich zu erkennen ist hier, dass keiner der Befragten die allgemeine Qualität der durchgeführten Konferenz mit der schlechtesten Note bewertet hat. Durch überwiegend gute Werte ist in allen Kategorien eine positive Tendenz erkennbar.

Frage 1: Wie bewerten Sie die Konferenz allgemein?
Antwortverteilung

 

Projektbesprechung Seminar Novize Erfahren Gesamt
1-sehr gut 3 (25%) 9 (14%) 6 (16%) 6 (16%) 12 (16%)
2-gut 8 (67%) 41 (65%) 27 (71%) 22 (59%) 49 (65%)
3-mittel 1 (8%) 10 (16%) 3 (8%) 8 (22%) 11 (15%)
4-schlecht 0 1 (2%) 0 1 (3%) 1 (1%)
5-sehr schlecht 0 0 0 0 0
keine Angabe 0 2 (3%) 2 (5%) 0 2 (3%)
gesamt 12 (100%) 63 (100%) 38 (100%) 37 (100%) 75 (100%)
Mittelwert 1,83 2,05 1,92 2,11 2,01
Standardabweichung 0,58 0,62 0,50 0,70 0,61
Tabelle 6 : Grundauswertung der Frage 1 mit Antwortverteilung der verschiedenen Kategorien sowie Mittelwerte und Standardabweichungen

Die Fragen 2-4 behandeln die wahrgenommene Qualität der Videoübertragung (Frage 2), die wahrgenommene Qualität der Audioübertragung (Frage 3) sowie die visuelle Qualität der übertragenen Folien (Frage 4). Wie in Abbildung 2 erkenntlich ist die Videoqualität als durchweg gut eingestuft worden, sowohl im Mittel über alle Befragten (2,15) als auch in den einzelnen Szenarien. Die Einschätzungen „schlecht“ und „sehr schlecht“ wurden nicht vergeben. Die Standardabweichung in allen Untersuchungsgruppen liegt bei 0,6.

Abb2

Abbildung 2: Mittelwerte und Standardabweichungen in Frage 2 im Vergleich zwischen den verschiedenen Gruppen

Die Audioqualität wurde als geringfügig schlechter eingestuft als die Videoübertragung, aber dennoch mit einem Mittelwert von 2,31 über alle Befragten (vgl. Abbildung 3). Auffällig sind hier die Unterschiede der Standardabweichungen zwischen den Untersuchungsgruppen. Zwischen Projektgruppenbesprechung (Standardabweichung 1,06) und Seminar (Standardabweichung 0,72) sowie zwischen Novizen (Standardabweichung 0,66) und Erfahrenen Nutzern (Standardabweichung 0,88) sind Unterschiede erkennbar.

Abb3

Abbildung 3 : Mittelwerte und Standardabweichungen in Frage 3 im Vergleich zwischen den verschiedenen Gruppen

Die Auswertung der Frage 4 darf nur unter Vorbehalt geschehen. Die Formulierung der Frage „Wie bewerten Sie die visuelle Qualität der übertragenen Folienpräsentation“ wurde noch mit dem Zusatz „falls vorhanden“ versehen. Die meisten der Befragten reagierten hier der jeweiligen Veranstaltung entsprechend und ließen die Felder frei, wenn keine Präsentationen übertragen wurden. Dennoch bewerteten erheblich viele Teilnehmer trotz fehlender Präsentation eine solche, was zu verfälschten Evaluationsergebnissen führt (besonders die Standardabweichungen in Abbildung 4 zeigen dies ganz deutlich).

Abb4

Abbildung 4 : Mittelwerte und Standardabweichungen in Frage 4 im Vergleich zwischen den verschiedenen Gruppen

Die positive Bewertungstendenz setzt sich auch in den darauf folgenden Fragen fort. So gaben rund 90% aller Befragten an, die Qualität der technischen Betreuung sei gut, beziehungsweise sehr gut (Frage 5). Kein Teilnehmer gab eine schlechtere Einschätzung als Note 3 zu diesem Befragungsitem. Auch „Planung und Durchführung der Veranstaltung“ (Frage 6) wurde durchweg positiv bewertet. Wie schon in der vorhergehenden Frage wurde auch hier als schlechteste Angabe die Note 3 vergeben, 78% der Befragten bewerteten diese Frage mit sehr gut oder gut.

Wie in Tabelle 7 ersichtlich gaben bei Frage 7 ungefähr 87% der Befragten an, dass ihre Erwartungen an die Videokonferenz erfüllt wurden. Nur ein Nutzer bewertete diese Frage mit „schlecht“, eine weitere Person gab keine Auskunft.

Frage 7: Inwieweit wurden Ihre Erwartungen an diese Konferenz erfüllt?
  Projektbesprechung Seminar Novize Erfahren Gesamt
1-sehr gut 2 (17%) 19 (30%) 13 (34%) 8 (22%) 21 (28%)
2-gut 9 (75%) 35 (55%) 20 (52%) 24 (65%) 44 (59%)
3-mittel 1 (8%) 7 (11%) 4 (11%) 4 (11%) 8 (11%)
4-schlecht 0 1 (2%) 0 1 (2%) 1 (1%)
keine Angabe 0 1 (2%) 1 (3%) 0 1 (1%)
Summe 12 (100%) 63 (100%) 38 (100%) 37 (100%) 75 (100%)
Tabelle 7 : Antwortverteilung der Nutzergruppen in Frage 7

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein Großteil der Befragten mit der Qualität der getesteten Videokonferenzen zufrieden war. Aufgetretene technische Probleme während der getesteten Veranstaltungen und dadurch entstandene Verzögerungen im Ablauf beeinflussten die Befragungsteilnehmer nicht in der allgemeinen Einschätzung der Videokonferenz. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass auch trotz erkennbarer Defizite während der Veranstaltungen die Akzeptanz der Nutzer hoch ist.

Erfolgsfaktoren einer Videokonferenz

Faktoren für die Vermittlung und das Verständnis des Gesprächsinhaltes

Im Fragengebiet zwei des Fragebogens wurden Daten erhoben, aus denen hervorgehen soll, welche Faktoren zum erfolgreichen Gelingen einer Videokonferenz beitragen. So wurde in den Fragen 8 bis 10 analysiert, welcher der drei übermittelten Kanäle Audio (Frage 8), Video (Frage 9) oder Folienpräsentation (Frage 10) am wichtigsten für die Vermittlung und das Verständnis des Gesprächsinhaltes ist. Schon in der Grundauswertung ergibt sich dabei, dass der übermittelte Ton die wichtigste Komponente darstellt, darauf folgt die Videoübertragung des Gesprächspartners als weniger wichtig, und schließlich ist eine übertragene Computerdarstellung die am wenigsten wichtige Konferenzkomponente. In Abbildung 5 ist dieser Zusammenhang für die Gesamtheit aller Befragten dargestellt.

Abb5

Abbildung 5 : Mittelwerte und Standardabweichungen sowie signifikante Unterschiede in den Fragen 8 bis 10 über alle Befragten

Der t-Test unter Annahme unterschiedlicher Varianzen zeigt hier einen hoch signifikanten Unterschied zwischen der Relevanz des Audiokanals und des Videokanals und zwischen der Relevanz des Audiokanals und der Computerdarstellung. Der Unterschied in der Bedeutsamkeit von Bildübertragung und übertragener Computerdarstellung ist hier jedoch nicht signifikant.

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass den Nutzern die Übertragung des Tones für die Vermittlung und das Verständnis des Gesprächsinhaltes am wichtigsten ist. Die Bildqualität des Gesprächspartners sowie eventuelle Computerpräsentationen sind als weniger relevant erachtet worden.

Betrachtet man nun die Ergebnisse innerhalb der Gruppen, zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. In Abbildung 6 sind die Mittelwerte und zugehörigen Standardabweichungen der Szenarien Projektbesprechung und Seminar im Vergleich dargestellt. Hier zeigt der t-Test, dass die unterschiedliche Relevanz zwischen Audio- und Videoverbindung und zwischen Audioverbindung und Computerdarstellung im Szenario Projektbesprechung signifikant ist (n=12, p<0,05), im Szenario Seminar sogar hoch signifikant (n=63, p<0,01). Die Unterschiede in der Wichtigkeit von Videoverbindung und Computerdarstellung sind bei beiden Szenarien nicht signifikant, tendenziell ist aber die Videoverbindung als geringfügig relevanter als die Computerdarstellung für die Vermittlung und das Verständnis des Gesprächsinhaltes in der Konferenz zu betrachten.

Abb6

Abbildung 6 : Mittelwerte und Standardabweichungen in den Fragen 8 bis 10 im Vergleich zwischen den Szenarien Projektbesprechung und Seminar

Im Vergleich der beiden Nutzergruppen Novize und Erfahren zeigt sich, dass erfahrene Nutzer nahezu identische Anforderungen an die Relevanz der drei Komponenten im Hinblick auf Gesprächsvermittlung stellen. Wie aus Abbildung 7 hervorgeht, hat die Tonverbindung auch hier mit hoher Signifikanz den wichtigsten Stellenwert. Zwischen Videoverbindung und Computerdarstellung besteht kein signifikanter Unterschied.

Abb7

Abbildung 7 : Mittelwerte und Standardabweichungen sowie signifikante Unterschiede in den Fragen 8 bis 10 im Vergleich zwischen den Befragungsgruppen Novize und Erfahren

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass für die Vermittlung und das Verständnis des Gesprächsinhaltes in einer Videokonferenz die Tonübertragung die wichtigste Komponente darstellt, unabhängig von Szenario oder Nutzervorkenntnis.

Faktoren für die Aufmerksamkeit während einer Konferenz

In den Fragen 11 bis 13 des Fragebogens wurde erfasst, welche der drei übertragenen Komponenten für den Erhalt der Konzentration während einer Konferenz am wichtigsten ist. Bis auf eine Person gaben alle Befragten an, dass die Audioübertragung für den Erhalt der Konzentration wichtig beziehungsweise sehr wichtig ist. 86% der Teilnehmer bewerteten die Bildübertragung als wichtige beziehungsweise sehr wichtige Komponente für die Aufmerksamkeit während einer Videokonferenz. Die Darstellung einer übertragenen Computerpräsentation ist für 65% der Befragten ein wichtiger beziehungsweise sehr wichtiger Faktor für den Erhalt der Aufmerksamkeit. In Abbildung 8 sind die Mittelwerte der Fragen 11 bis 13 über die Gesamtheit aller Befragungsteilnehmer sowie die dazugehörigen Standardabweichungen für dieses Fragengebiet dargestellt.

Abb8

Abbildung 8 : Mittelwerte und Standardabweichungen sowie signifikante Unterschiede in den Fragen 11 bis 13 über alle Befragten

Hier zeigt sich ein hoch signifikanter Unterschied zwischen den Komponenten Tonverbindung und Videoverbindung sowie ein signifikanter Unterschied zwischen Videoverbindung und Computerdarstellung. Das heißt, dass die einzelnen Faktoren nachweislich unterschiedliche Relevanzen haben.

Vergleicht man nun die beiden getesteten Szenarien Projektbesprechung und Seminar miteinander, ergibt sich ein differenzierteres Bild (vgl. Abbildung 9).

Abb9

Abbildung 9 : Mittelwerte und Standardabweichungen sowie signifikante Unterschiede in den Fragen 11 bis 13 im Vergleich zwischen den Szenarien Projektbesprechung und Seminar

Der t-Test unter Annahme unterschiedlicher Varianzen zeigt, dass der Unterschied in der Relevanz von Tonverbindung und Videoverbindung in beiden Szenarien signifikant ist, im Szenario Seminar sogar hoch signifikant. Das unterschiedliche Bewertungsverhalten in den Szenarien „Projektbesprechung“ und „Seminar“ stellt sich mit Hilfe des t-Tests als hoch signifikant heraus (n=12, p<0,05). Für den Erhalt der Aufmerksamkeit ist somit die Tonübertragung den Teilnehmern einer Projektbesprechung wichtiger als den Seminarteilnehmern.
Der Unterschied zwischen Videoverbindung und Computerdarstellung ist nur im Szenario Seminar signifikant, während bei einer Projektbesprechung die Videodarstellung des Gesprächspartners und die Computerpräsentation als nahezu gleichbedeutend für den Erhalt der Aufmerksamkeit erachtet werden. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass in der Kategorie „Lehre“ der Einsatz von Vortragsfolien einen höheren Stellenwert einnimmt als in Projektbesprechungen von Arbeitsgruppen, und viele Seminarteilnehmer können sich durch die übertragenen Präsentationen gut auf die Veranstaltung konzentrieren.

Betrachtet man die Bewertungen zwischen den Teilnehmern ohne Videokonferenzerfahrung und den schon erfahrenen Teilnehmern (vgl. Abbildung 10), erkennt man mit Hilfe des t-Tests, dass bei beiden Testgruppen die unterschiedliche Bewertung von Tonverbindung und Videoverbindung hoch signifikant ist. Somit spielt bei dieser Frage die Erfahrung in bild- und tonübermittelter Fernkommunikation keine Rolle, die Tonübertragung ist für alle Befragten der wichtigste Faktor zum Erhalt der Aufmerksamkeit während der Konferenz.

Abb10

Abbildung 10 : Mittelwerte und Standardabweichungen sowie signifikante Unterschiede in den Fragen 11 bis 13 im Vergleich zwischen den Befragungsgruppen Novize und Erfahren

Die übertragene Computerdarstellung ist ebenfalls bei beiden Testgruppen weniger relevant für die Aufmerksamkeit als die übertragene Videodarstellung der Gegenstelle, jedoch ist der Unterschied zwischen diesen beiden Befragungsitems nur bei Erfahrenen Nutzern signifikant. Offenbar bewerten erfahrene Videokonferenzteilnehmer das Videobild der Gegenstelle als deutlich wichtiger für den Erhalt der Konzentration als die Computerdarstellung, wohingegen unerfahrene Nutzer hier nicht so deutlich differenzieren.

Die Akzeptanz von Videokonferenzen

In den Fragen 15 bis 19 glichen die Nutzer ihre Meinung zum Thema Videokonferenzen mit vorgegebenen Aussagen ab, indem sie die ihre Meinung entsprechende Antwortmöglichkeit auswählten. So konnte die Akzeptanz der Nutzer bezüglich des Einsatzes von Videokonferenztechnologie evaluiert werden.
95% aller Befragten können sich demzufolge vorstellen, weiterhin Videokonferenzen durchzuführen (57,3% werteten die Aussage mit „stimme voll zu“, 37,3% werteten mit „stimme eher zu“, vgl. Tabelle 8). Drei Befragungsteilnehmer stimmten mit „teils/teils“, nur ein Nutzer wertete die Aussage mit „stimme eher nicht zu“.

Frage 15: Ich kann mir vorstellen, weiterhin Videokonferenzen durchzuführen.
  Projektbesprechung Seminar Novize Erfahren Gesamt
stimme voll zu 11 (92%) 32 (51%) 16 (42%) 27 (73%) 43 (57,3%)
stimme eher zu 1 (8%) 27 (43%) 21 (55%) 7 (19%) 28 (37,3%)
teils/teils 0 3 (5%) 1 (3%) 2 (5%) 3 (4,0%)
stimme eher nicht zu 0 1 (1%) 0 1 (3%) 1 (1,3%)
stimme nicht zu 0 0 0 0 0
keine Angabe 0 0 0 0 0
Summe 12 (100%) 63 (100%) 38 (100%) 37 (100%) 75 (100%)
Tabelle 8 : Antwortverteilung der Nutzergruppen in Frage 15

Im Vergleich der zwei Szenarien wird deutlich, dass die Akzeptanz bei den Teilnehmern der getesteten Projektbesprechungen sehr hoch ist. Alle Befragten können sich hier vorstellen, weiterhin Videokonferenzen für ihre Arbeitsgruppenbesprechungen einzusetzen. Die unentschlossenen oder eher nicht zustimmenden Befragten waren Teilnehmer eines Seminars. Abgesehen von der Gruppe der Novizen, in der die Mehrheit der Befragten mit „stimme eher zu“ antwortete, war der Median in den anderen Befragungsgruppen „stimme voll zu“. Daraus lässt sich schließen, dass die Akzeptanz von Videokonferenzen bei fortgeschrittener Nutzung steigt.

Aus Tabelle 9 geht hervor, dass 61% aller Befragten der Meinung waren, Videokonferenzen seien eine Alternative zur Veranstaltungsdurchführung vor Ort (33% antworteten mit „stimme voll zu“, 28% gaben „stimme eher zu“ an). Auffällig ist hier der hohe Anteil von unentschlossenen Teilnehmern (mit 35% antwortete die Mehrheit der Befragten mit „teils/teils“). Der Median ist bei allen Befragungsgruppen „stimme eher zu“, zwischen den Szenarien „Projektbesprechung“ und „Seminar“ sowie zwischen den Erfahrungsstufen „Novize“ und „Erfahren“ gibt es keine auffälligen Unterschiede. Tendenziell zeigt sich, dass Videokonferenzen nur bedingt eine Alternative zur Durchführung vor Ort darstellen, da die Befragten sehr gestreut antworteten. Man kann daraus schließen, dass auf lokal durchgeführte Veranstaltungen nicht verzichtet werden kann und Videokonferenztechnik diese Veranstaltungen nicht ersetzen kann.

Frage 16: Videokonferenzen sind eine Alternative zur Veranstaltungsdurchführung vor Ort.
  Projektbesprechung Seminar Novize Erfahren Gesamt
stimme voll zu 5 (42%) 20 (32%) 12 (32%) 13 (35%) 25 (33%)
stimme eher zu 3 (25%) 18 (29%) 10 (26%) 11 (30%) 21 (28%)
teils/teils 4 (33%) 22 (35%) 16 (42%) 10 (27%) 26 (35%)
stimme eher nicht zu 0 2 (3%) 0 2 (5%) 2 (3%)
stimme nicht zu 0 1 (1%) 0 1 (3%) 1 (1%)
keine Angabe 0 0 0 0 0
Summe 12 (100%) 63 (100%) 38 (100%) 37 (100%) 75 (100%)
Tabelle 9 : Antwortverteilung der Nutzergruppen in Frage 16

Als Bereicherung des Konferenzgeschehens wird der Einsatz von Videokonferenzen von der Mehrheit der Befragten gesehen. In Frage 17 waren demnach 89% aller Nutzer dieser Meinung (44% antworteten mit „stimme voll zu“, 45% gaben „stimme eher zu“ an). Nur 11% antworteten mit „teils/teils“ und keiner der Befragungsteilnehmer stimmte dieser Aussage nicht oder eher nicht zu. Diese Meinung spiegelt sich wie in Tabelle 10 ersichtlich in allen Befragungsgruppen wider. Folglich stellt der Einsatz von Videokonferenztechnik für alle Befragten, unabhängig von Erfahrung oder Szenario, eine Erweiterung des regulären Lehr- oder Arbeitsbetriebes dar.

Frage 17: Videokonferenzen sind eine Bereicherung des Konferenzgeschehens.
  Projektbesprechung Seminar Novize Erfahren Gesamt
stimme voll zu 6 (50%) 27 (43%) 14 (37%) 19 (51%) 33 (44%)
stimme eher zu 5 (42%) 29 (46%) 21 (55%) 13 (35%) 34 (45%)
teils/teils 1 (8%) 7 (11%) 3 (8%) 5 (14%) 8 (11%)
stimme eher nicht zu 0 0 0 0 0
stimme nicht zu 0 0 0 0 0
keine Angabe 0 0 0 0 0
Summe 12 (100%) 63 (100%) 38 (100%) 37 (100%) 75 (100%)
Tabelle 10 : Antwortverteilung der Nutzergruppen in Frage 17

Die letzten beiden geschlossenen Fragen des Fragebogens sollen zeigen, ob die Teilnehmer Vorteile in der Nutzung von Videokonferenzen sehen. In Frage 18 wird Geldersparnis als Vorteil angebracht, Frage 19 stellt Zeitersparnis als Vorteil dar. Auch hier sollten die Befragten ihre eigene Meinung mit den Befragungsitems abgleichen. Das Ergebnis über alle Befragungsteilnehmer ist in Abbildung 11 dargestellt. Es zeigt sich, dass beide Faktoren ähnlich beantwortet wurden. Die Mehrheit der Befragten ist demnach der Meinung, dass Videokonferenzen helfen, Geld und Zeit einzusparen. 33% antworteten auf Frage 18 mit „stimme voll zu“, 29% antworteten mit „stimme eher zu“. Frage 19 beantworteten 35% mit „stimme voll zu“ und 29% mit „stimme eher zu“. Mit „teils/teils“ antworteten in beiden Fragen 24% (Frage 18) beziehungsweise 23% (Frage 19) aller Teilnehmer. 5% gaben in beiden Fragen an, sie stimmen den Aussagen eher nicht zu, weitere 3% (Frage 18) beziehungsweise 4% (Frage 19) antworteten mit „stimme nicht zu“.

Abb11

Abbildung 11 : Antwortverteilung aller Befragten in den Fragen 18 und 19

Es fällt auf, dass trotz der hohen Zustimmung in beiden Fragen ein beachtlicher Anteil der Befragten den Aussagen nicht zustimmt. Betrachtet man nun die Antwortverteilungen zwischen den beiden evaluierten Szenarien Projektbesprechung und Seminar, ergibt sich ein deutliches Bild (vgl. Tabelle 11).

Fragen 18 und 19: Videokonferenzen helfen, Geld und Zeit einzusparen.
  Projektbesprechung Seminar
Frage 18 Frage 19 Frage 18 Frage 19
stimme voll zu 10 (83%) 10 (83%) 15 (24%) 16 (25%)
stimme eher zu 2 (17%) 2 (17%) 20 (32%) 20 (32%)
teils/teils 0 0 18 (29%) 17 (27%)
stimme eher nicht zu 0 0 4 (6%) 4 (6%)
stimme nicht zu 0 0 2 (3%) 3 (5%)
keine Angabe 0 0 4 (6%) 3 (5%)
Summe 12 (100%) 12 (100%) 63 (100%) 63 (100%)
Tabelle 11 : Antwortverteilungen in den Fragen 18 und 19 im Vergleich zwischen Projektbesprechung und Seminar

Alle Projektbesprechungsteilnehmer waren der Meinung, dass Videokonferenzen helfen, Geld und Zeit zu sparen (83% antworteten bei beiden Fragen mit „stimme voll zu“, 17% antworteten jeweils mit „stimme eher zu“). Unter den Teilnehmern der evaluierten Seminare war die Spannweite der Antworten ungleich größer, tendenziell waren aber auch Seminarteilnehmer der Meinung, mit Videokonferenzen Geld und Zeit einsparen zu können. Der Mann-Whitney-Test ergab im Vergleich der beiden Szenarien einen signifikanten Unterschied (vgl. Tabelle 12).

Ränge
  Szenario N Mittlerer Rang Rangsumme

Frage 18: Videokonferenzen
helfen, Geld zu sparen.

Seminar 59 39,88 2353,00
Projektbesprechung 12 16,92 203,00
Gesamt 71    
Frage 19: Videokonferenzen
helfen, Zeit zu sparen.
Seminar 60 40,30 2418,00
Projektbesprechung 12 17,50 210,00
Gesamt 72    
Statistik für Mann-Whitney-Test (a)
  Frage 18: Videokonferenzen
helfen, Geld zu sparen.
Frage 19: Videokonferenzen
helfen, Zeit zu sparen.
Mann-Whitney-U 125,000 132,000
Z -3,683 -3,609
Asymptotische
Signifikanz (2-seitig)
,000 ,000
(a)  Gruppenvariable: Szenario
Tabelle 12 : Frage 18 und 19 im Vergleich zwischen den Szenarien Projektbesprechung und Seminar mit Hilfe des Mann-Whitney-Tests

Bei Projektbesprechungen spielt der Gedanke des Geld und Zeit Sparens eine wesentlich größere Rolle als bei Seminaren. Der Grund dafür sind die stark unterschiedlichen Rahmenbedingungen der beiden Veranstaltungen. Die Teilnehmer des Szenarios Projektbesprechung sind hauptsächlich dem Bereich Forschung zuzuordnen, für sie zählen andere Prämissen und Zielvorgaben. Projektbesprechungsteilnehmer orientieren sich vorrangig an wirtschaftlichen Richtlinien wie Effizienz und Gewinn. Daher sind für diese Nutzer Geldersparnis und Zeitersparnis wichtige Vorteile des Videokonferenzeinsatzes. Seminarteilnehmer hingegen, die hauptsächlich dem Bereich Lehre zuzuordnen sind, richten sich eher nach Werten wie Qualität der Lehrveranstaltung oder Umfang der Wissensvermittlung und weniger nach Geldersparnis. Auch zeitlich können Seminarteilnehmer wenig durch Videokonferenzen profitieren.

Die Meinung der Nutzer

Im letzten Abschnitt des Fragebogens hatten die befragten Nutzer die Möglichkeit, konkrete Kritik zu formulieren oder sich positiv zur Konferenz und den Rahmenbedingungen zu äußern. Dabei zeigte sich, dass viele Nutzer lobende Worte für die technische Betreuung sowie die Konferenzausstattung fanden. Dabei blieb aber nicht unerwähnt, dass „die Vorbereitung der Videokonferenz zu kurz“ war und demzufolge zeitliche Verzögerungen in Kauf genommen werden mussten. Auch bemerkten einige Nutzer eine zeitweise eingeschränkte Tonqualität als störenden Faktor, wohingegen die Bildqualität der Gegenstelle in den meisten Fällen positiv hervorgehoben wurde.
Teilnehmern einer Veranstaltung der betrieblichen Umweltökonomie war der Umstand erwähnenswert, dass Videokonferenzen nicht nur helfen, Geld und Zeit zu sparen, sondern auch die Umwelt zu schonen. Andere Projektgruppenteilnehmer wünschten sich ein „transportables Videokonferenzsystem“ als Serviceleistung der TU Dresden.

Diskussion der Ergebnisse

Mit Hilfe der durchgeführten Evaluation hat sich gezeigt, dass die Nutzer der Videokonferenzen mit den durchgeführten Veranstaltungen größtenteils zufrieden waren und dementsprechend mehrheitlich positive Bewertungen gaben. Die Videoqualität wie auch die Audioqualität haben die Anforderungen an die jeweiligen in Kapitel 2 beschriebenen Szenarien erfüllt. Auch die technische Betreuung der Konferenz entsprach den Ansprüchen der getesteten Szenarien und wurde von den Nutzern positiv bewertet.
Es hat sich weiterhin gezeigt, dass der übertragene Ton die wichtigste Komponente für eine erfolgreiche Videokonferenz ist, sowohl während einer Projektzusammenarbeit von lokal getrennten Arbeitsgruppen als auch während eines verteilten Seminars.

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Fazit

In den oben vorliegenden Ausführungen wurde das umfangreiche Gebiet der Videokonferenzkommunikation in anwendungsbezogene Kategorien klassifiziert. Je nach Kategorie ergaben sich dabei verschiedene Szenarien, die durch eindeutige Kriterien und Rahmenbedingungen charakterisiert wurden. Um diesen Ansatz zu überprüfen und die gebildeten Szenarien auf Praxistauglichkeit zu testen, musste eine Validierung durchgeführt werden. In Zusammenarbeit mit dem Videokonferenzzentrum der Technischen Universität Dresden (VCC) am Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen (ZIH) erfolgte daher während des gesamten Bearbeitungszeitraumes eine permanente Begleitung und Betreuung von Videokonferenzen. Die Evaluierung der in verschiedenen Szenarien eingeteilten Veranstaltungen erfolgte dabei mit Hilfe eines Fragebogens, der die unterschiedlichen Anforderungen an die durchgeführten Videokonferenzen erfassen und die Praxistauglichkeit der ermittelten Szenarien prüfen sollte. Insgesamt kam der Fragebogen in acht verschiedenen Veranstaltungen zum Einsatz und ergab einen Rücklauf von 75. Die getesteten Konferenzen konnten dabei jedoch nur dem Szenario „Seminar“ beziehungsweise dem Szenario „Projektzusammenarbeit“ zugeordnet werden, weitere Veranstaltungen fanden im Bearbeitungszeitraum nicht statt.
Die Auswertung der Fragebögen zeigte tendenziell eine hohe Zufriedenheit der Befragten, die Qualität der unterschiedlichen Kanäle wurde mehrheitlich hoch eingestuft. Festzuhalten sind hier vor allem die signifikanten Unterschiede bei der Bewertung dieser Kanäle. Es stellte sich heraus, dass die Tonübertragung während einer Videokonferenz die wichtigste Komponente darstellt und die Qualität des Audiokanals noch vor der Videoqualität über den Erfolg der Veranstaltung entscheidet. Die Akzeptanz von audiovisuellen Konferenzen war bei den Nutzern durchaus hoch. Videokonferenzen sind demnach längst gängige Praxis sowohl in der Lehre als auch in der Forschung und werden von den meisten Befragten als Bereicherung gesehen.

Durch die geringe Anzahl an Veranstaltungen des Szenarios „Projektzusammenarbeit“ und die damit einhergehende niedrige Teilnehmerzahl konnte keine detaillierte Untersuchung der einzelnen Phasen einer Projektkooperation durchgeführt werden. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf. Weiterhin besteht Untersuchungsbedarf sowohl bei der Überprüfung der Szenarien, die während des Bearbeitungszeitraums nicht evaluiert werden konnten, als auch bei der Vertiefung der Untersuchung von videokonferenzbasierten Seminaren und deren Einordnung in das Forschungsfeld „E-Learning“.

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Literaturverzeichnis

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[2] Kirchhoff, Sabine/ Kuhnt, Sonja/ Lipp, Peter/ Sulawin Siegfried. Machen wir doch einen Fragebogen. Datenbasis, Konstruktion, Auswertung. Opladen: Leske + Budrich, (2001).

[3] Landwehr Norbert, Steiner Peter, Keller Hans. Schritte zu datengestützten Schulevaluation. Eine Anleitung zur systematischen Datenerhebung mit Fragebogen. Bern: h.e.p. verlag ag. Bildung.Medien.Kommunikation, (2003).

[4] Lienhard, Jochen/ Trahasch, Stephan. Teleprüfungen in VIROR. In: Döring, Jana/ Schmitz, H. Walter/ Schulte, Olaf A. (Hrsg): Connecting Perspectives. Videokonferenz: Beiträge zu ihrer Forschung und Anwendung. Aachen: Shaker Verlag, S. 295-304, (2003).

[5] Polycom. Die Power virtueller Teams. Der Polycom Ratgeber für Konferenzmanagement und Collaboration (PDF unter http://www.polycom.com), ohne Ort, (2003).

[6] ViDe Video Development Initiative. Videoconferencing Cookbook. URL: http://www.vide.net/cookbook/cookbook.en, (2005).

[7] DINI Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e. V. Arbeitgruppe VIKTAS Videokonferenztechnologien und ihre Anwendungsszenarien. URL: http://dini.de/ag/viktas/dokumente/, (2007).

[8] Wegge, Jürgen/ Bipp, Tanja. Leistung und Beansprachung in einer Prüfung per Videokonferenz. In: Döring, Jana/ Schmitz, H. Walter/ Schulte, Olaf A. (Hrsg): Connecting Perspectives. Videokonferenz: Beiträge zu ihrer Forschung und Anwendung. Aachen: Shaker Verlag, S. 123-141, (2003).

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