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Testbericht Click To Meet

PDF-Version (druckoptimiert)

Allgemein

Zeitraum: August bis Oktober 2003

SW-Version: 7_1_0_69 (Server) / 2.1.0.069 (Client)

Click To Meet ist ein Webconferencingsystem, welches von der Firma First Virtual Communication (FVC) entwickelt wurde.

Mit Hilfe einer Server-Client-Architektur werden durch den Internet Explorer webbasierte Videokonferenzen unter allen gängigen Versionen von Windows ermöglicht. Sowohl der Server als auch der Client sind reine Softwarelösungen, welche einige Anforderungen an die zugrunde liegende Hardware stellen (Server: je nach Ausbaustufe 800-2200 MHz, ab 384 MByte RAM, 120 MByte freie Festplatte; Client: empfohlen ab 1800 MHz; 256 MByte RAM). Der Server muß separat vom Client laufen.

Zwischen dem Server und den Clients wird ein proprietäres Protokoll verwendet, welches auf dem CUSeeMe-Protokoll beruht. Daneben ermöglicht der Server jedoch auch die Teilnahme von H.323- und SIP-basierten Systemen in seinen Konferenzen.

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Installation

Die Installation des Servers erweist sich als problemlos, wobei bei einigen Einstellungen erst später klar wird, wofür diese gedacht sind. Jedoch sind alle Einstellungen auch später noch durchführbar.

Der Client wird beim ersten Aufruf des Webservers automatisch installiert und dabei auch in die Autostartmechanismen von Windows eingebunden.

Die Firma FVC stellt mit dem Server gleichzeitig einen Gatekeeper bereit. Es können aber auch Gatekeeper anderer Anbieter genutzt werden.

Die Funktionalität einer möglichen Gateway-Einbindung konnte nicht getestet werden, da dieses nicht zur Verfügung stand.

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Test

Die Benutzerführung des Servers kann ebenfalls über einen Browser geschehen. Aber sowohl diese als auch die Gestaltung des Clients sind nicht immer intuitiv erfaßbar. Die möglichen Videomodi der Konferenzen stimmen nicht vollständig mit den Begrifflichkeiten der H.323-Standards überein, was zu gewissen Irritationen führen kann.

Die Teilnahme von H.323-Geräten ist erst nach einer Anmeldung am servergebundenen Gatekeeper realisierbar. Danach ist eine Teilnahme sowohl über Dial-In als auch Dial-Out möglich. Der fest vorher zu definierende Audio- und Videocodec der Konferenz sollte allerdings sorgsam auf die Möglichkeiten der teilnehmenden VC-Geräte abgestimmt sein, da sonst keine Verbindung zustande kommt (kein Transcoding bei Click To Meet vorhanden). Besonders die Teilnahme von NetMeeting erweist sich hier als problematisch, da diese Endstelle im Audiobereich nur G.711 (U64K) beherrscht.

Die Teilnahme von SIP-basierten Endpunkten (MSN Messenger V6.0; Windows Messenger 4.7) konnte nicht realisiert werden.

Die Verwendung der Datendienste Whiteboard, Application Sharing und File Transfer verläuft erwartungskonform, während der Chat nur innerhalb der einzelnen Protokollwelten (H.323 oder CUSeeMe) möglich ist. Eine schriftliche Kommunikation zwischen den verschiedenen Endstellen scheiterte damit teilweise. Ein Chat zwischen verschiedenen Versionen von NetMeeting ist ebenfalls nicht möglich.

Die Videoqualität der getesteten Konferenzen zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen reinen FVC-basierten Konferenzen und Konferenzen mit Teilnahme von H.323-konformen VC-Systemen. Sie war immer ausreichend gut und zeigte nur gelegentlich Fehler in einer Häufigkeit, wie diese aber auch in reinen H.323-Umgebungen auftreten.

Die Kaskadierung zweier Server gelang nicht zufriedenstellend. Ein Grund lag in der speziell für diese Aufgabe sehr fehlerintoleranten Bedienerführung. Nach Kenntnis der notwendigen Arbeitsschritte lief der Verbund aber auch nicht sehr lange (nur wenige Minuten).

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Fazit

Die Funktionsfähigkeit der CTM-Produkte beim Betrieb von Mehrpunkt-Videokonferenzen in einer multivalenten Umgebung mit Endgeräten unterschiedlicher Hersteller, die dem Standard H.323 genügen, konnte nachgewiesen werden.

Nicht alle Funktionen arbeiteten stabil oder erwartungskonform, aber es konnten länger andauernde Konferenzen durchgeführt werden. Die Stärke des Systems liegt in der Möglichkeit, verschiedene Protokolle miteinander zu verbinden und in einer Konferenz zu verwenden.

Das System Click to Meet ist ein Desktop-System, welches damit schon von technischer Seite für Gruppenkonferenzen eher ungeeignet ist. Sein Einsatz im Forschungsumfeld der universitären Einrichtungen ist damit auf Aufgaben beschränkt, die typisch für Einzelplatzsysteme sind. Allerdings sei hier noch einmal auf die nicht unerheblichen Hardwarevoraussetzungen des Systemes hingewiesen, welche deutlich über denen anderer Arbeitsplatzsysteme liegen.

Wenn in einzelnen Einrichtungen Click to Meet zum Einsatz kommen soll, so muß man sich dort darüber im Klaren sein, dass dann der DFN-Dienst parallel betrieben werden muss oder die Teilnahme an DFN-MCU-Konferenzen mit einem CTM-Endgerät nicht und mit H.323-Endgeräten nur als Eingeladener möglich ist. Damit entsteht in dieser Einrichtung eine Insellösung, die dort erhöhten Administrations- und Wartungsaufwand - nicht zuletzt durch den notwendigen Eigenbetrieb des Servers - nach sich zieht.

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