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Testbericht POLYCOM iPower 9800

PDF-Version (druckoptimiert)

Allgemein

Zeitraum: April/Mai 2004

SW-Version: 5.2.0.828 (ausgewählte Features mit Version 6.0)

Das iPower 9800 ist ein Videokonferenzkompaktsystem, welches von der Firma Polycom entwickelt wurde.
Das System besteht aus einem Grundgerät mit dem Codec iPower 9000 inklusive einem vollwertigen Windows-PC mit einer speziellen kabellosen Infrarottastatur, dem Grenzflächenmikrofon PowerMic, der Kamera PowerCam Plus und dem Datenanschlussgerät Image Share.
Ein ansprechendes Design unterstreicht seinen Anspruch als ein modernes Kommunikationsmittel. Durch die PC - Funktionalität kann der Anwender alle Möglichkeiten eines Windows - Rechners nutzen und sich zum Beispiel in das Firmennetz einloggen oder auf das Internet zugreifen.
Der PC wurde mit dem Betriebssystem Windows 2000 betrieben.

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Einrichtung und Bedienung

Die Installation der Anlage erweist sich als problemlos. Dies wird u.a. durch eine mitgelieferte Installationsübersicht unterstützt, die sehr übersichtlich mit Texten und Fotos gestaltet ist.
Zur Konfiguration der Software steht ein ansprechendes Administrationstool (analog zu iPower 680) mit guter Bedienungsführung zur Verfügung.
Bei Veränderungen aus dem laufenden Betrieb heraus muss allerdings die Anwendung beendet werden, um das Administrationstool zu starten.

Die Bedienung des Gerätes erfolgt über eine Infrarot-Fernbedienung oder über eine drahtlose Tastatur mit Trackball.
Das System kann so eingerichtet werden, dass es automatisch mit einem Standard-user-login startet und seine freundliche und leicht bedienbare Oberfläche präsentiert.

Nach dem Starten der Konferenzsoftware lässt sich eine Verbindung unkompliziert aufbauen. Mit dem Teilnehmer und Inhalt - Fenster lässt sich per Mausklick zwischen der Hauptkamera, einer Dokumentenkamera, Videorecordern oder freigegebenen Dateien einfach umschalten.

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Test

Die Tests wurden in der oben genannten Konfiguration, ergänzt um einen VGA-Monitor und einen TV-Monitor, im Dualmonitormodus durchgeführt. Ungünstig erweist es sich, die Tastatur unmittelbar vor dem Grundgerät zu postieren. Dann kommt keine Kommunikation zwischen mit dem Codec zustande.
Der Zugang zur Konferenzsoftware ist login-/paßwortgeschützt. Vorteilhaft ist die Möglichkeit, ei-nen Nutzer als Standardnutzer einzutragen, der beim Bootvorgang mit Start des Konferenzsys-tems angemeldet wird.
Der Audio- und Videocodec der Konferenz sollte allerdings sorgsam auf die Möglichkeiten der teilnehmenden VC-Geräte abgestimmt sein, da sonst keine Verbindung zustande kommt (kein Transcoding vorhanden) oder ein Teilstrom nicht in Gang gesetzt wird. Nicht genau übereinstimmende Bandbreiten und unterschiedlicher Videoalgorithmus zwischen Tandberg- und Polycom-Geräten verhinderten beispielsweise die Bildübertragung. Auch die „auto“-Options funktionierten nicht erwartungsgemäß.
Die von der iPower 9800-Kamera erzeugte Videoqualität war sehr gut. Erwähnenswert ist die Fähigkeit, Bilder im 4CIF-Format zu verarbeiten. 4CIF-Videoauflösung steht im Software-Release 5.0 nicht für die Videos der Konferenzteilnehmer zur Verfügung (nur für Inhalte). Diese Einschränkung besteht in Software-Release 6.0 nicht mehr und konnte im Test mit einer Tandberg 6000 erfolgreich nachgewiesen werden.
Audio in CD-Qualität (Samplingrate 14 kHz) steht unter dem Namen Siren™ 14 zur Verfügung.
Sehr gute Ton- und Bildqualität kann insbesondere in Mehrpunktkonferenzen auch durch Auslastung einer Bandbreite bis 4Mbps über IP-Netz erreicht werden. Andererseits wird ab Softwarerelease 6.0 auch verstärkte Komprimierung nach H.264 zur Verfügung gestellt.
Polycom stellt unter dem Namen „People & Content“™ eine Lösung zur gleichzeitigen Übertragung zweier Informationsströme zur Verfügung und weist auf die Implementierung des Standards H.239 hin. Tatsächlich kann die iPower gleichzeitig Video und Audio der Konferenzteilnehmer und zusätzlich Daten von einem angeschlossenen PC übertragen. Für den PC-Anschluß wird zu dem Zweck der Hardwaremodul Image Share II per Kabelverbindung zwischengeschaltet. Auf Seiten des PCs ist darauf zu achten, dass der VGA-Ausgang für den Dualmonitorbetrieb aktiviert wurde. Darüber hinaus ist auf allen beteiligten Monitoren die gleiche Bildschirmauflösung einzustellen, damit Darstellungsfehler vermieden werden (unscharfes Bild; Teile des Originalbildes mehrfach dargestellt; auch Farbverfälschungen). Das Umstellen der Bildschirmauflösung während einer bestehenden Konferenzverbindung kann diese unterbrechen und zum Absturz des Betriebssystems beim iPower-Rechner führen.
Bis zum Sichtbarwerden des Datenbildes bei den Empfängern vergeht relativ viel Zeit (ca. 7 sec). Hinzu kommen etwa 2 sec., bis das Bild scharf wird!
„People & Content“ ist eine proprietäre Lösung, die zur Zeit noch keine volle Umsetzung des Standards H.239 darstellt. Eine reibungslose Kommunikation ist deshalb vorläufig nur im Polycom-Umfeld mit iPower+People & Content™ sowie VSX7000+Visual Concert™ möglich. Polycom hat aber für das III. Quartal 2004 die Herstellung der H.239-Konformität in Aussicht gestellt. Voraussetzung zur Nutzung standardkonformen Dualströme in Mehrpunktkonferenzen ist aber auch die Umsetzung in der MCU-Software. RADVision will dies in der neuen Version 3.5 realisieren.

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Fazit

Das VC - System POLYCOM iPower 9800 besticht zuerst einmal durch das moderne futuristisch anmutende Design der Kamera PowerCam Plus. Jedoch wird Design nicht zum Selbstzweck gemacht, sondern ist wirklich eine „gute Verkleidung“ für hohen technischen Standard. Die manuell präzise und geräuschlos ausrichtbare Kamera erzeugt ausgezeichnete Videoqualität. Mittels ProMotion™ wird ein Videobild in Fernsehqualität erreicht. Das Videoformat bis 4CIF und die Bandbreite bis 4 Mbps über IP-Netze unterstreichen diese Qualitätseinschätzung. Hinzu kommen mehrere Mikrofone, die der (lt. Polycom besten auf dem Markt erhältlichen) automatischen Kameraausrichtung dienen.
Polycom bestückt die iPower in zwei Ausbaustufen mit Multipointfähigkeit für 4 bzw. 12 Teilnehmer. Der Hersteller verspricht, mit dem Software-Release 6.0 für iPower- und Viewstation-Konferenzsysteme wird die komplette Interoperabilität über sichere (AES-verschlüsselte) Verbindungen zu Geräten anderer Hersteller ermöglicht, die ebenfalls voll kompatibel zu den AES-Standards H.235 (IP-Netze) bzw. H.233/H.234 (ISDN-Netze) sind.
Die iPower 9800 ist mit Eigenschaften ausgestattet, die durch ihr Konzept auf PC-Basis ermöglicht werden. Hervorhebenswert sind die vielfältigen Anschluss- und Steuerungsmöglichkeiten externer Geräte. Meeting Tool Assistent™ gestattet z.B. die Steuerung von Dokumentenkamera, Videorecorder oder Projektor direkt von der Benutzeroberfläche auf dem Bildschirm aus. Die Übertragung des eigenen Desktops, von Inhalten eines direkt/ per Image Share™ angeschlossenen Notebooks ist mit wenigen Handgriffen in XGA-Auflösung möglich.

Die iPower 9800 ist ein sehr vielseitiges VC - System, welches durch seine Kombination mit einem PC eine interessante Alternative zu anderen Kompaktsystemen ist.

Dokumentation

Hersteller: Polycom

Unterstützte Standards H.320, H.323, T.120
Rufoptionen 64 kbps ... 4 Mbps
Audiokodierungen 3,4 KHz: G.711, G.723, G.723.1,G.728, G729
7 KHz: G.722, G721.1
14 KHz: Siren 14
Videokomprimierung H.261, H.263, H.363++, H.264
Videobandbreite maximal 4 Mbps Senden

Wir danken der Firma Polycom für die Teststellung.

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