Schriftgröße: 14 18 24 30 / Hotkeys anzeigen

Testbericht Sony PCS-XG80

PDF-Version (druckoptimiert)

Allgemein

Zeitraum: 30.09. bis 15.10.2008PCS-XG80

SW-Version 01.02.00 (Kurztest der SW-Version 2.03 von 06/2009 verfügbar)

Geräteklasse

Die Sony PCS-XG80 ist ein Settopsystem, welches aus einem separaten Codec mit diversen Anschlussmöglichkeiten besteht. Es ermöglicht Videokonferenzen im HD-Bereich bis zu 1080i mit 60fps.

Lieferumfang

Zur Grundausstattung gehören Codec, HD-Kamera und Fernbedienung sowie 2 Tischmikrofone. Weiterhin sind im Kaufpreis alle zukünftigen Software-Updates inbegriffen. Softwareerweiterungen wie MCU-Funktionalität sowohl im IP- als auch im ISDN-Bereich oder H.239-Datenpräsentationsunterstützung können zusätzlich erworben werden. Die von den Vorgängermodellen bekannte Data Solution Box (DSB) ist nicht mehr nötig, da diese Funktionalität nun im Codec integriert ist und entsprechende Anschlüsse am Gerät vorhanden sind. Für die Durchführung von ISDN-Videokonferenzen (H.320) ist die ISDN-Box notwendig, die auch schon bei den älteren Videokonferenzsystemen der PCS-Reihe zum Einsatz kam.

Bandbreiten

Das System ermöglicht laut Spezifikation Videokonferenzen bis zu 10 Mbps über IP und bis zu 768 kbps im ISDN-Bereich.

Sonstiges

Das Design aller Komponenten ist sehr kompakt und gut aufeinander abgestimmt. Die Fernbedienung arbeitet per Funk und ist somit nicht auf eine Sichtverbindung angewiesen.

zum Seitenanfang

Installation

Rückansicht der PCS-XG80Aufbau

Der Aufbau des Gerätes gestaltet sich problemlos. Die gute Beschriftung und farbige Einteilung in logisch zusammengehörige Gruppen (MIC, Audio in/out, Video in/out) erleichtert diese Arbeit sehr. Alle zum Basisbetrieb notwendigen Kabel werden mitgeliefert und sind eindeutig markiert (grüne Markierung an der Rückseite des Codecs). Die beigelegte Quickstart-Anleitung wirkt zusätzlich unterstützend auf den Aufbauvorgang. Nach dem Start ist die PCS-XG80 schnell betriebsbereit und der Nutzer wird zur Konfiguration des Systems angeleitet.

Konfiguration

Die Konfiguration des Gerätes erfolgt schnell und problemlos. Das Menü ist halbtransparent und sehr übersichtlich gegliedert, selten genutzte Menüeinträge sind ausgeblendet und lassen sich bei Bedarf aktivieren. Die zum Basisbetrieb notwendigen Eintragungen lassen sich schnell auffinden.

zum Seitenanfang

Test

Bedienung

Die Software ist intuitiv und sehr bedienerfreundlich. Durch die angenehme Haptik der Funkfernbedienung ist eine komfortable Steuerung des Gerätes möglich. An jeder relevanten Stelle wird ein Hilfetext eingeblendet, der angibt, welche Taste der Fernbedienung an dieser Stelle für welche Funktion zuständig ist. Dabei sind den vier Farbwahltasten stets kontextsensitive Funktionen oder Kurzbefehle zugeordnet, die in der Menüführung erklärt werden. Das Hauptmenü der PCS-XG80 ist größtenteils individuell konfigurierbar und ist dadurch auf verschiedene Nutzeransprüche adaptierbar. So kann die Oberfläche beispielsweise in einer Art Kiosk-Modus (man hat nur auf die Kurzwahltasten und das Telefonbuch Zugriff) oder mit Anzeige verschiedener Menüeinträge betrieben werden. Auch während einer Videokonferenz ist die Steuerung des Gerätes größtenteils intuitiv, die meisten notwendigen Funktionen sind schnell mit der Fernbedienung aktivierbar. Jedoch ist es notwendig, für nicht gekennzeichnete Funktionen das Handbuch heranzuziehen. Beispielsweise ist die Funktion für Far End Camera Control auf einer der farbigen Kurzwahltasten, was auf der Fernbedienung selbst aber nicht dokumentiert ist.

Audio/Video

Die Tests mit anderen Endgeräten verliefen in größtenteils sehr guter Video- und Audioqualität. Ausnahme war die Konferenzsoftware Emblaze VCON vPoint HD 8.0 Pro, die kein Video und Audio empfangen hat, sondern nur senden konnte. Das System Tandberg 6000 MXP musste manuell in der genutzten Bandbreite beschränkt werden (1920 kbps oder weniger), da andernfalls die Auslastung zu hoch war und störende Bildfehler verursachte. Polycoms VSX3000 konnte kein H.264-Video anzeigen, obwohl der Codec korrekt ausgehandelt wurde. Alle anderen Testverbindungen lieferten sehr gute Audioqualität, was durch die zwei Mikrofone begünstigt wird. Auch Stereoton konnte so übertragen werden.

Wird die Sony PCS-XG80 im Modus 1080i betrieben (dies muss explizit im Konfigurationsmenü eingestellt und durch einen Systemneustart aktiviert werden), verliert sie ihre Abwärtskompatibilität und kann somit nur noch Verbindungen in 1080i herstellen. Nur zwischen zwei XG80-Geräten konnte dies in den Tests erreicht werden. Dabei war die Qualität des übertragenen Tones (AAC Stereo) als auch des übertragenen Videos (H.264 im Format 1080i mit 60 fps) hervorragend, die Verbindungsbandbreite betrug 6 Mbps. Wird das Gerät in den Modus 1080i umgestellt, müssen alle Layout-Einstellungen und Telefonbucheinträge erneut vorgenommen werden.

H.239

Das Konferenzsystem unterstützt den Standard H.239, die vorliegenden Testgeräte waren jedoch nicht mit der entsprechenden Option versehen, um Datenpräsentationen zu senden. In Empfangsrichtung erfolgte die Anzeige der Datenpräsentation stets in sehr guter Qualität hinsichtlich Farbdarstellung, Lesbarkeit und Umschaltzeiten.

Kamerafernsteuerung

Die Kamerafernsteuerung war beim Vorhandensein der technischen Voraussetzungen an den Gegenstellen immer in beiden Richtungen möglich.

MCU

Die Zusammenarbeit mit der Codian-MCU des DFN gelang problemlos mit qualitativ sehr guten Ergebnissen. Die Einschränkung bestand lediglich darin, nicht die maximal mögliche Bandbreite (8 Mbit/s) nutzen zu können: beide Geräte handelten maximal 4096 kbps aus.

Gatekeeper

Die Zusammenarbeit mit dem Gatekeeper GNU-GK 2.0.7 funktionierte problemlos, mit CISCO MCM gab es jedoch Einschränkungen hinsichtlich der Bandbreite durchgeführter Rufe. Alle Rufe über 2 Mbps führten zu Fehlverhalten des CISCO-Gatekeepers und infolge dessen zum völligen Verlust der Konnektivität.

Sonstiges

Videokonferenzen können im MP4-Format auf den Memory Stick Pro von Sony aufgezeichnet werden, wobei alle Aufzeichnungen in SD-Auflösung mit maximal 512 kbps umgewandelt werden. Die Qualität der Aufzeichnungen ist gut.

Bei den vorliegenden Testgeräten gelang der Anschluss einer zweiten HD-Kamera per Komponentensignal an der Codec-Front nicht fehlerfrei, das Bild wurde gestaucht und am linken Bildrand entstand dadurch ein schwarzer Rand (getestet wurde eine Full-HD-Kamera von JVC).

In der aktuellen Softwareversion 1.02.00 fällt auf, dass der Verbindungsabbau im Vergleich mit anderen Systemen ungewöhnlich viel Zeit in Anspruch nimmt, in der das Gerät keine Befehle entgegen nimmt. Dies wird aber im nächsten Softwarerelease behoben sein (getestet wurde hier ein Betarelease der Version 2.0). Die Softwareversion 2.0 wird weitere Neuerungen mitbringen: so sind unter anderem die integrierte Mehrpunktfunktionalität (optional) und das Dual Network Interface (an der Rückseite des Codecs befinden sich zwei Ethernetanschlüsse) verfügbar. Auch können IP-Kameras im Netzwerk angebunden werden und das Webinterface bietet Livebilder im Webmonitor.

Die Verbindungsverschlüsselung mit AES nach H.235 hat in allen Verbindungen außer mit Mirial Softphone immer funktioniert.

zum Seitenanfang

Fazit

Die Sony PCS-XG80 ist ein leistungsfähiges Gerät mit exzellenter Qualität im Audio- und Videobereich. Sony geht mit dem 1080i-Modus einen weiteren Schritt in Richtung Full-HD in progressiver Auflösung 1920x1080, jedoch unter Inkaufnahme des Verlustes der Abwärtskompatibilität. Hier sollte man auf Nachbesserung in späteren Softwareversionen warten.

Aber auch im etablierten Bereich der "720p-Konferenzen" setzt das System neue Maßstäbe, indem HD-Verbindungen der Auflösung 1280x720 mit 60 Bildern pro Sekunde übertragen werden können und so ein sichtbarer Qualitätsgewinn erzielt wird.

Die Sony PCS-XG80 bietet mit dem getesteten Funktionsspektrum ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Dokumentation

Hersteller: Sony

Unterstützte allg. Standards H.320, H.323, H.239
Audiokodierungen G.711, G.722, G.728, MPEG-4 AAC-LC (Mono/Stereo)
Videokomprimierung H.261, H.263, H.263+, H.263++, H.264, MPEG4 Simple Profile (bei SIP)
Videoeingänge Camera-In für HD-Kamera PCSA-CXG80;
AUX Video Input: 1x S-Video, 1x Analog Component (YPbPr), 1xRGB
Videoausgänge 1x HDMI (Video, Audio), 1x RGB

Wir danken der Firma Sony für die Teststellung.

zum Seitenanfang