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Testbericht Tandberg C20

PDF-Version (druckoptimiert)

Allgemein

Tandberg C90Zeitraum:

Juli / August 2010

SW-Version:

TC3.0.0.211036

Geräteklasse:

Das Gerät TANDBERG C20 ist ein High Definition Videokonferenzsystem bis zu einer Auflösung von 1920x1080 (1080p). Durch die Möglichkeit der Verwendung von Bildformaten ab CIF (352 x 288) und die Anpassung an die vorhandene Bandbreite der Verbindung wird es auch zu älteren H.323-Systemen kompatibel. Das Gerät ist als Gruppensystem konzipiert.

Lieferumfang:

Die TANDBERG C20 ist in zwei Varianten am Markt verfügbar. In der Version "Quick Set C20" ist nur eine Kamera mit 4-fach Zoom vorhanden. Die maximale Auflösung ist auf 720p bei 30 fps begrenzt und es kann nur ein Monitor angeschlossen werden. In der Variante "Quick Set C20Plus" ist eine Kamera bis 12-fach Zoom integriert. Das System kann hier mit 1080p bei 60 fps und zwei Monitoren verwendet werden.

In beiden Fällen wird das System komplett mit Codec, PrecisionHD 1080p Kamera, Mikrofon, Fernbedienung und allen notwendigen Kabeln ausgeliefert.

Bandbreiten:

Das System kann mit Bandbreiten bis 6 Mbps für Videokonferenzen im LAN-Bereich betrieben werden. Dabei können die Protokolle H.323 oder SIP genutzt werden.

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Installation

Die Installation gestaltet sich mit Hilfe der beigelegten Dokumentation einfach. Die Betriebsbereitschaft kann schnell hergestellt werden.

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Test

Bedienung

Das System wird primär über eine Fernbedienung gesteuert, die der MXP-Serie entspricht und durch kontextabhängige Funktionstasten erweitert wurde. Je nach Menüpunkt oder Verbindungszustand werden bei Einsatz der Fernbedienung verschiedene Optionen am unteren Bildschirmrand eingeblendet, die durch die entsprechenden Tasten aktiviert werden können (zum Beispiel kann während einer bestehenden Verbindung auf Far End Camera Control umgestellt werden).

Die Gestaltung und Anordnung der Menüs unterscheidet sich optisch grundlegend von Tandberg-Systemen anderer Baureihen, was der Bedienbarkeit nicht nachteilig ist. Die übersichtliche Anordnung der Menüpunkte und deren eindeutige Beschriftung sowie die intuitive Menüführung ermöglichen eine schnelle und zielgerichtete Steuerung des Systems. Auch Erstnutzer werden sich auf Grund der klaren Strukturen schnell zurecht finden.

Tandberg C90Audio

Das System verfügt über einen analogen Audioeingang für Stereo (z.B. für den Anschluss eines PCs) und einen analogen Stereoausgang. Weiterhin wird ein digitaler HDMI-Ausgang unterstützt.

Die Qualität der Audioverbindungen kann mit einer Ausnahme in allen Tests mit sehr gut bewertet werden. Es kamen stets die Codecs AAC-LD oder G.722 zum Einsatz. In den Verbindungen mit Mirial Softphone (sowohl Windows- als auch Mac-Version) wurde G.711 verwendet, so daß die Qualität hier nur mit mittelmäßig eingeschätzt werden kann.

Allerdings berichten andere Nutzer über Audioprobleme, welche durch das Zusammenspiel mit 100Hz-LCD-Displays entstehen. Es treten Echoprobleme und längere Einschwingphasen des Audios bei Sprecherwechseln auf. Es liegt an der künstlichen Video-Verzögerung der 100 Hz-Displays, der damit verbundenen Audio-Verzögerung und dem dann nicht mehr vernünftig funktionierenden Echocanceller. Hier sind im Moment nur Lösungen als Workaround bekannt, welche die guten Eigenschaften der LCD-Displays wesentlich herabsetzen. Als Abhilfe kommt auch der Anschluss von separaten Boxen direkt am Codec in Frage, so dass der Audio-Ausgang des Displays nicht verwendet wird. Hierbei muss man allerdings eine gewissen Asynchronität zwischen Audio und Video in Kauf nehmen.

Video

In allen Testverbindungen wurde der Codec H.264 für die Übertragung des Videos benutzt. Die Auflösung war in Verbindung mit hardwarebasierten HD-Systemen stets 720p. In den Konferenzen mit TANDBERG EX90 und TANDBERG C90 kam sogar 1080p in beiden Richtungen zum Einsatz.

In der Verbindung mit Mirial Softphone wird trotz deaktiviertem 1080p eine Auflösung von 1920 x 1200 (Full HD) empfangen. Dadurch entstehen im Bild sehr viele Artefakte und die Qualität des empfangenen Videos sinkt massiv ab.

Nur mit "gut" können die Verbindungen mit der Polycom PVX eingeschätzt werden. Hier werden im Videobereich für heutige Anforderungen inzwischen inakzeptable Bildformate (QVGA,QCIF) ausgehandelt.

H.239

Wenn nur ein Monitor am System angeschlossen ist, verfügt das System neben dem herkömmlichen Modus "Picture in Picture" (PiP) auch über die sogenannte "Picture outside Picture"-Möglichkeit (PoP). Diese bezeichnet eine Darstellung, wo die verschiedenen Bilder und Kanäle nicht übereinander sondern getrennt nebeneinander dargestellt werden. Besonders bei Plasma- oder LCD-Monitoren im Format 16:9 bietet sich PoP oftmals als Alternative an. Insgesamt sind bei Einsatz von H.239 fünf verschiedene Layouts möglich:

Präsentation im Vollbild
Präsentation im Vollbild mit kleinem integrierten Eigenbild
Präsentation im Großformat und jeweils kleine Bilder der eigenen Seite und Gegenstelle
Präsentation und Gegenstelle als gleichgroße Bilder, Eigenbild als kleineres Bild
Gegenstelle im Großformat und jeweils kleine Bilder der eigenen Seite und der Präsentation

Die Übertragung im zweiten Videokanal erfolgt mit einer maximalen Auflösung von WXGA (1280 x 768). Der Empfang und das Senden von statischen Inhalten (wie z.B. Folienpräsentationen) verlief in allen Tests immer in sehr guter Qualität. Es traten keine Probleme im praktischen Einsatz auf. In einigen Verbindungen wurde während der H.239-Übertragung die Auflösung des Videokanals reduziert, was aber auf die Qualität der Verbindung keinen negativen Einfluß hat.

Ein differenziertes Bild zeigt sich bei der Übertragung von Videos mit Hilfe des Datenkanals in SD- oder HD-Auflösung. Hier spielt die technische Ausstattung der Gegenseite eine ganz entscheidende Rolle. Uneingeschränkt in beiden Richtungen funktionierte die H.239-Übertragung von Videos aller Art mit den Gegenstellen Tandberg EX90, Tandberg C90, Polycom HDX 8004, Sony XG80 und LifeSize Room.

Wenn die C20 Videos im zweiten Kanal sendet, ist die praktische Einsetzbarkeit bei den Gegenstellen Polycom PVX, Mirial Softphone, Tandberg 990 MXP, Tandberg 6000 und Polycom CMA gegeben. Auch wenn die Frameraten nicht sehr hoch sind, ist noch ein akzeptabler Videoempfang auf der Gegenseite gegeben. Allerdings ist ein Empfang von Videos im H.239-Kanal von diesen Gegenstellen im praktischen Einsatz nahezu unmöglich. Die C20 zeigt hier mehr eine Slideshow als ein Video an.

Mit der Sony PCS G70 ist eine Videoübertragung im Datenkanal nicht möglich. Die verwendete Bildrate von 0-2 fps läßt keine sinnvolle Übertragung zustande kommen.

Ausführliche Testergebnisse sind in der Kompatibilitätsmatrix zu finden.

Kamerafernsteuerung

Die Kamerafernsteuerung funktionierte bei Vorliegen der Voraussetzungen in allen Tests.

MCU

Die Zusammenarbeit mit den Codian-MCUs im Dienst DFNVideoConference funktionierte ohne Einschränkungen. Die Qualität von Audio und Video war sehr gut. Es wurden AAC-LD und H.264 mit 720p in beiden Richtungen benutzt. In Verbindungen mit der Full-HD-MCU sendet das Gerät 720p mit 30 fps und empfängt 1080p mit 25 fps.

Die Zusammenarbeit nach H.239 wurde mit H.264 und 720p mit sehr guter Qualität sowohl für Präsentationen als auch SD- und HD-Videos durchgeführt.

Gatekeeper

Die Zusammenarbeit mit den Gatekeepern GNU-GK 2.0.7 und CISCO MCM funktionierte ohne Einschränkungen.

Kameratest und Testbilder

Die Tests der Testbilder für Auflösungsvermögen und Farbtreue zeigten, dass die PrecisionHD 1080p keine Farbveränderungen im Spektrum der gedeckten natürlichen Farben aufweist und die Farbwerte authentisch aufnimmt. Die visuelle Auflösung entspricht den Fähigkeiten aktueller HD-Kameras. Die Bildqualität ist sehr gut. Farbe, Schärfe und Kontrast sind hervorragend und auch die Steuerung der Kamera (Pan/Tilt/Zoom) funktioniert schnell und geräuschlos. Der Autofokus konnte ebenso überzeugen.

Sonstiges

Rufe zur MCU mittels SIP-Dialing mit der Syntax "Konferenz-ID@mcu.vc.dfn.de" konnten nicht realisiert werden. Das Problem ist auf eine Änderung der Philosophie der Firma TANDBERG zurückzuführen. Es liegt nicht an der MCU im DFN-Dienst.

Die vorgenannte Rufart wird nicht mehr nativ unterstützt, sondern ist nur noch mit Hilfe eines SIP-Servers, wie z.B. des Video Communication Server (VCS) möglich. Wenn dieses zusätzliche Gerät nicht in die Infrastrukturumgebung des Videokonferenzgerätes eingebunden wird, sind Rufe mittels SIP-Dialing von Geräten der C-Serie nicht mehr durchführbar. Als SIP-Server kann dabei auch ein OpenSip-Server benutzt werden. Diesbezügliche Tests waren erfolgreich.

Für Rufe mittels URI-Dialing nach H.323 Annex O (z.B. mittels "mcu.vc.dfn.de##Konferenz-ID") ist für die Geräte der C-Serie inzwischen zwingend der VCS notwendig. Ohne seine Hilfe sind Rufe mittels dieser Wahlmethode von TANDBERG-Codecs der neuesten Generation nicht mehr realisierbar.

Die Verbindungsverschlüsselung mit AES nach H.235 hat in allen Verbindungen immer funktioniert, außer mit Mirial Softphone (Verschlüsselungsfunktionen für H.323 sind hier nicht implementiert).

Laut Datenblatt unterstützt das Gerät Firewall-Traversal nach H.460.18 und H.460.19.

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Fazit

Das Gruppensystem Tandberg C20 ist eine leistungsfähige Videokonferenzanlage mit einem sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. In Verbindungen mit modernen Systemen ist es in allen Bereichen überzeugend, aber auch Konferenzen mit älteren Anlagen sind möglich. Bei letzteren wird aber nicht die volle Leistungsfähigkeit des Systems abgefordert und ausgenutzt.

Leider kann das System durch seine wenigen vorhandenen Anschlüsse nicht für größere Räume wie Hörsäale genutzt werden. Auch die Audioprobleme im Zusammenspiel mit LCD-Bildschirmen sollten von den beteiligten Firmen noch beseitigt werden.

Dokumentation

Hersteller: Tandberg
Vertriebspartner: MVC

Unterstützte allg. Standards H.323, SIP
Audiokodierungen G.711, G.722, G.722.1, 64 bit & 128 bit MPEG4 AAC-LD
Videokomprimierung H.261, H.263, H.263++, H.264
Bandbreite bis zu 6 Mbps
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