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Testbericht Tandberg C90

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Allgemein

Tandberg C90

Zeitraum:

Juli 2010

SW-Version:

TC 3.1.0.215463

Geräteklasse:

Das Raumsystem Tandberg C90 ist ein Full-HD-fähiges modulares Videokonferenzsystem. Der Codec (Abmessungen: BxHxT 441x93x30, Gewicht: 5,1kg) kann in einem 19-Zoll-Rack installiert werden und ermöglicht durch die Vielzahl der vorhandenen Anschlüsse einen flexiblen Einsatz in verschiedenen Szenarien, vom Gruppensystem bis zur Hörsaalintegration.

Lieferumfang:

Das Integrationspaket wird mit Codec, PrecisionHD 1080p Kamera, zwei Mikrofonen und einer Fernbedienung ausgeliefert. Auch die Schienen für den Einbau in einem Rack sind im Lieferumfang enthalten. Weiterhin sind alle notwendigen Kabel zum Basisbetrieb, eine grafische Dokumentation zur Erstinstallation und eine CD mit Handbüchern, Datenblättern und vielfältigen hilfreichen Übersichten sowohl für Administratoren als auch für Nutzer vorhanden.

Bandbreiten:

Das Gerät ermöglicht Videokonferenzen per H.323 und Sip mit bis zu 6 Mbps in Punkt-zu-Punkt-Verbindungen und mit bis zu 10 Mbps bei Mehrpunktkonferenzen über die optionale Multisite-Funktion.

Ab einer Verbindungsbandbreite von 768kbps kann HD 720p30 übertragen werden, ab 1472kbps kann 1080p30 übertragen werden.

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Installation

Tandberg C90Alle notwendigen Anschlüsse für die Durchführung einer Videokonferenz sind am Gerät vorhanden, es sind zahlreiche Anschlussmöglichkeiten verfügbar, um verschiedene Szenarien abbilden zu können. Bei allen Anschlüssen handelt es sich um standardisierte AV-Interfaces, Tandberg verzichtet auf proprietäre Steckverbindungen.

Neben der mitgelieferten PrecisionHD 1080p Kamera, die per HDMI angeschlossen wird, können noch 12 weitere Videoeingänge genutzt werden (insgesamt 4x HMDI, 4x HD-SDI, 2x DVI-I, 2x YPbPr, 1x S-Video). Am Gerät können 5 Ausgabemedien über verschiedene Anschlüsse betrieben werden (2x HDMI, 2x DVI-I, 1x Composite Video). Darüber hinaus bietet der Codec 14 verschiedene Audioeingänge (8x XLR - jeweils mit separatem Echo-Canceller, 4x Cinch, 2x HDMI) und 8 Audioausgänge (2x XLR, 4x Cinch, 2x HDMI).

Die Inbetriebnahme des Gerätes erfolgt schnell und problemlos dank der gut gestalteten grafischen Übersicht, aber auch auf Grund der guten Beschriftung der Schnittstellen an der Rückseite des Codecs. Die zum Basisbetrieb notwendigen Anschlüsse sind farbig unterlegt (vgl. Abbildung, zum Vergrößern anklicken), was den Aufbau erleichtert. Die Konfiguration gestaltet sich ebenfalls unproblematisch, da die Menüführung logisch aufgebaut und selbsterklärend ist. Tandberg hat für die Systeme der C-Serie (C20, C40, C60, C90 sowie EX90) eine neue Firmware entwickelt, die ein überzeugendes Bedienkonzept bietet und durch eine intuitive Oberfläche hervorsticht.

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Test

BedienungTandberg C90 Remote

Das System wird primär über eine Fernbedienung gesteuert, die der MXP-Serie entspricht und durch kontextabhängige Funktionstasten erweitert wurde (siehe Abbildung rechts, zum Vergrößern anklicken). Je nach Menüpunkt oder Verbindungszustand werden bei Einsatz der Fernbedienung verschiedene Optionen am unteren Bildschirmrand eingeblendet, die durch die entsprechenden Tasten aktiviert werden können (zum Beispiel kann während einer bestehenden Verbindung auf Far End Camera Control umgestellt werden).

Die Gestaltung und Anordnung der Menüs unterscheidet sich optisch grundlegend von Tandberg-Systemen anderer Baureihen, was der Bedienbarkeit nicht nachteilig ist. Die übersichtliche Anordnung der Menüpunkte und deren eindeutige Beschriftung sowie die intuitive Menüführung ermöglichen eine schnelle und zielgerichtete Steuerung des Systems. Auch Erstnutzer werden sich auf Grund der klaren Strukturen schnell zurecht finden.

Darüber hinaus kann auch eine Steuerung über das integrierte Webinterface vorgenommen werden, wobei hier nur grundlegende Konfigurationsfunktionen ausgeführt werden können (Einstellungen, Rufauf- und abbau). Tiefergehende Diagnose- oder Monitoringfunktionen (z.B. Überwachung einer laufenden Verbindung mit Vorschaubild, Kamerasteuerung, Mikrofonsteuerung etc.) sind nicht vorhanden. Dies kann erst bei Einsatz eines Management-Systems (z.B. Tandberg Management Suite) erreicht werden.

Audio/Video

Das System Tandberg C90 ist als Hochleistungscodec konzipiert, was sich auch in den Verbindungsparametern und dementsprechenden Qualitätsbewertungen bemerkbar macht.

Die ausgehandelten Audiocodecs waren in allen Verbindungen AAC-LD oder G.722, in Verbindungen zu Polycom CMA auch G.722.1. Die Qualität kann in diesen Verbindungen stets als "sehr gut" bewertet werden. Ausnahme war nur das System Mirial Softphone (sowohl für MacOS als auch für Windows), welches in den Verbindungstests ausschließlich G.711 als Audiocodec verwendete und dementsprechend qualitativ auch nur "mittelmäßig" eingestuft werden kann.

In allen Tests wurde H.264 als Videocodec verwendet, Ausnahme war nur die Sony PCS-G70, welche bei guter Bildqualität H.263 mit 4CIF (704x576 Pixel) sendete. Das von der C90 gesendete Videobild konnte in allen weiteren Testverbindung mit der besten Bewertung "sehr gut" eingestuft werden, das Videobild der Gegenstellen mit "gut" bis "sehr gut", außer bei der Gegenstelle Mirial Softphone (sowohl MacOS als auch Windows). Hier wurde bei einer ausgehandelten Full-HD-Auflösung 1080p (1920x1080 Pixel) und 13-15 Frames pro Sekunde nur ein "schlechtes" Video empfangen.

Full-HD-Auflösung 1080p bei 25-30 Frames pro Sekunde in sehr guter Qualität wurden mit entsprechenden Tandberggeräten der neuen Generation wie TANDBERG EX90, TANDBERG C20 oder Tandberg Codian MCU erreicht, in allen anderen Verbindungen wurde überwiegend HD-Auflösung 720p (1280x720) bei 25-30 Frames ausgehandelt. Ältere SD-Systeme haben auch mit geringerer Auflösung gesendet, so hat das Gerät Tandberg 990 MXP das Bildformat 448p (576x448 Pixel) gesendet, Polycom CMA sendete nur VGA (640x480) und Polycom PVX sendete nur QVGA (320x240 Pixel).

H.239

Die Mehrzahl der gesendeten und empfangenen Folienpräsentationen konnte qualitativ mit "sehr gut" eingestuft werden. Dabei war Schrift stets ab 8 Pixel lesbar, die Farbdarstellung war fehlerfrei und Störsignale wurden kompensiert. Nach einem Folienwechsel war dies auch sofort bei der Gegenstelle sichtbar, Nachschärfungseffekte waren dabei vernachlässigbar gering. In Verbindung mit älteren Systemen (Tandberg 6000 MXP, 990 MXP, Polycom CMA) wurde der Videocodec H.263 mit XGA-Auflösung (1024x768) und einer Bildrate von 3-7 Bildern ausgehandelt. Bei aktuellen HD-Geräte (Tandberg EX90 / C20, Polycom HDX8004, LifeSize Room, Mirial Softphone) kam H.264 mit XGA-Auflösung zum Einsatz, in den Tests mit Tandberg EX90, LifeSize Room und Mirial Softphone (Windows) konnte die Präsentation bei entsprechender Laptop-Einstellung auch in höheren Auflösungen von 720p30 (LifeSize Room), SXGA@30 (Tandberg EX90) und 1080p (Mirial Softphone) in sehr guter Qualität übertragen werden.

In Verbindung mit anderen Systemen traten während der Tests unterschiedliche Probleme auf, meist in eine Übertragungsrichtung. Sowohl Sony PCS-G70 als auch XG80 konnten von der Tandberg C90 gesendetes Präsentationsmaterial nur in mittelmäßiger Qualität darstellen, da zum einen die Auflösung von 352x288 Pixel zu gering war (bei PCS-G70) und zum anderen Störsignale nicht kompensiert wurden (XG80). Von Mirial Softphone (Windows) gesendete Präsentationen wurden zwar in Full-HD-Auflösung 1080p empfangen, durch die fehlende Störsignalkompensation und die zu hohen Umschaltzeiten jedoch nur in befriedigender Qualität. An das System Tandberg Movi 4 Beta gesendete Präsentationen konnten nur mit "schlecht" bewertet werden, da die Umschaltzeit von über 30 Sekunden bei Folienwechsel inakzeptabel ist. Von Polycom PVX empfangene Präsentationen brachen reproduzierbar ab oder waren mit massiven Fehlern behaftet, weshalb auch diese qualitativ nur mit "schlecht" bewertet werden konnten.

Per H.239 übertragenes HD- und SD-Videomaterial, welches von der C90 gesendet wurde, konnte in allen Verbindungstest an den Gegenstellen auch als Video empfangen werden, bei HD-Gegenstellen zum Teil sogar mit sehr hohen Bildraten: zu Tandberg EX90 wurde H.239-Video in SXGA-Auflösung (1280x1024) mit 30 Bildern pro Sekunde übertragen, zu Mirial Softphone (Mac OS und Windows) mit 720p-bzw. XGA-Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde, zu LifeSize Room ebenfalls in 720p mit 30 Bildern pro Sekunde.

Von der C90 empfangenes H.239-Videomaterial musste in einigen Fällen aufgrund zu geringer Bildrate (Mirial Softphone für Mac OS und für Windows, LifeSize Room, Sony PCS-G70, Tandberg MXP 990) oder fehlerhafter Übertragung (Polycom PVX, Tandberg Movi 4 Beta) als nicht praktikabel eingestuft werden.

Ausführliche Testergebnisse sind in der Kompatibilitätsmatrix zu finden.

Positiv hervorzuheben ist, dass bei aktivem H.239-Kanal die Layoutdarstellung je nach Auflösung der Folien (Breitbild oder Standard) automatisch angepasst wurde, um eine optimale Ausnutzung der Bildschirmfläche zu gewährleisten.

Kamerafernsteuerung

Die Kamerafernsteuerung funktionierte bei Vorliegen der Voraussetzungen in allen Tests mit Ausnahme der Sony PCS-XG80.

MCU

Die Zusammenarbeit mit der Codian MCU des Dienstes DFNVideoConference funktionierte problemlos bei Video mit H.264 und 720p-Auflösung in Sende- und Empfangsrichtung sowie Audio mit AAC-LD. Die Übertragung von H.239 erfolgte in H.263pp mit XGA-Auflösung.

In Verbindung zur Full-HD Codian MCU 4520 SW-Version 4.1(1.45) war die Tandberg C90 in Senderichtung mit H.264@1280x720@30 und in Empfangsrichtung mit H.264@1920x1088@25 verbunden.

Gatekeeper

Die Zusammenarbeit mit den Gatekeepern GNU-GK 2.0.7 und CISCO MCM funktionierte ohne Einschränkungen.

Kameratest und Testbilder

Die Tests der Testbilder für Auflösungsvermögen und Farbtreue zeigten, dass die PrecisionHD 1080p keine Farbveränderungen im Spektrum der gedeckten natürlichen Farben aufweist und die Farbwerte authentisch aufnimmt. Die visuelle Auflösung entspricht den Fähigkeiten aktueller HD-Kameras. Die Bildqualität ist sehr gut. Farbe, Schärfe und Kontrast sind hervorragend und auch die Steuerung der Kamera (Pan/Tilt/Zoom) funktioniert schnell und geräuschlos. Der Autofokus konnte ebenso überzeugen.

Sonstiges

Rufe zur MCU mittels SIP-Dialing mit der Syntax "Konferenz-ID@mcu.vc.dfn.de" konnten nicht realisiert werden. Das Problem ist auf eine Änderung der Philosophie der Firma TANDBERG zurückzuführen. Es liegt nicht an der MCU im DFN-Dienst.

Die vorgenannte Rufart wird nicht mehr nativ unterstützt, sondern ist nur noch mit Hilfe eines SIP-Servers, wie z.B. des Video Communication Server (VCS) möglich. Wenn dieses zusätzliche Gerät nicht in die Infrastrukturumgebung des Videokonferenzgerätes eingebunden wird, sind Rufe mittels SIP-Dialing von Geräten der C-Serie nicht mehr durchführbar. Als SIP-Server kann dabei auch ein OpenSip-Server benutzt werden. Diesbezügliche Tests waren erfolgreich.

Für Rufe mittels URI-Dialing nach H.323 Annex O (z.B. mittels "mcu.vc.dfn.de##Konferenz-ID") ist für die Geräte der C-Serie inzwischen zwingend der VCS notwendig. Ohne seine Hilfe sind Rufe mittels dieser Wahlmethode von TANDBERG-Codecs der neuesten Generation nicht mehr realisierbar.

Die Verbindungsverschlüsselung mit AES nach H.235 hat in allen Verbindungen immer funktioniert, außer mit Mirial Softphone (Verschlüsselungsfunktionen für H.323 sind hier nicht implementiert).

Laut Datenblatt unterstützt das Gerät Firewall-Traversal nach H.460.18 und H.460.19.

Für den Codec Tandberg C90 sind drei zusätzliche aufpreispflichtige Optionen verfügbar: das Natural Presenter Package (NPP) ermöglicht die Übertragung von PC-Grafiken (H.239 "Dual Stream"), die 1+3 Multisite Option (HD-MS) ermöglicht die Durchführung von Mehrpunktkonferenzen mit bis zu 4 Teilnehmern (in Auflösungen 1080p30/720p60 mit integriertem Transcoding) sowie die Premium Resolution Option (1080p30 / 720p60 / UXGA) für Auflösungen in Full-HD.

Der Codec selbst kommt auch bei Tandbergs Telepresence-Lösungen T1 (1x C90 + 1x 65'' Monitor) und T3 (3x C90 + 3x 65'' Monitor) zum Einsatz.

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Fazit

Das System Tandberg C90 ist ein hochleistungsfähiges Videokonferenzsystem, welches zugleich flexibel in unterschiedlichsten Nutzungsszenarien eingesetzt werden kann. Es besticht sowohl durch die Vielzahl der vorhandenen Standardanschlüsse am Codec als auch durch die hohe Qualität der übertragenen Medien. Videokonferenzverbindungen in Full-HD-Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde und paralleler Übertragung einer zweiten Quelle (z.B. Laptop, Dokumentenkamera, Whiteboard etc.) mit dergleichen Auflösung und Bildrate in brillanter Qualität sind ohne weiteres möglich. Das Gerät befindet sich damit am oberen Ende des aktuellen Qualitäts- und Leistungsspektrums, damit aber natürlich auch am oberen Ende seiner Preisklasse.

Dokumentation

Hersteller: Tandberg
Vertriebspartner: MVC

Unterstützte allg. Standards H.323, SIP
Audiokodierungen G.711, G.722, G.722.1, MPEG4 AAC-LD (auch Stereo)
Videokomprimierung H.261, H.263, H.263++, H.264
Bandbreite bis 6 Mbps (Punkt-zu-Punkt)
bis 10 Mbps (Multisite)
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