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Tandberg EX 90

Testbericht Tandberg EX 90

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Allgemein

Tandberg EX90

Zeitraum:

Juli 2010

SW-Version:

TC3.1.0.215436

Geräteklasse:

Das Videokonferenzgerät Tandberg EX90, das als Personal Telepresence-Lösung angeboten wird, ist ein 24-Zoll-HD-Officesystem. Es eignet sich als Einzelplatzlösung für den Schreibtisch und kann Video bis zu einer Bildauflösung von 1080p mit 30fps oder 720p mit 60fps wiedergeben. Mit der Softwareversion TC3.1.0 kann eine Mehrpunktkonferenz mit drei Teilnehmern in 720p30 realisiert werden.

Lieferumfang:

Das Officesystem hat einen 24-Zoll-LCD-Bildschirm mit einer maximalen Bildauflösung von 1920x1200, der auch als PC-Monitor genutzt werden kann. Die eingebaute PrecisionHD-Kamera mit 1080p60, die gleichzeitig als Dokumentenkamera benutzt werden kann, lässt sich manuell um 90° nach unten schwenken.
Das VC-Gerät wird mit einem neu entwickelten 8-Zoll inTouch-Benutzerinterface (anstelle einer Fernbedienung) mit einer Bildauflösung von 480x800 Pixeln angeboten, welches zusätzlich mit einem klassischen Telefonhörer z.B. für Telefonate kombiniert ist.

Bandbreiten

Die Tandberg EX90 ermöglicht im LAN Videokonferenzen bis zu 6000 kbps sowohl bei H.323 als auch SIP in Punkt zu Punkt Verbindungen.

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Inbetriebnahme

Das Gerät ist schnell betriebsbereit. Neben LAN, Netzspannung und inTouch-Benutzerinterface wird noch der zu übertragende Laptop über DVI-I und das Laptopaudio über einen Klinkenstecker angeschlossen. Danach kann die übliche Erstkonfiguration, IP- und H.323 Einstellungen, vorgenommen werden.
An die Tandberg EX90 kann ein zweiter Monitor per HDMI für Dual Stream angeschlossen werden. Auch besteht die Möglichkeit des Anschlusses einer weiteren Kamera.

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Test

Bedienung

Das neu entwickelte inTouch-Benutzerinterface ist in seiner Bedienerführung gut durchdacht und damit sehr benutzerfreundlich. Man wird mit Ihr schnell vertraut und gewöhnt sich noch schneller an sie. Wehmut zur "fehlenden" Fernbedienung trat im VCC-Team nicht in Erscheinung ;-). Ein zweiter Monitor für H.239 Präsentationen zeigt sofort die laufende Präsentation an, ohne dass man im Konfigurationsmenü etwas umstellen muss. Aber der Monitor der Tandberg EX90 ist ausreichend groß für Präsentation und Videoanzeige.
Ein mit der Kamera übertragenes Dokument wird auf der Gegenseite gut lesbar wiedergegeben, wobei man die Schriftgröße 9 noch lesen kann.

Audio/Video

Die Qualitätseinschätzung der Audio- und Videoverbindungen hat in fast allen Tests mit sehr gut abgeschnitten. Die hierbei verwendeten Audiocodecs waren hauptsächlich AACLD oder G.722. Nur mit dem Softwareclient Mirial wurde für die Audioverbindung G.711 ausgehandelt.

Als Videocodec wurde durchgängig H.264 ausgehandelt bis auf eine Ausnahme. Die Sony PCS-G70 sendete H.263 mit 4CIF und empfing von der Tandberg EX90 H.264 mit CIF. In den anderen Verbindungen wurde größtenteils 720p als Videoformat übertragen und zwischen den Tandberggeräten der neuen Generation 1080p. Die Tandberg 990 MXP verwendet in Senderichtung 448p. In der Verbindung mit der PVX sendet diese QVGA und empfängt QCIF.

H.239

Die Mehrzahl der übertragenen Präsentationen konnte qualitativ mit sehr gut bewertet werden. Hierbei war Schrift ab 8 Pixel gut lesbar, es traten keine Farbverfälschungen auf, Störsignale wurden kompensiert. Die Folien waren auf der Gegenseite meist sofort sichtbar, Nachschärfzeiten bis 2 Sekunden traten selten auf.
Bei den anderen Tests traten Probleme in jeweils einer Übertragungsrichtung auf. Die Tandberg EX90 hatte in Empfangsrichtung in der Verbindung mit der Polycom PVX und der Mirial Softphone unter Mac und Windows Probleme wie: Abbruch der Präsentation bei komplexen Folien, starke Bildfehler oder Überlagerung aufeinander folgender Folien. In der Verbindung mit Tandberg Movi (4.0 Beta) kommen einige Folien äußerst zögerlich an ( bis 30 Sekunden Übertragungszeit) und die Kompensation von Störsignalen war nur schwach ausgeprägt.

Die Tandberg EX90 sendete Präsentationen meistens im XGA-Format mit H.264 oder H.263. In den Tests mit der Tandberg C20, C90 und der Polycom HDX 8004 konnten die Präsentationen bei entsprechender Laptopauflösung mit 1280×720 oder 1280x1024 Pixeln übertragen werden.

Mit H.239 übertragenes Videomaterial in SD-Qualität wurde bei 68% der Tests auch auf der Gegenseite als Video akzeptiert. In 16% der Tests wurde das übertragene Video zur Slideshow degradiert. Beim übertragenen HD-Videomaterial wurden 54% des empfangenen Videos auch als solches eingeschätzt, 16% waren nicht akzeptabel, bei den restlichen Tests war die Videoqualität grenzwertig.
In den meisten Fällen wurde das Video im XGA-Format mit H.264 oder seltener H.263++ übertragen. Nur zwischen der Tandberg EX90 und der C90 wurde als Format 1280x1024 erreicht mit 29-30 fps. In der Verbindung mit der Mirial Softphone konnte diese Video mit 30fps und einem Videoformat von 1024x768 anzeigen. Zwischen der Tandberg EX90 und der C20 wurde Video mit 1280x768 als Format und 14-15 fps angezeigt. Üblicherweise wurde ansonsten brauchbares Video mit 6-7 fps übertragen und empfangen.

Ausführliche Testergebnisse zu den paarweisen Tests stehen in der Kompatibilitätsmatrix.

Kamerafernsteuerung

Die Kamerafernsteuerung funktionierte in allen Tests bei Vorhandensein der Voraussetzungen mit folgenden Ausnahmen. Die Tandberg EX90 konnte die Sony PCS XG-80 nicht fernsteuern. Tandberg 6000 MXP und Tandberg 990 MXP können erstaunlicherweise die Kamera der Tandberg EX90 nicht fernsteuern.

MCU

Die Zusammenarbeit mit der Codian MCU des Dienstes DFNVideoConference funktionierte problemlos bei Video mit H.264 und 720p in beide Richtungen und beim Audio mit AAC-LD.
Die H.239 Präsentation (Folien und Video) erfolgt sowohl in Sende- als auch Empfangsrichtung mit H.264 und 720p.
Mit der Full HD (Empfangsrichtung) Codian MCU 4520 SW-Version 4.1(1.45) war die Tandberg EX90 in Senderichtung mit H.264@1280x720@30 und in Empfangsrichtung mit H.264@1920x1088@25 verbunden.

Gatekeeper

Die Zusammenarbeit mit den Gatekeepern GNU-GK 2.2.7 und CISCO MCM 12.1 funktionierte ohne Einschränkungen.

Sonstiges

SIP-Rufe zur Codian-MCU des DFN mittels "97918168@mcu.vc.dfn.de" funktionieren nicht. Auch URI-Dailing nach H.323 Annex O (z.B. mittels "mcu.vc.dfn.de##97918168") hat nicht funktioniert. Die Firma TANDBERG hat parallel zur Einführung der C-Serie ihre Philosophie geändert. Die vorgenannten Rufarten werden nicht mehr nativ unterstützt, sondern sind nur noch mit Hilfe eines Video Communication Servers (VCS) möglich. Wenn dieser nicht in der Infrastrukturumgebung des Videokonferenzgerätes eingebunden wird, sind Rufe mittels SIP- und URI-Dialing von Geräten der C-Serie nicht mehr durchführbar.

Die Verbindungsverschlüsselung mit AES nach H.235 hat in allen Verbindungen außer mit Mirial Softphone (Verschlüsselungsfunktionen für H.323 sind hier nicht implementiert) ohne Einschränkungen funktioniert.

Laut Datenblatt beherrschen die Geräte Firewall Traversal nach H.460.18 und H.460.19.

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Fazit

Das 24-Zoll-HD-Officesystem mit neuem inTouch-Benutzerinterface ist ein repräsentatives, gut zu bedienendes Videokonferenzsystem. Es zeichnet sich durch sehr gute bis gute Audio- und Videoeigenschaften aus. Auch die Präsentation multimedialer Inhalte mittels H.239 kann mit sehr gut bis gut bewertet werden.

Dokumentation

Hersteller: Tandberg
Vertriebspartner: MVC

Unterstützte Standards H.323, SIP
Audiokodierungen G.711, G.722, G.722.1, MPEG4 AAC-LD, AAC-LD Stereo
Videokomprimierung H.261, H.263, H.263+, H264
Bandbreite IP bis 6000 kbps

Wir danken Herrn A. Kienle von der Firma Tandberg für die Teststellung.

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