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Testbericht Tandberg Movi / VCS

PDF-Version (druckoptimiert)

Allgemein

Zeitraum

3. Quartal 2012
Vergleich Cisco Jabber Free 4.4 mit Cisco Jabber Lizenzversion 4.4 - ehemals Tandberg Movi

25. November 2009 - 25. Januar 2010

SW-Version

Client:
Movi Desktop Client: 3 RC1
(aktuell 3.1 bzw. Version 4)

Server:
VCS: X5 (ab 15.12.2009 - vorher X4.3), TMS: 12.5 (ab 15.12.2009 - vorher 12.2)

Geräteklasse

Client-Server-System für SIP und H.323 (das Testsystem erlaubte 100 gleichzeitige SIP-Rufe und 10 gleichzeitige H.323-Rufe)

Lieferumfang

Tandberg VCS (Video Communication Server): 19''-Rack-Komponente
Tandberg TMS (Tandberg Management Suite): Windows2003-Server-Komponente

Bandbreiten

Client: Movi 3 erlaubt Bandbreiten bis 2Mbit/s, die der Nutzer bei Bedarf selbst konfigurieren kann. Der Administrator kann durch die Provisioning-Funktionen des TMS die verfügbare Bandbreite der Clients zentral vorgeben und regulieren.

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Installation

VCS FrontansichtClient:

Die Installation des Movi 3 Clients gestaltet sich sehr einfach und unkompliziert. Nach der Installation müssen nur noch die Angaben zum Anmeldeserver (IP-Adresse des VCS sowie Name der SIP-Domäne) und die Nutzerdaten (Name und Passwort) eingetragen werden. Durch eine individualisierte Installation mit vorher definierten Parametern kann dies auch automatisiert erfolgen.

Server:

Der VCS wird als 19''-Rack-Komponente verbaut und muss bei Inbetriebnahme mit den entsprechenden Netzwerkinformationen konfiguriert werden. Anschließend müssen im Webinterface verschiedene Einstellungen vorgenommen werden, um das Rufverhalten der angemeldeten Clients zu steuern. So werden sogenannte Rufregeln erzeugt, die dem vorhandenen Dial-Plan folgen und somit neben SIP auch H.323-Rufe ermöglichen.

Der TMS wurde als Software-Komponente auf einem Windows 2003 Server installiert, der VCS musste im Managementsystem eingetragen werden. Eine Nutzerdatenbank wurde im Test nicht angebunden. Alle Testteilnehmer wurden manuell im TMS angelegt und konfiguriert.

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Test

BedienungScreenhsot Movi-OberflächeAnmeldefenster Movi

Client:

Die Oberfläche ist sehr aufgeräumt und überschaubar, die Bedienung gestaltet sich sehr intuitiv. Alle wichtigen Funktionen sind leicht erreichbar. Ein Rufaufbau kann sowohl aus der Kontaktliste erfolgen, indem das gewünschte Ziel ausgewählt wird, als auch über ein Eingabefeld. In unserem Testszenario waren so neben Standard SIP-Rufen auch Verbindungen per E.164 möglich.

Oberfläche des Movi3 Clients während einer VerbindungWährend einer Verbindung wird das Eigenbild als Picture-in-Picture dargestellt und ist innerhalb des Fensters frei platzierbar oder deaktivierbar. In der rechten oberen Ecke des Fensters sind die Funktionen "Verbindungsstatistik" und "Immer im Vordergrund" implementiert. Das Statistikmenü ist ein halbtransparentes Overlay über dem Video der Gegenstelle und behindert somit nicht die Verbindung (Screenshot). Die Aktionsleiste im unteren Bereich des Videofensters bietet weitere Funktionalität, wie beispielsweise Eigenbild ein- oder ausblenden, Kamera deaktivieren und aktivieren, Mikrofon stummschalten, Lautstärke regulieren, Vollbild aktivieren, eine eigene Präsentation starten, ein numerisches Tastenfeld für DTMF-Wahltöne oder die Auflegefunktion. Die entsprechenden Icons sind eindeutig erkennbar. Nach kurzer Zeit der Inaktivität von Maus und Tastatur tritt diese Buttonleiste in den Hintergrund. Wird die Datenpräsentation gestartet, erscheint ein Fenster, in welchem die zu übertragende Anwendung ausgewählt werden kann, eine Freigabe des Desktops ist mit Movi nicht möglich. Wird eine Powerpoint-Präsention im Vollbild-Modus gestartet, erscheint automatisch die Systemmeldung, diese Präsentation im Movi-Client zu übertragen (Screenshot). Der Mauszeiger wird nicht mit übertragen, es fehlt somit ein Werkzeug, um in Präsentationen auf wichtige Punkte zu zeigen. Auch können keine Videos übertragen werden. Wird eine H.239-Präsentation empfangen, erscheint diese ebenfalls im Videofenster, das Video der Gegenstelle wird dann als Picture-in-Picture dargestellt (Screenshot). Die Anordnung der einzelnen Bilder ist flexibel und kann je nach Nutzerwunsch erfolgen.

Der Client arbeitet mit integrierten Notebook-Kameras sehr gut zusammen und ermöglicht so in den meisten Fällen in Senderichtung eine Videoauflösung von 640x480 Pixel (VGA). In unseren Tests kam die Logitech 9000 Pro zum Einsatz, die ebenfalls in VGA-Auflösung sendete. Nur bei Einsatz der Tandberg Precision HD USB-Kamera ist in Senderichtung eine Auflösung mit 1280x720 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde möglich. Diese Kamera wurde exklusiv für Tandberg Movi und Microsoft Communicator entwickelt und bietet bei diesen Produkten hervorragende Bild- und Tonqualität (Screenshot), jedoch ist der Preis von ca. 400€ für eine USB-Kamera sehr hoch (zumal die Kamera bei anderen Anwendungen nicht im vollen Funktionsumfang unterstützt wird). Eine ausführliche Beschreibung zur Tandberg Precision HD USB ist hier verfügbar.

Die Echokompensation des Movi-Clients liefert sehr gute Ergebnisse, weshalb auch der Einsatz von integrierten Freisprechmikrofonen denkbar ist.

Server:

Die Steuerung beider Systeme erfolgt über ein Webinterface, welches sich konsistent an die Visualisierung aller Tandberg-Produkte hält. Die Bedienung des Video Communication Servers und der Tandberg Management Suite gestalten sich nach kurzer Einarbeitszeit als intuitiv und gut steuerbar, alle wichtigen Funktionen sind klar erkennbar und gut zu konfigurieren. Eine ausführliche Evaluierung zur Funktionsweise und Bedienbarkeit von TMS ist hier zu finden.

Zu beachten ist, dass die Management Suite für die Nutzerverwaltung verantwortlich ist und der Video Communication Server die Steuerung aller Medienströme zur Rufzeit übernimmt. Der VCS bietet auch eine Gatekeeperfunktionalität und die Bereitstellung eines SIP-Registrars. Darüber hinaus wird durch den VCS die Umwandlung von SIP zu H.323 und umgekehrt durchgeführt, weshalb der VCS durch diese sogenannten "Traversal-Calls" sehr schnell an seine Kapazitätsgrenze stößt (auf dem Testsystem konnten maximal 10 gleichzeitige Traversal-Rufe durchgeführt werden). Es ist möglich, bei Einsatz mehrerer geclusterter VCS diese Kapazitäten zu erhöhen.

Um die Konnektivität zu den Leistungen des Deutschen Forschungsnetzes (DFN) herzustellen, musste der VCS als Gatekeeper in die Gatekeeperstruktur DFNVC eingebunden werden. Dies geschah durch ein sogenanntes Neighboring. Alle Endgeräte, die durch den VCS administriert werden sollen, müssen sich zwingend am VCS registrieren, es können somit für die Movi-Clients keine anderen Gatekeeper genutzt werden.

Oberfläche des Movi3 Clients während einer Verbindung in HD mit StatistikAudio/Video

In fast allen getesteten Verbindungen konnte mit Movi ein erfolgreicher Verbindungsaufbau zu den Testgegenstellen durchgeführt werden. Ausnahme war nur der Desktop Client Polycom PVX. Hier war der Verbindungsaufbau ausschließlich in eine Rufrichtung möglich (Movi empfängt PVX-Ruf).

Allgemein war die Audioqualität stets überzeugend, es kamen in den meisten Fällen hochwertige Breitbandcodecs (AAC-LD, G.722.1) zum Einsatz, wobei die Audioqualität als sehr gut eingestuft werden kann. Ausnahmen waren hier die Gegenstellen Mirial Softphone und LifeSize Room, mit denen nur G.711 verbunden wurde, sowie Sony PCS-XG80, wo zwar AAC-LD ausgehandelt wurde, aber fehlerbehaftet war und damit qualitativ nicht überzeugen konnte.

Die Qualität des Videos war stets hochwertig und in allen Verbindungen wurde mit H.264 gearbeitet, die Bildrate war immer im Bereich von 25 bis 30 Bildern pro Sekunde. In Empfangsrichtung hat Tandberg Movi entsprechend der Ausprägung der Testgegenstelle entweder eine Auflösung von 720p (1280x720 Pixel) oder VGA (640x480 Pixel) erreicht. Werden herkömmliche handelsübliche USB-Webkameras mit dem Movi-Client betrieben (in den Tests wurde eine Logitech Pro 9000 verwendet), ist die Videoauflösung in Senderichtung VGA. Kommt die "Tandberg Precision HD USB Kamera" zum Einsatz, sendet Movi das Video in HD-Auflösung 720p mit 30 Frames pro Sekunde in hervorragender Qualität (siehe Screenshot rechts). Eine Ausnahme war das System Sony PCS-G70, mit welchem nur CIF (352x288 Pixel) in Sende- und Empfangsrichtung übertragen wurde.

Datenpräsentation

Folienübertragung per H.239 (bzw. BFC bei SIP-Verbindungen) erfolgte jeweils mit 720p/H.264 bzw. mit XGA/H.263+ oder H.264 in sehr guter Qualität. Ausnahmen waren die Gegenstellen Sony PCS XG-80 und Sony PCS-G70. Hier war auf Movi-Seite kein Empfang und Senden nur mit starker Fehlerbildung möglich. LifeSize Room konnte eine Datenpräsentation nicht empfangen, und in Verbindungen mit Polycom PVX sind Präsentationen aufgrund der geringen Qualität nur eingeschränkt zu empfehlen.

Videodateien vom Desktop können mit Movi nicht übertragen werden.

MCU

Die Zusammenarbeit mit der MCU von Codian innerhalb des Dienstes DFNVideoConference funktionierte problemlos und in sehr guter Qualität. Rufe auf die Codian-MCU erfolgten in sehr guter Qualität mit dem Videocodec H.264 und einer Auflösung von 720p in Sende- und Empfangsrichtung bei Nutzung der HD-USB-Kamera (Standard-Webcams senden H.264 in VGA-Auflösung an die Codian -MCU).

SonstigesOberfläche des Movi3 Clients während einer Verbindung in HD mit Statistik

Das System Tandberg Movi 3 konnte URI-Dialing nach H.323 Annex O (z.B. mittels "004910097918168@mcu.vc.dfn.de") nicht umsetzen. Auch konnten keine SIP-Rufe an die Codian-MCU durchgeführt werden. Rufe auf die MCU wurden stets als Traversal-Calls von SIP zu H.323 umgesetzt. Durch eine entsprechende Konfiguration der Rufregeln im VCS kann dies unter Umständen reguliert werden.

Die Verbindungsverschlüsselung hat in allen Verbindungen außer mit Mirial Softphone funktioniert.

Im Bereich Firewall-Traversal und NAT-Traversal bietet Tandberg eine erweiterte Lösung an, indem ein zweiter Video Communication Server (der sogenannte VCS Expressway) als Tunnelendpunkt für ausserhalb des geschützten Bereiches befindliche Endgeräte genutzt wird (siehe nebenstehende Grafik).


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Fazit

Das Produkt Tandberg Movi 3 hebt sich vor allem durch die sehr einfache Installation und Konfiguration hervor und besticht durch eine sehr übersichtliche und intuitive Benutzeroberfläche, die auch für Laien verständlich ist. Die Verbindungsqualität in Bild und Ton war mit der Tandberg Precision HD Webcam hervorragend und selbst mit Standardkameras lieferte die Software sehr gute Ergebnisse. Auch Verbindungen zur DFNVC-MCU funktionierten gut.

Da das System in Verbindung mit dem Video Communication Server auf dem Session Initiation Protocol (SIP) basiert, können Rufe zu anderen Systemen, die H.323 unterstützen, nur unter erhöhter Kapazitätsauslastung durchgeführt werden, weshalb die Anzahl dieser sogenannten Traversal-Calls stark begrenzt ist (auf dem verwendeten Testsystem maximal 10 gleichzeitige Traversal-Calls). Da in heterogenen Videokonferenzumgebungen wie im DFNVC-Umfeld der Bedarf nach H.323-Rufen höher ist, wird diese Rufbegrenzung sehr schnell erreicht sein. Denkbar wäre hier der Einsatz eines VCS innerhalb einer logisch abgeschlossenen Einrichtung als "Inhouse"-Lösung, wobei der VCS als Registrar für alle verwendeten Systeme zum Einsatz kommt.

Die Firewall-Problematik beziehungsweise NAT-Thematik ist auch mit dem Tandberg-System nicht trivial lösbar, vor allem dann, wenn unterschiedliche Systeme aus unterschiedlich gesicherten Netzen kommunizieren sollen. Als Traversal-Lösung bietet Tandberg einen weiteren VCS an (der sogenannte VCS-Expressway), der in der Teststellung nicht vorgesehen war.

Die Konfiguration des VCS hinsichtlich der Rufregeln, die darin umgesetzt werden sollen, ist sehr umfangreich und erfordert eine angemessene Einarbeitungszeit. In unserer Teststellung war es mit den Desktop-Clients nicht möglich, IP-Adressen direkt anzuwählen, Gegenstellen konnten nur mit entsprechendem E.164-Alias gerufen werden.

Auch im Bereich des Content Sharing waren Defizite erkennbar. So kann die Software nicht den kompletten Desktop freigeben und es fehlt eine Zeigefunktion bei der Übertragung von Folien (der Mauszeiger wird nicht übertragen). Auch fehlt die Option, Videodateien zu übertragen.

Dokumentation

Hersteller: Tandberg
Vertriebspartner: MVC

Wir danken den genannten Firmen für die Bereitstellung der Testkomponenten.

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