Schriftgröße: 14 18 24 30 / Hotkeys anzeigen

Testbericht Mirial ClearSea

PDF-Version (druckoptimiert)

Allgemein

MirialClearSea LogoZeitraum

1. Quartal 2011

SW-Version

Client: 7.1.8

Server: 1.1.3

Geräteklasse

H.323-Client-Server-System

Lieferumfang der Teststellung

Das Evaluierungsmodell umfasste ein VMware-Image zur Installation auf einem eigenem Server mit maximal 10 Nutzern, kann aber auch als eigenständiger 19-Zoll Server erworben werden.

Bandbreiten

Mirial ClearSea Clients erlauben Bandbreiten bis maximal 2048 kbit/s. Die möglichen Bandbreiten für Clients können nutzerbezogen oder gruppenbezogen am Server eingestellt und beschränkt werden. Die maximale Auflösung des Clients ist 1080p bei 30 fps.

zum Seitenanfang

Installation und Inbetriebnahme

Mirial ClearSea Donwload-PortalClient:

Der Client wird allen Nutzern auf dem Server bereitgestellt und kann von dort heruntergeladen werden (vergleiche Grafik rechts). Clients für Android- oder iOS-Betriebssystem werden in den entsprechenden Downloadmärkten bereitgestellt. Die Installation ist unkompliziert. Einmalig muß bei der Konfiguration des Clients die IP-Adresse des ClearSea Servers eingetragen werden. Nutzername und Kennwort können permanent gespeichert werden, um folgende Anmeldungen zu vereinfachen (Screenshot).

Server:

Die Installation des ClearSea Servers erfordert wenig Aufwand und Mirial bietet eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Installationsschritte. Das von Mirial bereitgestellte Image für VMware muss auf einem eigenen Server installiert werden. Ist der VMware-Player gestartet, steht der Zugriff auf die Administrationskonsole des Servers per Webinterface zur Verfügung. Mit dem Lizenzschlüssel wird hier die Installation aktiviert. Danach können Nutzer angelegt werden.

zum Seitenanfang

Test

Mirial ClearSea NutzerinterfaceBedienung

Client:

Die Bedienoberfläche von Mirial ClearSea (siehe Screenshot rechts) erinnert sehr stark an das Design von Mirial Softphone. Erfahrene Softphone-Nutzer müssen sich deshalb nicht umgewöhnen. Neueinsteiger müssen sich jedoch erst mit der eigenwilligen und wenig intuitiven Bedienung des Programms vertraut machen, wobei Mirial durch umfangreiches Informationsmaterial und Bedienungsanleitungen weiterhilft. Wenn man nach der Eingewöhnungsphase mit der Steuerung der Software vertraut ist, findet man schnell die benötigten Funktionen und kann das Programm zuverlässig bedienen.

Der Client gestattet Rufe zu anderen angemeldeten Nutzern über eine Kontaktliste oder über die zugewiesene Extension des Gesprächspartners. Rufe zu H.323-Geräten erfolgen über IP oder URI-Dialing. Die Bandbreite kann sowohl am Client als auch am Server eingestellt werden. Mirial stellt ein Rufdiagramm zur Verfügung, in dem dargestellt ist, wie Rufe in verschiedenen Szenarios aufgebaut werden.

Die in den ClearSea Client integrierte MCU erlaubt maximal 3 Teilnehmer im Continuous Presence Modus.

Es besteht die Möglichkeit, laufende Anrufe aufzuzeichnen und zu archivieren, wobei ein großer roter Balken auf den Status des Aufzeichnungsvorgangs hinweist. Die Aufnahmen können in das WMV-Format (Windows Media Video) oder MOV-Format (Quicktime) exportiert werden.

ClearSea for Android zu Codian MCUClearSea for Android p2p PVXClearSea for Android Contact ListClearSea for Android LoginDer mobile Client (Android-Screenshots rechts: Anmeldung, Rufhistorie, Direktruf zu Polycom PVX, Direktruf zu DFN Codian MCU) bietet neben den Basisfunktionen Adressbuch, Rufhistorie und Mikrofonstummschaltung auch die Möglichkeit, DTMF einzugeben und Kamerafernsteuerung (per FECC) durchzuführen, ist jedoch im Audiobereich auf den Codec G.711 und im Videobereich auf H.263+ mit maximaler Auflösung von 352x288 (CIF) und 15 fps bei 384kbps Bandbreite beschränkt.

Server:

Die Administration des ClearSea Servers (Screenshot Navigationsleiste) bietet alle benötigten Funktionen zum Verwalten des Systems in einer übersichtlichen Nutzeroberfläche. Das Bedienkonzept ist intuitiv und erschließt sich sehr schnell, zumal ein detaillierter Administrator Guide zu Verfügung steht.

Im Administratorbereich werden Nutzer und Nutzergruppen respektive ihrer Verbindungsparameter (Bandbreiten, erlaubte Codecs, erlaubte Auflösung etc.) verwaltet. Es können nutzerunabhängige Konferenzräume eingetragen und H.323-Systeme in das System aufgenommen werden. Der Status des Servers inklusive aktiver Verbindungen ist ebenfalls abrufbar. Zur besseren Einpassung der ClearSea Clients können diese durch ein Logo individualisiert werden, was im Administratorbereich erfolgt.

Audio/Video

Client:

Da alle Verbindungen immer über den Server des ClearSea-Systems laufen müssen, kommt hier neben den beteiligten Endgeräten eine weitere Komponente ins Spiel. Während der Client in allen Tests G.722-1C als Audiocodec empfing und auch sendete, handelte der Server mit Geräten älteren Baujahrs oftmals nur den Codec G.711 (= Telefonqualität) aus. Hier wurde also eine zusätzliche Transformation des gesprochenen Wortes vorgenommen. Bei neuen Geräten (wie z.B. TANDBERG C20) wurde ausnahmslos G.722-1C verwendet, die LifeSize Room empfing und sendete Polycom Siren 14.

Die Audioqualität war im Rahmen der Möglichkeiten des verwendeten Codecs immer in beiden Richtungen gut bis sehr gut.

Der Einsatz des Servers hatte dagegen auf das Video keinen Einfluß. Die gesendeten und empfangenen Bildauflösungen und Codecs wurden ausnahmslos ohne Änderung weitergeschickt. Als Codec wurde grundsätzlich immer H.264 verwendet. Das Bildformat war dagegen sehr unterschiedlich und von der Gegenstelle abhängig. Es reicht von QVGA (mit der Polycom PVX) bis zu Full HD (in Verbindungen mit sich selbst). Die Auflösung wurde teilweise bei parallelem Einsatz von H.239 stark reduziert, im Extremfall beim Test Mirial Softphone bis auf QCIF.

Die Qualität des Videos war sehr stark von der Gegenstelle abhängig. Bei Verbindungen mit der TANDBERG 990 MXP hatte das empfangene Bild auf Seiten der TANDBERG allerdings eine starke Pixelüberdeckung zu verzeichnen. Im Test mit der Polycom HDX 8004 kam gar keine Videoübertragung zustande. Bei einigen Verbindungen sinkt die Qualität der Videoübertragung bei Erhöhung des Bewegtanteils entprechend ab. Dadurch sind vor einer Videkonferenz entsprechende Tests mit H.323-Gegenstellen unbedingt notwendig.

Datenpräsentation

Client:

Die Übertragung von Folienpräsentationen nach dem Standard H.239 geschah immer in guter bis sehr guter Qualität. Mit den Systemen Polycom HDX 8004 und SONY PCS-G70 kam kein zweiter Videokanal zustande. In Verbindungen mit Geräten der Fa. TANDBERG hatte die Datenpräsentation jeweils auf der Seite von TANDBERG Verzögerungen im vollständigen Bildaufbau bis zu 4 Sekunden.

Das verwendete Bildformat war je nach Gegenstelle XGA oder 720p sowohl in Empfangs- als auch Senderichtung.

Wenn im zweiten Videokanal bewegte Bilder in SD- oder HD-Auflösung gesendet werden, sinkt die Qualität der Verbindung in fast allen Fällen rapide ab. Die praktische Einsetzbarkeit dieser Variante war bei keinem Test vollständig gegeben. Nur wenn TANDBERG-Geräte die Videos im zweiten Kanal senden, ist auf der Seite von ClearSea eine gute Qualität im Empfang gegeben.

Insgesamt ist im Bereich der Datenpräsentationen noch Verbesserungsbedarf zu erkennen.

MCU

Die Zusammenarbeit mit der CODIAN-MCU des Dienstes DFNVideoConference funktioniert fehlerfrei. Die qualitativ hochwertigeren Bildauflösungen wurden beim Dial Out (die MCU ruft Clear Sea) erreicht. Hier empfängt der Client Full HD und sendet 720p. Im Bereich von H.239 wird XGA verwendet.

Firewall

ClearSea kann Verbindungen ohne zusätzliche Komponenten über Firewalls und eventuelles NAT-Traversal hinweg aufbauen.

Sonstiges

Die Kamerafernsteuerung funktionierte einzig in Verbindungen mit der LifeSize Room, ansonsten nie.

ClearSea kann keine verschlüsselten Verbindungen initiieren. Der Versuch, eine Verschlüsslung zu erzwingen, schlägt fehl. In diesem Fall wird gar keine Verbindung aufgebaut.

zum Seitenanfang

Fazit

Dem versierten Nutzer fällt sofort die hohe Ähnlichkeit mit Mirial Softphone auf, die Benutzeroberfläche ist ebenso wenig intuitiv. Mirial bietet umfangreiche Anleitungen der Software, deren Lektüre empehlenswert ist. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit findet man die gewünschten Funktionen zielsicher. Für dieses Client-Server-System sind neben den Windows- und Mac-Clients auch mobile Anwendungen in den entsprechenden Märkten (Apple Appstore und Android Market) verfübar.

Wie schon bei Mirial Softphone fehlt auch bei diesem Produkt die Verschlüsselung bei H.323-Rufen. Auch ist die Breite an unterstützten Audio-Codecs sehr gering, lediglich G.711 oder G.722.1C wurden implementiert. Dies spiegelt sich in der Audioqualität wider. Auch ist die Qualität der H.239-Datenpräsentationen nicht immer überzeugend, sondern teilweise fehlerhaft.

Das Serversystem bietet keine Möglichkeit, eine Einbettung in eine Gatekeeperstruktur vorzunehmen, netzübergreifende Rufe sind nur per URI-Dialing möglich. Das bedeutet, dass ein einrichtungsübergreifender Einsatz des Produkts nicht praktikabel ist und trotz der H.323-Konformität somit nur eine Insellösung darstellt.

Dokumentation

Hersteller: Mirial

Wir danken der genannten Firma für die Bereitstellung der Testsoftware.