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Testbericht Polycom Telepresence m100

PDF-Version (druckoptimiert)

Allgemein

Zeitraum

Die Videokonferenzsoftware Polycom Telepresence m100 wurde im November 2011 im VCC getestet.

SW-Version

Die Software lag in der offiziellen Version 1.0.0 vor, überprüfende Tests wurden mit der Version 1.0.3 durchgeführt.
Im August 2012 wurden bekannte Fehler mit der Version 1.04 überprüft. Dieser Kurztest fasst die Ergebnisse zusammen.

Geräteklasse

Das Videokonferenzsystem Polycom Telepresence m100 ist ein Softwareclient für die Betriebssysteme Windows 2000, XP, Windows Vista und Windows 7. Die Software wird durch einen Aktivierungsschlüssel freigeschaltet. Wird dieser bei Programmstart nicht eingegeben, kann das Produkt als Testversion 30 Tage uneingeschränkt genutzt werden.

Lieferumfang

Die Software ist auf den Seiten des Herstellers verfügbar. Sie ist sofort nach der Installation nutzbar. Zur Aktivierung des Programms muss der Aktivierungsschlüssel käuflich erworben werden, sonst unterliegt es der Beschränkung eines Testzeitraums von 30 Tagen. Für den Betrieb können sowohl Standard-Webcams als auch HD-Webcams genutzt werden.

Bandbreiten

Das Videokonferenzsystem ermöglicht im LAN-Bereich Videokonferenzen bis 1920 kbps mit maximal 30 fps.

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Installation

Für den fehlerlosen Betrieb der Software werden vom Hersteller explizite Mindestanforderungen der zugrundeliegenden Hardwarekonfiguration gestellt, welche unbedingt beachtet werden sollten:

Die Testsysteme des VCC waren ein Intel Core 2 Extreme CPU X9100 (3,06 GHz, 4 GB RAM) mit Logitech HD Webcam C910 sowie ein Intel Core i7 2600 CPU (3,40 GHz, 8 GB RAM) mit Tandberg PrecisionHD USB Kamera. Getestet wurde unter Windows 7.

m100 KonfigurationDie Installation unter Windows verläuft problemlos. Während der Installationsroutine erfolgt auch die Installation bzw. Aktualisierung von Adobe Air, welches für die Darstellung der grafischen Oberfläche notwendig ist.

Nach dem Installationsvorgang müssen im Einstellungsmenü (vgl. Grafik rechts) einmalig alle Systemeigenschaften (Audio, Video, Netzwerkparameter, H.323-Eigenschaften, SIP-Eigenschaften, ...) eingestellt werden. Die Konfiguration kann nachträglich noch angepasst werden. Es ist hier auch möglich, eine Testversion mittels des Aktivierungsschlüssels in die Vollversion zu wandeln.

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Grafische Oberfläche m100Test

Bedienung

Die grafische Oberfläche des Programmes (vgl. Grafik rechts) wurde von Polycoms Client-Server-System CMA übernommen und präsentiert sich mit den klar voneinander abgegrenzten Funktionen "Eigenbild", "Kontaktliste" und "Ruf durchführen". Neben dem Eigenbild, welches deaktivierbar ist, werden sowohl die eigene IP-Adresse als auch der eingetragene Name dargestellt. Die Kontakliste setzt sich aus manuellen Einträgen und zuletzt durchgeführten Rufen zusammen. Rufe können per H.323 (IP und E.164) oder SIP durchgeführt werden, die Rufbandbreite muss zentral im Konfigurationsbereich eingestellt werden. Per Dropdown-Menü kann man auf schon gewählte Nummern zugreifen.

Incall-FensterEine bestehende Verbindung wird in einem separaten Fenster geöffnet (vgl. Screenshot rechts), in welchem das Video der Gegenstelle dargestellt wird. Über die Menüleiste am oberen Bildrand können alle relevanten Funktionen bedient werden. Das Design der Icons ist nicht für alle Funktionen selbsterklärend, die zugehörigen Tooltips helfen aber weiter.

Polycom-erfahrene Anwender stellt die Software vor keine große Herausforderung, die Oberfläche ist sehr übersichtlich gestaltet und größtenteils intuitiv bedienbar. Einzig das Starten und Beenden einer Datenpräsentation ist etwas umständlich gelöst. Der entsprechende Menüpunkt öffnet zuerst ein weiteres Fenster, in dem der gewünschte Vorgang gestartet werden kann. Hier wäre ein direkter Menüpunkt ohne eine Zwischenanzeige die bessere Lösung. Die Platzierung des Eigenbildes ist nicht frei wählbar. Soll das Eigenbild nicht rechts unten eingeblendet werden, gibt es nur die Möglichkeit, das Eigenbild zu deaktivieren. Eine praktische Funktion ist die Vorschau des Eigenbildes, bevor man einen Ruf annimmt oder absetzt.

Audio/Video

In allen Testverbindungen wurde Audio mit G.722, G.722.1C oder Siren 14 kodiert, was auch zu einer mehrheitlich sehr guten Audioqualität beitrug. Einzig in Verbindung mit LifeSize Room muss die Audioqualität mit schlecht bewertet werden, da auf Seiten des LifeSize-Gerätes die Verständlichkeit des Gesprochenen durch sehr starke Audioaussetzer nicht mehr gewährleistet ist.

Die Videoqualität war in allen getesteten Verbindungen gut bis sehr gut. Mit allen Gegenstellen wurde der Videocodec H.264 ausgehandelt, nur das Video der Codian MCU wurde H.263+ kodiert. Polycom m100 konnte in allen Tests mit dessen maximaler Auflösung von 640x480 Pixel senden, außer in Verbindung mit Sony PCS G70, die nur QVGA (320x240) zuließ. Die empfangene Auflösung variierte von CIF bis 720p je nach System der Gegenstelle. Die von der Codian MCU empfangene Auflösung entsprach XGA (1024x768).

H.239

Im Bereich der parallelen Datenpräsentation per H.239 weist Polycom m100 große Schwächen auf. Nur im Test mit Polycom HDX 8004 konnte die Qualität der H.239-Übertragung beidseitig als sehr gut ohne Einschränkung beurteilt werden. In wenigen Fällen konnte die Qualität als gut eingeschätzt werden: so war in Verbindung mit den Tandberg-Systemen 990MXP, 6000MXP und C40 bidirektionale H.239-Übertragung möglich, diese wurde jedoch qualitativ durch lange Ladezeiten (bis zu 45 Sekunden, um die übertragene Folie zu aktualisieren) und auftretenden Paketverlust im H.239-Kanal (und daraus resultierende Pixelfehler) beeinträchtigt. Dieser Fehler ist in der Version 1.04 behoben, aber leider werden die Folien nun stark gestaucht d.h. fast quadratisch dargestellt.
In Verbindung mit Tandberg Movi konnte H.239 zwar von m100 in sehr guter Qualität gesendet werden, die Gegenrichtung wurde aber qualitativ nur mittelmäßig übertragen (Bildfehler, schlechte Lesbarkeit). Ebenso wurde mit Polycom PVX nur H.239-Mittelmaß gesendet und empfangen. Grund waren auch hier gehäuft auftretende Pixelfehler und Artefakte. An der LifeSize Room wurde die Datenpräsentation fast fehlerfrei empfangen, senden konnte das Gerät aber nur verminderte Qualität, die Auflösung von 4SIF (704x480) ist zu gering für eine akzeptable Güte.

In vielen Fällen traten Fehler auf, die den Eindruck der ungenügenden H.239-Implementierung untermauern: wenn von Sony PCS-XG80 ein H.239-Kanal gestartet wird, führt dies zum Absturz des m100-Clients (m100 kann aber in sehr guter Qualität senden). Auch in Verbindung mit Sony PCS-G70 ist die Datenpräsentation nur eingeschränkt möglich, da nur ein schwarzer Bildschirm sichtbar ist, wenn m100 sendet (das Senden einer Präsentation von der Sony-Anlage wird jedoch in guter Qualität mit m100 empfangen). Diese beiden Fehler in Verbindungen mit Sonygeräten wurden in der Version 1.04 vom Juni 2012 leider nicht behoben.
Auch werden Präsentationen von Mirial Softphone (sowohl Mac als auch Windows) nicht bei Polycom m100 angezeigt, die Gegenrichtung ist jedoch in sehr guter Qualität möglich, allerdings bleibt die Präsentation bei Mirial bestehen, wenn die Gegenseite H.239 beendet hat.
In der Version 1.04 vom Juni 2012 werden Präsentationen bei Polycom m100 angezeigt.

In einer Mehrpunktkonferenz mit der DFN Codian-MCU war Senden und Empfangen von H.239 in sehr guter Qualität möglich, jedoch war es für alle Teilnehmer in der Konferenz nicht möglich, H.239 zu senden, nachdem m100 eine Präsentation übertragen hat. Dieser Fehler wurde in der Version 1.0.3 von Polycom behoben.

Allgemein wurde H.239 (wenn nicht anders angegeben) in XGA-Auflösung (1024x768) mit H.264 oder H.263+ übertragen. Tandberg Movi hat eine Auflösung von 1280x720 gesendet (mit H.264).

Es empfiehlt sich vor allem bei Übertragung von Folien, einen aktuellen Rechner zu verwenden, der signifikant über die Mindestanforderungen hinausgeht.

Kamerafernsteuerung

Die Kamerafernsteuerung hat bei Vorhandensein der technischen Voraussetzungen an den Gegenstellen immer funktioniert.

MCU

Die Zusammenarbeit mit der CODIAN-MCU des DFN lief nur im Dial-In fehlerfrei bis zur maximalen Bandbreite von 1920 kbps. Video wurde dabei in XGA-Auflösung (1024x768) mit H.263+ empfangen und mit H.264 in VGA-Auflösung (640x480) gesendet. Ein Dial-Out von der MCU (add participant) führt zum Absturz des m100-Client mit der Fehlermeldung, dass ein interner Fehler aufgetreten ist. Dieser Fehler beim Dial-Out ist mit der Version 1.04 vom Juli 2012 behoben.

Gatekeeper

Die Zusammenarbeit mit den Gatekeepern GNU-GK 2.0.7 und CISCO MCM lief fehlerfrei und stabil. Die Anmeldung an den Geräten gelang immer.

Sonstiges

Verbindungen können verschlüsselt werden. Man hat die Auswahl zwischen Verschlüsselung "ein", "aus" und "auto". Ersteres bedeutet, dass die Verschlüsselung erzwungen wird und nur verschlüsselte Rufe zustande kommen. Die "auto"-Funktion bedeutet, dass die Verschlüsselung optional ist (wenn die Gegenstelle Verschlüsselung unterstützt). Alle Testverbindungen außer Mirial Softphone (unterstützt Verschlüsselung nicht) wurden verschlüsselt durchgeführt.

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Fazit

Polycom hat mit der getesteten Software ein modernes Produkt im Portfolio, was gerade für eine heterogene VC-Landschaft wie im Deutschen Forschungsnetz sehr vielversprechend ist, da die Software im Einzelplatzlizenzmodell vertrieben wird und nicht an Serverstrukturen gebunden ist (wie beispielsweise Polycom CMA).

Die Videokonferenzsoftware m100 von Polycom lieferte in den meisten Testverbindungen Audio- und Videoqualität, die überzeugen konnte. Einzelfälle vor allem in der übertragenen Audioqualität trüben jedoch diese Einschätzung.

Dem Nutzer wird eine HD-taugliche Software versprochen, was sich jedoch bei genauerer Betrachtung nicht bestätigt: die Unterstützung von HD Auflösungen (max. 720p) kann das Produkt nur in Empfangsrichtung bieten. In Senderichtung wird selbst bei Anschluss von hochauflösenden Kameras nur VGA erreicht.

Die Hardwaremindestandforderungen sollten unbedingt beachtet werden, um störende Qualitätseinbußen zu vermeiden.

Die im Testzeitraum November 2011 festgestellte unzureichende Qualität der H.239-Implementierung wurde mit den nachfolgenden SW-Updates (aktuelle Version 1.0.6 vom Juli 2013) weitestgehend behoben.

Dokumentation

Hersteller: Polycom
Vertriebspartner: MVC

Unterstützte allg. Standards H.323, SIP
Audiokodierungen G.711, G.719, G.728, G.722, G.722.1, Siren 14
Videokomprimierung H.261, H.263, H.263 +, H264
Bandbreite 1920 kbps
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