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Testbericht Polycom RSS 4000

PDF-Version (druckoptimiert)


Allgemein

Zeitraum

Mai / Juni 2013

SW-Version

Der Test wurde mit der Softwareversion 8.5.0.0 rev 35442 (Hardwareversion 6.0) durchgeführt. Als Optionen waren 5 Aufnahmeports, 4 Live-Streaming-Ports, 200 Live-Streaming-Sitzungen, Verschlüsselung und HD-Live-Streaming installiert. Multicast war deaktiviert.

Geräteklasse

Dieses Gerät ist eine Aufzeichnungs-, Streaming- und Wiedergabe-/Abruf-Lösung für Videokonferenzen und MCU-Konferenzen. Weiterhin unterstützt es Benutzer- und Rechtemanagement, bietet verschiedene Ausgabeformate und unterstützt mobile Endgeräte. Außerdem werden Schnittstellen zu einer Reihe von Media-Servern, z.B. für zusätzliches Streaming, bereitgestellt.

Lieferumfang

Das System ist für den Einbau in ein 19"-Server-Rack mit 2 Höheneinheiten vorgesehen und wird mit allen notwendigen Kabeln ausgeliefert.

Bandbreiten

Das System erlaubt Rufe nach H.323 und SIP mit Bandbreiten bis 4096 kbps für jede einzelne Aufzeichnung.

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Installation

Der Einbau in ein Server-Rack wurde nicht getestet. Es empfiehlt sich aber die Polycom RSS in ein entsprechendes Server-Rack einzubauen, da sie sehr laut und lüftungsintensiv arbeitet. Die Polycom RSS 4000 läuft auf einem Linux-Server, wobei zwei Netzteile installiert und zwei LAN-Anschlüsse vorgesehen sind. Im Auslieferungszustand sind die LAN-Anschlüsse auf folgende feste IP-Adressen konfiguriert:

IP-Adressen: 192.168.1.254 bzw. 192.168.1.253
Subnetzmaske: 255.255.255.0
Gateway: 192.168.1.1

Die Änderung dieser Einstellungen, um die RSS 4000 im eigenen Netzwerk verwenden zu können, kann auf zwei Wegen erfolgen.
In der ersten Variante wird ein Computer mithilfe eines Netzwerkkabels am LAN1-Anschluss der RSS 4000 verbunden und so konfiguriert, dass er sich im selben Netzwerk wie die RSS 4000 befindet. Anschließend kann nur mit dem Internet Explorer - andere Browser werden nicht richtig unterstützt - auf die Weboberfläche der RSS 4000 unter der IP-Adresse 192.168.1.254 zugegriffen und in dieser das Admin-Portal unter "RSS verwalten" aufgerufen werden. Standard-Login und Passwort sind "admin". Alle Einstellungen zu IP-Adresse, Subnetzmaske, Gateway, DNS-Server, Hostname, Domäne können hier vorgenommen werden, DHCP ist ebenfalls möglich. Ein Neustart der RSS 4000 ist erforderlich, danach kann die RSS 4000 im gewünschten Netz unter der eingestellten IP-Adresse genutzt werden.
Die zweite Variante verwendet ebenfalls einen Computer, dieser wird aber mit einem RS-232-Steuerkabel am entsprechenden Anschluss der RSS 4000 angeschlossen. Mit einer Konsole oder Telnet mit der Geschwindigkeit 115200, 8 bits kann eine Verbindung zur RSS 4000 hergestellt werden. Standardpasswort ist hier "POLYCOM", der Befehl zum Ändern der IP-Adresse lautet

set lan1 ip {dhcp | static <ip> netmask <mask> gw <gateway> }

wobei Angaben in "<>" mit enstprechenden Werten zu ersetzen sind. Auch in dieser Variante ist ein Neustart der RSS 4000 erforderlich.

Der zweite LAN-Anschluss wird erst nach eingestellter Netzwerktrennung aktiviert, danach läuft die Signalisierung/Verbindung mit anderen Videokonferenzgeräten nur unter der IP-Adresse des LAN1-Anschlusses ab, das Management und der Zugriff auf die Weboberfläche nur unter der IP-Adresse des LAN2-Anschlusses.

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Test

Bedienung

Es gibt 3 Portale zur Bedienung der RSS 4000. Das erste Portal ist das Viewer-Portal, welches direkt unter der IP-Adresse der RSS 4000 (bei Netzwerktrennung die IP-Adresse des LAN2-Anschlusses) mit dem Internet Explorer zu erreichen ist. Wie der Name schon vermuten lässt, können in diesem Viewer-Portal Gäste und registrierte Nutzer je nach Berechtigung Aufzeichnungen und Live-Streams ansehen und Aufnahme-Reservierungen vornehmen. Eine Beschreibung der Reservierungsfunktion ist im Punkt "Virtual Recording Room" enthalten.

Ein weiteres Portal erscheint an den Videokonferenzgeräten, welche gerade mit der RSS 4000 verbunden sind. In diesem Portal wird die Steuerung über DTMF (Tonwahl) oder FECC (Fernsteuerung der entfernten Kamera) vorgenommen. Aus diesem Portal heraus kann eine Aufzeichnung gesteuert, d.h. begonnen, angehalten, fortgesetzt, mit einem PIN-Code versehen, beendet bzw. abgebrochen werden. Des Weiteren können Aufzeichnungen, welche mit dem gleichen VRR (siehe Punkt "Virtual Recording Room") der aktuellen Verbindung des Videokonferenzgerätes zur RSS 4000 aufgenommen wurden, auf dem Videokonferenzgerät wiedergegeben werden. Auch die Wiedergabe allgemein freigegebener Aufzeichnungen ist möglich.

Das dritte Portal ist das bereits im Punkt "Installation" erwähnte Admin-Portal. Auch dieses ist nur mit dem Internet Explorer bedienbar. Im Viewer-Portal gibt es einen Menüpunkt "RSS verwalten", welcher zum Admin-Portal führt. Die zweite Möglichkeit ist die direkte Eingabe der IP-Adresse der RSS 4000 gefolgt von "/rss". In diesem Portal können Aufzeichnungen und Live-Streams angesehen, verwaltet und gestartet, Einstellungen zu Benutzern, VRR, externen Servern und allgemein zur RSS 4000 vorgenommen werden. Der Menüaufbau ist für die vorhandene Menge an Konfigurationsmöglichkeiten dabei sehr übersichtlich gestaltet.

Konfigurationseinstellungen allgemein

Die 3 Portale der RSS 4000 können auf verschiedene Sprachen umgeschaltet werden. Die Systemzeit wird entweder von der Konsole oder über einen angebbaren NTP-Server bezogen. Eine sehr nützliche weitere Option ist der Download bzw. Upload der gesamten Konfiguration in einer Datei, z.B. für Backupzwecke. Es können grundlegende Einstellungen zu NAT, Netzwerktrennung (siehe Punkt "Installation"), LAN-Geschwindigkeiten und MTU vorgenommen werden, aber auch die Konfiguration von IPv6, des ICMP-Echos, von QoS und von Routing zu speziellen Zielen ist möglich. Außerdem sind natürlich Einstellungen zu H.323 und SIP vorgesehen: Zusätzlich zu einem Standard-Gatekeeper kann noch ein alternativer Gatekeeper angegeben werden. SIP ist extra aktivierbar und eine optionale Registrierung an einem SIP-Server ist möglich. Portbereiche können für H.323 und SIP festgelegt werden.

Für Aufzeichnungen kann eingestellt werden, ob Aufzeichnungen trotz fehlender Live-Streaming-Ressource fortgesetzt werden sollen und ob 1080p-Aufzeichnungen mit Live-Streaming möglich sein sollen. Außerdem kann der doch etwas störende Aufzeichnungston, welcher auf den beteiligten Videokonferenzgeräten abgespielt wird, abgeschaltet werden. Für die Verschlüsselung gibt es die Auswahl zwischen "Erzwingen für alle Anrufe", "Erzwingen für alle Videoanrufe", "Wenn verfügbar" und "Aus", dabei werden auch 256-Bit-AES-Schlüssel unterstützt. Die RSS 4000 hat vordefinierte Schnittstellen zu den Medienservern Wowza Media Server, IIS-7 Media Server, QuickTime Streaming Server und Windows Media Server. Es ist jeweils die Adresse und der Port des Servers anzugeben, ob Live-Streaming und Video-on-Demand verfügbar sein soll und bei Live-Streaming die entsprechenden Veröffentlichungspunkte mit Benutzername und Kennwort. Eine weitere Schnittstelle besteht zu FTP-Servern, welche ebenfalls unter der Angabe von Adresse, Port, Benutzername, Kennwort und Standard-Pfad auf dem FTP-Server eingerichtet werden können. SSL-Verbindungen sind dabei möglich.

Weitere Konfigurationsmöglichkeiten der RSS 4000 umfassen z.B. die Möglichkeit Active-Directory- und Exchange-Server, z.B. für die Kalenderintegration, anzubinden. Außerdem können Zertifikate für die verschlüsselte Verbindung zum Admin- und zum Viewer-Portal installiert werden. Zur Überwachung können Server-Protokolle heruntergeladen werden, dabei ist die Protokollebene (Debug, Info, Fehler) festlegbar. Warnungen über zu wenig Speicherplatz für Medien bzw. Protokolle können per Mail abgesetzt werden. Die Häufigkeit der Erinnerung ist in Tagen, die Speichergrenze in GB anzugeben. Außerdem ist die RSS 4000 für die Überwachung und Fernsteuerung SNMP-fähig. Zu guter Letzt kann die RSS 4000 durch eigene Logos, Hintergrundgrafiken und IVR-Audionachrichten personalisiert werden.

Benutzer, Gruppen und Rollen

Die Authentifizierungsmethode für Benutzer und Gruppen der RSS 4000 kann lokal oder per Active-Directory erfolgen. Für Kennwörter, Sitzungen, Benutzerkonten und vergebene PIN sind weitreichende anpassbare Sicherheitsrichtlinien vorhanden. Folgende Rollen sind für Benutzer der RSS 4000 möglich:

Gruppen bestehen aus einer Anzahl von registrierten Benutzern, Prüfern und Administratoren, wobei auch die leere Gruppe möglich ist und eine Standardgruppe mit allen an der RSS 4000 registrierten Benutzern, Prüfern und Administratoren existiert. Alle Einzelberechtigungen welche für Benutzer vergeben werden können, können auch für Gruppen vergeben werden. Sollte ein Mitglied einer Gruppe eine erweiterte Berechtigung aufgrund seiner Benutzereinstellungen besitzen (z.B. Administrator) so wird diese Berechtigung durch die Gruppeneinstellungen nicht eingeschränkt. Ein Benutzer kann Mitglied in mehreren Gruppen sein, die Berechtigungen werden dann ebenfalls vereinigt.

Virtual Recording Room

Aufzeichnungseinstellungen werden als sogenannte Virtual Recording Rooms (VRR) auf der RSS 4000 gespeichert, wobei jedem VRR eine Ziffernfolge - die VRR-Nummer - zugeordnet ist. Diese VRR-Nummer dient zur Identifikation des VRR und wird auch beim Verbindungsaufbau der RSS 4000 mit Videokonferenzgeräten zur Bestimmung des zu verwendenden VRR benutzt (siehe Punkt "Verbindungsaufbau").

Jeder VRR basiert auf Vorlagen, die für mehrere VRR wiederverwendet werden können. In diesen Vorlagen werden die eigentlichen Aufzeichnungseinstellungen festgelegt. Dies betrifft das Streamingformat (WMV oder MP4 - H.264), die Auswahl ob Live-Streaming stattfinden soll, die maximale Bitrate (128 - 4096 kbps, Standard: 768 kbps) und die Videoqualität (Fokus auf Schärfe oder Bewegung). Außerdem können bis zu zwei Bitraten für Transkodierungen im gewählten Streamingformat angegeben werden, wobei die primäre Bitrate zwischen 128 und 4096 kbps bei standardmäßigen 768 kbps und die sekundäre Bitrate bis maximal 1024 kbps (Standard: keine zweite Transkodierung) einstellbar ist. Das Layout bei vorhandenem Präsentationskanal ist zwischen "Nebeneinander" (in 3 Größenabstufungen), "Zwei Fenster", "Kein Präsentationskanal" und "Wechselnd" wählbar. Eine weitere Transkodierung in das nicht gewählte Streamingformat ist ebenfalls möglich, dabei ist die Bitrate im Bereich von 128 - 4096 kbps und das Layout bei vorhandenem Präsentationskanal unabhängig von den anderen Einstellungen festlegbar. Weitere Optionen sind die Erstellung einer MP3-Datei, Lost Packet Recovery, Benutzung von H.264 High Profile, Beschränkung der Auflösung auf CIF/SIF, Integration mit Polycom RealPresence Media Editor und die Angabe eines zusätzlichen Backup-Speicherorts als Kopie.

Außer der VRR-Nummer und der benutzten Vorlage besitzt ein VRR noch einige weitere Einstellungen. Jeder VRR hat einen einzelnen Benutzer als Besitzer, darüber hinaus können aber auch Berechtigungen für weitere Benutzer und Gruppen für die Anzeige und Bearbeitung von Aufzeichnungen des VRR vergeben werden. Außerdem ist die Änderung der Zugriffsberechtigungen auch für jede einzelne Aufzeichnung noch im Nachhinein möglich. Es kann ein PIN-Code-Schutz für die Wiedergabe der Aufzeichnungen des VRR gesetzt werden, dieser kann ebenfalls aufzeichnungsweise angepasst werden. Metadaten wie Schlüsselwörter und Beschreibungen sind vorgesehen, ein automatischer sofortiger Aufzeichnungsstart nach Verbindung ohne zusätzliche Auswahl im Admin-Portal bzw. Portal am Videokonferenzgerät ist möglich. Die Vergabe der Dateinnamen der Aufzeichnungen kann durch benutzerdefinierte Namenspräfixe festgelegt werden: Präfix gefolgt von "_", dem Datum in der Form "MMTTJJJJ", "_" und der Uhrzeit, z.B. "vcc_06062013_150245924" mit Präfix "vcc".

Für einen VRR kann ein eingerichteter FTP-Server (siehe Punkt "Konfigurationseinstellungen allgemein") zugeschaltet werden. Dann werden nach Abschluss der Aufzeichnung bzw. Transkodierung die Daten an die entsprechende Stelle auf dem FTP-Server kopiert. Die Originale bleiben aber auf dem internen Speicher der RSS 4000 vorhanden. Neben FTP-Servern sind auch eingerichtete Livestreaming-Server und Video-on-Demand-Server hinzufügbar.

Als Varianten sind VRR auch mit Reservierung bzw. Mehrpunkt-VRR möglich. Bei VRR mit Reservierung wird der Live-Stream-Link schon vorher fest reserviert, aber keine Resourcen gebunden. Die genaue Aufnahmereservierung erfolgt im Viewer-Portal durch für den VRR zugelassene Benutzer. Unterschieden wird zwischen einmaliger Veranstaltung und permanenter Reservierung. Bei der einmaligen Veranstaltung wird eine Startzeit und eine Leerlauf-TTL in Minuten festgelegt, wobei ab der festgelegten Startzeit der VRR wieder gelöscht wird, wenn er für diese Leerlauf-TTL unbenutzt verbleibt. Bei der permanenten Reservierung bleibt der VRR immer bestehen.
Bei Mehrpunkt-VRR sind 2 Videokonferenzgeräte gleichzeitig in einem VRR aufzeichenbar, dabei sehen die Videokonferenzgeräte nur die entsprechende Gegenseite bzw. sich selbst wenn nur ein Gerät mit der RSS 4000 verbunden ist. Das Layout kann zwischen "Nebeneinander" und "Voice switched" gewählt werden. Ein evtl. benutzter Präsentationskanal wird in der Aufzeichnung vom Layout so behandelt, wie es im VRR eingestellt ist.

Verbindungsaufbau zwischen der RSS 4000 und Videokonferenzgeräten

Verbindungen von und zur RSS 4000 per SIP funktionierten ohne Probleme auch ohne Anmeldung an einem SIP-Server. Beim Dial-Out von der RSS 4000 erfolgt die VRR-Auswahl im Admin-Portal, die angegebene IP wird gerufen. Der Dial-In zur RSS 4000 kann per IP erfolgen (Standard-VRR wird benutzt) oder mit der Syntax "VRR-Nummer@RSS-IP", um den zu verwendenden VRR auszuwählen.

Bei Verbindungen per H.323 unterstützt die RSS 4000 bis zu zwei Gatekeeper, wobei die Registrierung nur am ersten funktionsfähigen Gatekeeper erfolgt. Die Zusammenarbeit mit dem Public Gatekeeper des DFN und dem GnuGK am VCC war einwandfrei.

Für den Dial-In zur RSS 4000 gibt es per H.323 zwei Varianten, das URI-Dialing und die bekannte Wahl der E.164-Nummer (Wahl der IP-Adresse geht natürlich auch). Beim URI-Dialing sind je nach verwendetem Videokonferenzgerät die Syntaxen meist "VRR-Nummer@RSS-IP" oder "RSS-IP##VRR-Nummer", wobei es evtl. nur ohne Gatekeeper-Registrierung des verwendeten Videokonferenzgeräts funktioniert. Dadurch wird im Normalfall der richtige VRR für die Verbindung ausgewählt. Im Test wurde nur in Verbindung mit der Cisco EX90 nur der Standard-VRR ausgewählt.
Die RSS 4000 registriert sich mit einer E.164-Nummer und einer H.323-ID am Gatekeeper. Wird dies angewählt, so verwendet die RSS 4000 den Standard-VRR. Um einen anderen VRR auch per E.164-Nummer bequem mit der Syntax "E.164-Nummer der RSS 4000 gefolgt von der VRR-Nummer" wählen zu können, muss die RSS 4000 am Gatekeeper als Gateway eingerichtet werden. Die enstprechenden Zeilen für den GnuGK lauten z.B.:

[RasSrv::GWPrefixes]
<H.323-ID der RSS 4000>=<E.164-Nummer der RSS 4000>

Damit fasst der GnuGK die E.164-Nummer der RSS 4000 als Präfix auf und leitet alle E.164-Nummern mit diesem Präfix an die RSS 4000 weiter, welche er durch die H.323-ID erkennt. Diese Gateway-Lösung funktioniert einwandfrei, im Test wurde immer der richtige VRR ausgewählt.

Der Dial-Out per H.323 von der RSS 4000 erfolgt immer im Admin-Portal mit Auswahlmöglichkeit des zu verwendenden VRR und ob der Ruf per IP oder E.164-Nummer erfolgen soll. In dieser Rufvariante gab es keine Probleme.

Live-Streaming und On Demand-Playback / Transkodierungen

Die RSS 4000 unterstützt Live-Streaming mit Windows Media und H.264 (MP4). Positiv aufgefallen ist die Möglichkeit folgende weitere Media-Server durch in der RSS 4000 vorgesehene Schnitstellen anzubinden: Wowza Media Server, IIS-7 Media Server, QuickTime Streaming Server und Windows Media Server. Beim Live-Streaming traten unproblematische Versatzzeiten von ca. 15 - 30 Sekunden auf. Aufzeichnungen und Live-Streams konnten auch mit mobilen Endgeräten unter iOs und Android erreicht werden, dafür müssen aber Pop-Ups erlaubt werden.
Leider wurde bei Aufzeichnungsende der Live-Stream in der Mehrzahl der Fälle sehr zeitnah beendet, so dass einige Sekunden der eigentlichen Aufzeichnung im Live-Stream nicht mehr zu sehen waren. Die Anzeige des Präsentationskanals in einem zweitem Fenster war nur bei fertigen Transkodierungen, aber nicht beim Live-Streaming möglich. Die Wiedergabe an einem Endgerät während der Verbindung mit der RSS 4000 funktionierte nur bei fertigen Aufzeichnungen, Live-Streams konnten nicht angezeigt werden.

Als Formate für die Transkodierungen stehen Windows Media (WMV/VC1), MP4 (H.264), MP3 und ZIP (WMV/VC1) zur Verfügung. Eine Retranskodierung eines einzelnen Formats ist möglich, weiterhin können Transkodierungen gelöscht und deren Anzeigename geändert werden. Die Transkodierungszeit beträgt etwa 125% der Aufzeichnungszeit. Im Test wurden bis zu 720p mit 60 fps und 1080p mit 50 fps für Aufzeichnungen erreicht. Die Einschätzungen zur Qualität des Live-Streams und der Aufzeichnungen/Transkodierungen sind im anschließenden Punkt "Audio/Video - Lasttest" mit enthalten.

Zur schnelleren Wiedergabe einer Aufzeichnung an Videokonferenzgeräten wird für jede Aufzeichnung ein Quick-Code generiert, der genauso wie eine VRR-Nummer im Verbindungsaufbau verwendet werden kann. Nach der Verbindung wird die entsprechende Aufzeichnung sofort wiedergegeben.

Audio/Video - Lasttest

Die Qualität von Video und Audio war im gesamten Test gut bis sehr gut. Größere Qualitätsprobleme gab es nur im Präsentationskanal (siehe Punkt "H.239 / BFCP"). Einzelne Artefakte waren teilweise vorhanden, meist in Verbindung mit der Nutzung des zusätzlichen Präsentationskanals oder mit hoher Übertragungsrate (z.B. bei 1080p und 50 fps bei der RadVision (Avaya) Scopia XT5000). Bei den Einschätzungen zur Qualität unterscheiden sich Live-Stream und Aufzeichnungen nicht erheblich. Auch die Art des Verbindungsaufbaus hatte keinen Einfluss auf die Qualität.

Im Lasttest waren bis zu 5 Aufzeichnungen in guter bis sehr guter Qualität parallel möglich, davon konnte aber nur ein gleichzeitiger Live-Stream in hoher Auflösung und Bildrate übertragen werden. Polycom gibt in einer entsprechenden Tabelle des User Guide der RSS 4000 an, wieviele Live-Streaming-Ports bei entsprechender Auflösung, Bildrate und Präsentationskanalbenutzung verbraucht werden. Die 4 vorhandenen Live-Streaming-Ports reichten nicht für zwei Live-Streams in der benutzten Qualität, es konnte nur noch ein Live-Stream von der Polycom Video App auf dem iPad parallel dazu erreicht werden.

H.239 / BFCP

Grundsätzlich unterstützt die RSS 4000 die Protokolle H.239 und BFCP zur Nutzung eines weiteren Präsentationskanals bei H.323 bzw. SIP. Dies funktionierte in den Verbindungen mit der Polycom HDX 8004 und LifeSize Softphone im Rahmen der Verbindungsqualität (Auflösung jeweils 1024x768 mit 7fps bzw. 1280x1024 mit 4fps). Bei Verbindungen zu anderen Geräten gab es größere Probleme mit der Aufzeichnung des Präsentationskanals: Bei manchen Videokonferenzgeräten wurde der gesendete Präsentationskanal nicht aufgezeichnet bzw. nicht im Live-Stream angezeigt (z.B. Cisco EX90, Polycom RealPresence Group 500), bei anderen wiederum wurden ab einem gewissen Bewegtanteil - z.B. bei HD-Videos - nur noch einzelne Standbilder im großen zeitlichen Abstand aufgezeichnet / angezeigt (z.B. Cisco C40). Bei der RadVision (Avaya) Scopia XT5000 war es in Verbindung mit der RSS 4000 gar nicht möglich überhaupt einen zweiten Präsentationskanal zu öffnen.

Dienst DFNVideoConference

Der Verbindungsaufbau der MCU im Dienst DFNVideoConference mit der RSS 4000 verlief größtenteils ohne Probleme. Im Test wurde eine Auflösung von 4CIF und Siren 14 in der Verbindung ausgehandelt.

Beim Dial-In der MCU zur RSS 4000 funktionierte das URI-Dialing mit der Syntax "VRR-Nummer@RSS-IP", wobei aber nur der Standard-VRR ausgewählt wurde. Ohne Probleme verlief der Dial-In per E.164-Nummer mit der Syntax "E.164-Nummer der RSS 4000 gefolgt von der VRR-Nummer", es wurde immer der richtige VRR ausgewählt. Auch der Dial-In per SIP mit der Syntax "VRR-Nummer@RSS-IP" funktionierte einwandfrei.

Der Dial-Out von der RSS 4000 zur MCU per E.164-Nummer war immer erfolgreich. Die Einwahl per SIP auf der MCU mit der Syntax "Konferenz-ID@mcu.vc.dfn.de" funktionierte zwar, jedoch fällt die RSS 4000 nach kurzer Verbindung mit bloßem Audio aus der MCU-Konferenz wieder heraus, ohne das eine Aufzeichnung begonnen wurde. Dabei war es unerheblich, ob die RSS 4000 an einem SIP-Registrar angemeldet war oder nicht.

Außerdem traten die selben Probleme mit dem Präsentationskanal wie im Punkt "H.239 / BFCP" beschrieben auf, d.h. der von der MCU gesendete Präsentationskanal wird nicht aufgezeichnet bzw. nicht im Live-Stream angezeigt.

Anbindung von externem Speicher

Die RSS 4000 besitzt eine interne Speicherkapazität von zweimal 1 TB. Ein direkter Zugriff auf die Dateien der RSS 4000 bzw. der Aufzeichnungen ist nicht möglich. Allerdings kann für Sicherungszwecke ein FTP-Server eingerichtet werden, auf dem ein Image der RSS 4000 inklusive Datenbank bzw. die Mediendateien oder beides komplett gesichert werden können. Die Verbindung zum FTP-Server mit SSL ist möglich. Für beide Sicherungstypen (Image, Medien) kann eine automatische Sicherung mit Häufigkeitsangabe in Tagen und auszuführender Uhrzeit durchgeführt werden. Die Mediendateien können nach erfolgreicher Sicherung von der RSS 4000 automatisch gelöscht werden. Weitere Anbindungsmöglichkeiten von externem Speicher bestehen nicht.

Sonstiges

Die RSS 4000 unterstützt sichere Signalisierung (Secured Signaling, TLS-1024).

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Fazit

Die RSS 4000 unterstützt die gängigen Protokolle H.323 und SIP und zeigt bei der Audio- und Videoqualität nur kleine Schwächen. Im Präsentationskanal hingegen gibt es deutliche Probleme, welche die Benutzung von H.239 bzw. BFCP auf ausgewählte Videokonferenzgeräte einschränken. Insbesondere ist in diesem Punkt die Zusammenarbeit mit der MCU im Dienst DFNVideoConference nicht gegeben. Weitere Probleme gab es vereinzelt im Verbindungsaufbau und beim Beenden des Live-Streams. Positiv aufgefallen sind das durchdachte Benutzermanagement und die zahlreichen Konfigurationsmöglichkeiten der RSS 4000.

Dokumentation

Wir danken Frau U. Lätzsch von der Firma Polycom GmbH für die Teststellung.

Hersteller: Polycom GmbH
Ansprechpartner: Frau U. Lätzsch

Unterstützte allg. Standards H.323, SIP, H.239, BFCP
Audiokodierungen Siren 14, Siren 22, G.711, G.722, G.722.1C, G.728
Videokomprimierung H.263+, H.264, H.264 HP, H.264 HiP
Auflösung bis 1080p mit 50 fps
Bandbreite bis 4096 kbps pro Aufzeichnung
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