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Testbericht LifeSize UVC Video Center

PDF-Version (druckoptimiert)


Allgemein

Zeitraum

März / April 2013

SW-Version

Der Test wurde mit der Softwareversion LS_VC_2.1.3(20), Enterprise Edition durchgeführt. Installierte Optionen waren "5 HD Recording Ports", "250 Streaming Ports" und "350 On Demand-Playback Ports". Die Software ist Teil der LifeSize UVC Platform, welche in der Version LS_UVC_1.1.2(20) vorlag.

Geräteklasse

Dieses Gerät ist eine Aufzeichnungs-, Streaming- und Wiedergabe-/Abruf-Lösung für Videokonferenzen und MCU-Konferenzen. Weiterhin unterstützt es Benutzer- und Rechtemanagement und bietet verschiedene Ausgabeformate, z.B. auch für mobile Endgeräte. Schnittstellen zu Media-Servern, z.B. für zusätzliches Streaming, sind nicht vorhanden, sollen in zukünftigen Versionen aber verfügbar sein.

Lieferumfang

Das System ist für den Einbau in ein Server-Rack vorgesehen. Im Test wurde eine seitens LifeSize bereitgestellte und vorinstallierte VM-Ware-Version benutzt.

Bandbreiten

Das System erlaubt Rufe nach SIP mit Bandbreiten bis 2000 kbps für jede einzelne Aufzeichnung.

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Installation

Die getestete VM-Ware-Version war von LifeSize bereits vorinstalliert, so dass eine Beurteilung der Komplexität der Installation nicht möglich ist.

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Test

Bedienung

Das LifeSize UVC Video Center (kurz: Video Center) wird über eine Weboberfläche gesteuert. In dieser Weboberfläche können je nach Berechtigung des Benutzers Aufzeichnungen angesehen, verwaltet und gestartet, Einstellungen zum Video Center vorgenommen und allgemeine Einstellungen der gesamten LifeSize UVC Platform getätigt werden. Der Menüaufbau ist gut gestaltet, allerdings wird durch die Fülle der Einstellmöglichkeiten, Seiten und Querverbindungen die Übersicht am Anfang etwas erschwert.

Konfigurationseinstellungen allgemein

Die Weboberfläche des Video Centers kann auf verschiedene Sprachen umgeschaltet werden. Außerdem können automatisiert E-Mails bei Benachrichtigungen - z.B. wenn eine Aufzeichnung fertig ist - versendet werden. Dies benötigt eine Absenderadresse und den Zugang zum entsprechenden SMTP-Server. Eine sehr nützliche weitere Option ist der Download bzw. Upload der gesamten Konfiguration in einer Datei, z.B. für Backupzwecke.

Die Einstellungen zum Netzwerk umfassen u. a. Gesamtbandbreitenlimits - jeweils für Aufzeichnung, Transkodierung und Anzeige von Aufzeichnungen separat. Außerdem unterstützt das Video Center bei Bedarf Multicast, Proxy-Server, SSL und sicheres Streaming, wobei beim letzteren ein Zertifikat benötigt wird und durch den Einsatz von sicherem Streaming die Streaming-Kapazität reduziert wird.

Eine Besonderheit des Video Centers ist die Möglichkeit von sogenannten Federation-Abonnements. Dadurch können Inhalte anderer Video Center abonniert werden und diese stehen dann auch auf dem eigenen Video Center zur Verfügung. Eine entsprechende Freischaltung auf den beteiligten Video Centern und die Verwendung eines dafür speziell anzulegenden Benutzerlogins ist notwendig, damit sich das eigene Video Center bei den anderen Video Centern einloggen kann. Es werden alle diejenigen Inhalte auch auf dem eigenen Video Center zur Verfügung gestellt, welche auf den per Federation verbundenen Video Centern veröffentlicht wurden.

Für die Aufzeichnungen können diverse Standardeinstellungen vorgegeben werden, die aber für jeden Benutzer und jede Gruppe individuell angepasst werden können. So kann die Länge der Aufzeichnungsschlüssel (Ziffernfolge, die konkrete Aufzeichnungseinstellungen repräsentiert) zwischen 3 und 10 Ziffern gewählt werden und festgelegt werden, ob ein leerer Aufzeichnungsschlüssel zulässig ist. Der maximale nutzbare Festplattenplatz für Benutzer und Gruppen, die maximale Aufzeichnungsdauer, die maximale Aufzeichnungs-Bitrate und die Standard-Aufzeichnungs-Bitrate können ebenfalls bestimmt werden. Weitere global zuschaltbare Optionen sind: Kommentarmöglichkeit zu Aufzeichnungen für registrierte Benutzer, Chatmöglichkeit bei Live-Streaming, Downloadmöglichkeit von Aufzeichnungen, Erstellung von Aufzeichnungsschlüsseln für Inhaltsersteller (siehe "Benutzer, Gruppen und Rollen"), Auswahl von Videoformaten in Aufzeichnungsschlüsseln (war im Test nicht möglich), Untertitelerstellung für Aufzeichnungen und Autostart der Wiedergabe bei Aufruf.

Benutzer, Gruppen und Rollen

Die Authentifizierungsmethode für Benutzer des Video Centers kann lokal oder per LDAP erfolgen. Gruppen können auch per LDAP eingebunden werden. Folgende Rollen sind für Benutzer des Video Centers möglich:

Gruppen ermöglichen es, mehrere Benutzer gleichzeitig zu verwalten. Eine Differenzierung der Rollen für Gruppen ist wie bei den Benutzern möglich. Sollte ein Mitglied einer Gruppe eine erweiterte Berechtigung aufgrund seiner Benutzereinstellungen besitzen (z.B. Server-Administrator) so wird diese Berechtigung durch die Gruppeneinstellungen nicht eingeschränkt. Ein Benutzer kann Mitglied in mehreren Gruppen sein, die Berechtigungen werden dann ebenfalls vereinigt.

Aufzeichnungsschlüssel

Aufzeichnungseinstellungen werden als sogenannte Aufzeichnungsschlüssel im Video Center gespeichert, d.h. einer 3-10-stelligen Ziffernfolge (Aufzeichnungsschlüssel) werden konkrete Aufzeichnungseinstellungen zugeordnet. Jeder Aufzeichnungsschlüssel kann bei Standardeinstellungen nur von einem Administrator angelegt werden, bei entsprechender Einstellung des Video Centers dürfen auch Inhaltsersteller Aufzeichnungsschlüssel erstellen. Es können Meta-Daten wie Beschreibung und Tags angegeben werden und es wird in jedem Aufzeichnungsschlüssel festgelegt, welche Benutzer und Gruppen Zugriff auf diesen haben sollen. Außerdem wird jeder Aufzeichnungsschlüssel einem Kanal zugeordnet, in welchem die Aufzeichnungen dann abgelegt werden. Jeder Kanal kann somit mehrere Aufzeichnungen enthalten und besitzt zusätzlich eine eigene Zugriffssteuerung für Benutzer und Gruppen.

Weitere Einstellungen in Aufzeichnungsschlüsseln betreffen die Aufzeichnungsarten. So kann gewählt werden, ob Live-Streaming verwendet werden soll, ob überhaupt aufgezeichnet werden soll, ob die entsprechende Aufzeichnung zum Download verfügbar stehen soll und kommentiert werden kann und ob während des Live-Streaming ein Chat möglich sein soll. Die Funktionen zum Download, Kommentar und Chat können im gesamten Video Center deaktiviert werden und sind dann nicht verfügbar. Es können bis zu zwei verschiedene Aufzeichnungs-Bitraten angegeben werden, wobei die erste die eigentliche Aufzeichnungs-Bitrate darstellt. Die Weitere wird für eine transkodierte Version mit geringerer Auflösung und Bitrate verwendet. Ebenso sind zwei weitere Live-Streams für Mobilgeräte in zwei verschiedenen Auflösungen und Bitraten möglich.

Verbindungsaufbau

Die Anwahl des Video Centers per SIP von einem Endgerät aus, war im Test mit der von LifeSize vorgegebenen Syntax nicht möglich. Dabei spielte es keine Rolle, ob das Endgerät an einem SIP-Registrar angemeldet war und ob der Aufzeichnungsschlüssel in der Syntax mit angegeben wurde.

Die Anwahl eines Endgerätes per SIP vom Video Center aus war grundsätzlich möglich. Der Start und die Steuerung der Aufzeichnung erfolgt über die Weboberfläche des Video Centers. Dabei wurde im Test eine maximale Auflösung von 720p und G.711 als Audio-Codec erreicht. Außerdem wird in dieser Rufrichtung kein BFCP (zweiter Videokanal für Datenpräsentationen) unterstützt. Die Unterstützung von BFCP und besseren Audio-Codecs in dieser Rufrichtung ist laut LifeSize für die nächsten Versionen des Video Centers in Planung. Im Test war zudem nur eine gleichzeitige Aufzeichnung in dieser Rufrichtung möglich. Weitere Verbindungen zu anderen Endgeräten wurden vom Video Center abgelehnt, obwohl nur ein Recording-Port von den fünf Verfügbaren belegt war.

Eine dritte Möglichkeit des Verbindungsaufbaus besteht mit kompatiblen LifeSize-Produkten. Bei diesen kann unter Administratoreinstellungen, Video, Aufzeichnen und Stream das Video Center direkt angegeben werden. Mit dieser Einstellung kann in einer normalen Verbindung des LifeSize-Produkts zu einem anderen Endgerät die Aufzeichnung am LifeSize-Produkt per Knopfdruck gestartet werden. Dazu wird eine zweite Verbindung vom LifeSize-Produkt per SIP zum Video Center aufgebaut. Im Test wurden maximal 720p mit Audio-Codec AAC-LD erreicht. Außerdem wird in dieser Verbindungsart BFCP mit 5 fps unterstützt und jeweils in einer extra Datei auf dem Video Center gespeichert. Es besteht die Möglichkeit am LifeSize-Produkt einen festen Aufzeichnungsschlüssel anzugeben bzw. diesen bei jeder Benutzung neu einzugeben. Auch eine automatische Aufzeichnung jeder Videokonferenz ist möglich. Des Weiteren können in dieser Verbindungsart am LifeSize-Produkt Layout-Einstellungen festgelegt werden, da in diesem Falle zwei Endgeräte gleichzeitig aufgezeichnet werden. Zur Wahl steht die Aufzeichnung von einer Seite (LifeSize-Produkt oder verbundenes Endgerät) oder von beiden Seiten. Im Test konnten in dieser Verbindungsart mehrere Aufzeichnungen gleichzeitig vom Video Center durchgeführt werden.

Live-Streaming und On Demand-Playback / Transkodierungen

Das Video Center beherrscht von Haus aus nur Live-Streaming mit Flash. Schnittstellen zu anderen Media-Servern, z.B. für zusätzliches Streaming, sind nicht vorgesehen, sind laut LifeSize aber für zukünftige Versionen in Planung. Beim Live-Streaming treten Versatzzeiten von bis zu 100 Sekunden auf. Im Test ist es mehrmals in Verbindung mit der RadVision (Avaya) Scopia XT5000 vorgekommen, dass der Live-Stream nach unbestimmter Zeit nur noch ein schwarzes Bild gezeigt hat. In der zugehörigen Aufzeichnung blieb das Bild an dieser Stelle dann einfach stehen.

Die Aufzeichnungen und Transkodierungen werden als MP4 mit den Codecs H.264 und AAC-LD bei 720p gespeichert. Alle Transkodierungen waren nach Aufzeichnungsende immer sofort bereit und benutzbar. Die Einschätzungen zur Qualität des Live-Streams und der Aufzeichnungen/Transkodierungen sind im anschließenden Punkt "Audio/Video - Lasttest" mit enthalten.

Audio/Video - Lasttest

Bei voller Nutzung von nur einer gleichzeitigen Aufzeichnung, d.h. mit 2 Aufzeichnungs-Bitraten, Live-Stream und Mobilgeräte-Streams, waren im Test deutliche Qualitätsprobleme erkennbar. So stockten die Aufzeichnung bzw. der Live-Stream periodisch alle paar Sekunden, es gab sogar teilweise Standbilder im Video und in der Datenpräsentation, insbesondere bei hohem Bewegtanteil in der Datenpräsentation. Auch das Audio wurde in Mitleidenschaft gezogen und teilweise gestaucht, d.h. viel schneller wiedergegeben als normal, und fehlte damit an anderen Stellen. Bei Verzicht auf weitere Transkodierungen und die zusätzlichen Mobilgeräte-Streams wurden die Probleme im Test deutlich abgemildert, trotzdem blieben Stocken und teilweise Artefaktbildung und Audioaussetzer nicht aus.

Bei den Einschätzungen zur Qualität unterscheiden sich Live-Stream und Aufzeichnungen nicht erheblich. Die Art des Verbindungsaufbaus hatte keinen Einfluss auf die Qualität. Ein Live-Stream bzw. eine Aufzeichnung in der Auflösung 1080p, die laut Datenblatt verfügbar sein soll, konnte im Test nicht erreicht werden. Es wurde maximal 720p als Auflösung umgesetzt.

Ein Lasttest war nicht möglich, da nicht mehr als eine Aufzeichnung vom Video Center aus zu einem Endgerät gleichzeitig startbar war (siehe Punkt "Verbindungsaufbau"). Diese Einschränkung war unabhängig davon, welche Transkodierungen und Mobilgeräte-Streams im Aufzeichnungsschlüssel ausgewählt waren. Weitere Verbindungen zu anderen Endgeräten wurden vom Video Center abgelehnt, obwohl nur ein Recording-Port von den fünf verfügbaren belegt war.

BFCP

Das Video Center unterstützt BFCP (zweiter Videokanal für Datenpräsentationen) nur in Verbindung mit kompatiblen LifeSize-Produkten (siehe Punkt "Verbindungsaufbau"). Dann werden 5 fps im zweiten Videokanal unterstützt und dieser wird jeweils in einer extra Datei auf dem Video Center gespeichert. In den Fällen, wo BFCP nicht unterstützt wird, wird die Datenpräsentation im Videokanal mitgesendet. Die Aufteilung von Video und Datenpräsentation wird dann vom sendenden Endgerät festgelegt. Die komplette Unterstützung von BFCP ist laut LifeSize für die nächsten Versionen des Video Centers in Planung.

Dienst DFNVideoConference

Eine Zusammenarbeit mit der MCU im Dienst DFNVideoConference konnte im Test nicht erreicht werden. Die Anwahl der MCU durch das Video Center mit der Syntax "Konferenz-ID@mcu.vc.dfn.de" funktionierte zwar, jedoch fällt das Video Center sofort aus der MCU-Konferenz wieder heraus. Eine Einladung des Video Centers in eine MCU-Konferenz durch die MCU-Steuerung war ebenfalls nicht erfolgreich, es wurde keine Verbindung aufgebaut.

Anbindung von externem Speicher

Das Video Center besitzt eine interne Speicherkapazität von 1 TB für Aufzeichnungen. Ein direkter Zugriff auf die Dateien des Video Centers bzw. der Aufzeichnungen ist nicht möglich. Eine Anbindung von externem Speicher mittels der Protokolle CIFS und NFS ist möglich. Im Test konnte die Einrichtung nicht durchgeführt werden.

Sonstiges

Es besteht die Möglichkeit über die Weboberfläche des Video Centers auf diverse Logdateien zuzugreifen.

Es können Aufzeichnungen in das Video Center hochgeladen werden. Diese müssen entweder vorher von einem Video Center heruntergeladen worden sein oder im Format MP4 mit den Codecs H.264 und AAC-LD vorliegen.

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Fazit

Das LifeSize UVC Video Center kann im Test durch die deutlichen Probleme bei der Video- und Audioqualität nicht überzeugen. Die Beschränkung auf SIP und die nur teilweise Unterstützung von BFCP schränken den Anwendungsbereich weiter ein. Ein großes Manko sind die aufgetretenen Verbindungsprobleme, insbesondere auch mit der MCU im Dienst DFNVideoConference. Dabei kann das Video Center durchaus mit durchdachtem Benutzermanagement und durch eine Vielzahl von Konfigurationsmöglichkeiten punkten.

Dokumentation

Wir danken Herrn M. Winter von der Firma LifeSize (ein Unternehmensbereich von Logitech) für die Teststellung.

Hersteller: LifeSize (ein Unternehmensbereich von Logitech)
Ansprechpartner: Herr M. Winter

Unterstützte allg. Standards SIP, teilweise BFCP
Audiokodierungen G.711, AAC-LD
Videokomprimierung H.264
Auflösung bis 1080p mit 30 fps (im Test nicht erreicht)
Bandbreite bis 2000 kbps pro Aufzeichnung
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