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Testbericht Polycom RealPresence Group 700

Testbericht Polycom RealPresence Group 700

PDF-Version (druckoptimiert)

AllgemeinPolycom RealPresence Group 700

Zeitraum

April 2014

SW-Version

4.1.3

Geräteklasse

Das Gerät Polycom RealPresence Group 700 ist die leistungsstärkste Ausführung in der RealPresence Group-Reihe von Polycom. Es kann als Settop-System verwendet oder in einem 19"-Rack installiert werden. Durch zahlreich vorhandene Anschlüsse ist es flexibel als Gruppensystem oder für die Hörsaalintegration verwendbar. Im Vergleich zur Polycom RealPresence Group 500 unterscheidet sich die Polycom RealPresence Group 700 im Wesentlichen dadurch, dass eine 2. Kamera und ein 2. Polycom RealPresence Group-Mikrofon-Array angeschlossen werden kann, weitere Video- und Audio-Eingänge vorhanden sind und es einen separaten HDMI-Ausgang für ein Konferenzaufzeichnungsgerät gibt.

Lieferumfang

Die Polycom RealPresence Group 700 wird mit Codec, einer Polycom EagleEye IV-Kamera, einem Polycom RealPresence Group-Mikrofon-Array, einer Fernbedienung und allen notwendigen Kabeln für den Basisbetrieb ausgeliefert. Weitere Optionen wie z.B. die integrierte MultiPoint-Option und die 1080p-Unterstützung müssen separat über optionale Lizenzschlüssel erworben werden.

Protokolle und Bandbreiten

Das System erlaubt Rufe mit H.323 und SIP bis zu einer Bandbreite von 6 Mbps. Es unterstützt außerdem das Telepresence Interoperability Protocol (TIP), welches direkte Verbindungen ohne Gateway zu nicht standardbasierten Telepresence Systemen von Cisco ermöglicht.

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Installation

Die Grundinstallation ist mit Hilfe der beiliegenden Dokumentation einfach umzusetzen, aber auch erweiterte Installationen sind dank der übersichtlich gestalteten Anordnung der rückseitigen Anschlüsse gut durchführbar. Nach wenigen Einstellungen im Installationsassistenten und im Menü ist das Gerät betriebsbereit. Bis auf die Kamera- und Mikrofonanschlüsse sind keine proprietären Steckverbindungen vorhanden. Nicht proprietäre Steckverbindungen als Alternative für diese Eingänge sind aber jeweils vorgesehen.

Rückseite Polycom RealPresence Group 700

Die Polycom RealPresence Group 700 besitzt insgesamt 7 Videoeingänge (2x HDCI, 3x HDMI, 1x YPbPr, 1x VGA), die zu 4 logischen Eingängen zusammengefasst sind. Des Weiteren können bis zu drei Monitore/Beamer oder andere Geräte wie ein Konferenzaufzeichnungsgerät wahlweise per HDMI oder VGA angeschlossen werden. Zusätzlich zu dem im HDMI enthaltenen Audio sind noch zwei RCA-Eingänge (Cinch) und ein RCA-Ausgang vorhanden.

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Test

Bedienung

Wie die Polycom RealPresence Group 500 ist die Polycom RealPresence Group 700 mit der neuen Polycom-Benutzeroberfläche ausgestattet. Diese ist zwar leicht verständlich, aber verlangt manchmal viele Tastendrücke, bis man ans Ziel gelangt. Auch manche Übersetzungen der Benutzeroberfläche ins Deutsche sind nicht vollständig gelungen. Hier wäre das Festhalten an traditionellen Begriffen teilweise nutzerfreundlicher gewesen. Der Wegfall der Taste für den direkten Start bzw. Stopp der Übertragung des Contents auf der Fernbedienung führt zu einem ungewohnten Mehraufwand, weil man sich nun durch mehrere Menüs klicken muss, bis die gewünschte Datenpräsentation gesendet wird.

Als zusätzliche Möglichkeit zur Bedienung der Polycom RealPresence Group 700 bietet Polycom die SmartPairing-Technologie an, bei der Mobilgeräte mit Hilfe der Polycom RealPresence Mobile App verwendet werden können.

Audio

Die Audioeigenschaften der Polycom RealPresence Group 700 konnten im Test vollauf überzeugen. So wurde das Audio fast immer als "sehr gut" eingestuft, es gab nur eine Ausnahme in der Verbindung mit Polycom RealPresence Desktop (Windows-Version) mit der Bewertung "gut". Diese Bewertung resultierte aus leichten Audio-Problemen während der Datenpräsentation.

Für die Übertragung wurden die Codecs G.722, G.722.1, G.722.1C und Siren LPR verwendet.

Video

Die Position der Polycom RealPresence Group 700 als leistungsstärkstes System in der Polycom RealPresence Group-Reihe zeigte sich auch bei der Videoübertragung. In allen Verbindungen wurde die Videoqualität in beiden Richtungen mit "sehr gut" eingestuft. Als Videocodec wurde stets H.264 benutzt. Die verwendeten Auflösungen lagen dabei immer mindestens bei 720p, bei einem Drittel der Tests bei 1080p. Nur in Verbindung mit der Polycom RealPresence Mobile App auf dem iPad bzw. unter Android wurden geringere Auflösungen verwendet (512x288, 480x272, 320x180).

Datenpräsentation

Bei der Übertragung von Datenpräsentationen konnte die Polycom RealPresence Group 700 nicht vollends überzeugen. Zwar wurden im Datenkanal durchweg Auflösungen von mindestens 720p bei fast immer H.264 (sonst H.263) als Videocodec erreicht, aber bei der Übertragung von Folienpräsentationen (statische Inhalte) und von HD-Videos traten störende Effekte auf.

Bei der Übertragung von komplizierter aufgebauten Folien an andere Geräte kam es immer in regelmäßigen Abständen (wenige Sekunden) zu einem Neuaufbau des übertragenen Bildes, verbunden mit anschließendem Nachschärfen. Dies trat in allen getesteten Verbindungen auf, außer in der Verbindung mit der Sony PCS XG80. Diese ständige Unruhe bei eigentlich statischen Inhalten stört die gewünschte Übertragung enorm, so dass nur bei gut der Hälfte der Übertragungen ein "sehr gut" vergeben werden konnte (vornehmlich Empfangsrichtung) und sonst "befriedigend" bis "gut" vergeben wurde (vornehmlich Senderichtung).

Besser verhielt es sich beim Senden und Empfang von SD-Videos. Hier zeigte die Polycom RealPresence Group 700 keine Schwächen. Nur die geringen Frameraten, welche von einigen Gegenstellen gesendet wurden, verhinderten teilweise den praktischen Einsatz beim Empfang von SD-Videos.

Größere Probleme traten bei der Übertragung von HD-Videos auf. Es zeigte sich beim Senden ein ähnlicher Effekt wie bei den Folienpräsentationen, d.h. in regelmäßigen Abständen baute sich das Bild im HD-Video grundlegend neu auf und durch das notwendige Nachschärfen kam es immer zu Blockbildungen. Dadurch war ein praktischer Einsatz nur in einem Drittel der Tests möglich (vornehmlich Empfangsrichtung), in den anderen Fällen trat der angesprochene Fehler beim Senden auf bzw. wurden zu wenige Bilder pro Sekunde von der Gegenstelle übertragen.

Spezifische Probleme gab es bei den Verbindungen mit LifeSize Softphone und Polycom RealPresence Desktop. So wurde auf der Seite von LifeSize Softphone in der Windows- und der Mac-Version der Empfang der Datenpräsentation nicht beendet. Außerdem hatte die Windows-Version kein Eigenbild, das Bild der Polycom Group 700 war nach dem Empfang der Datenpräsentation weg und die Datenpräsentation wurde mit einem großen schwarzen Rahmen angezeigt. In Verbindung mit der Mac-Version von Polycom RealPresence Desktop kam es zu starken Bildfehlern auf der Seite von Polycom RealPresence Desktop, wenn die Polycom RealPresence Group 700 eine Datenpräsentation sendete.

Ausführliche Testergebnisse sind in der Kompatibilitätsmatrix zu finden.

Kamerafernsteuerung

Die Kamerafernsteuerung funktionierte in den Tests stets bei entsprechender technischer Voraussetzung der Gegenstelle.

Dienst DFNVideoConference

Die Zusammenarbeit mit der DFN-MCU funktionierte fehlerfrei. Die Qualität von Audio und Video war sehr gut. Als Videocodec wurde H.264 benutzt, dabei wurde 720p@25 in Senderichtung und 1080p@25 in Empfangsrichtung als Auflösung verwendet. Als Audiocodecs kamen G.722.1C und Polycom Siren 14 zum Einsatz. Bei Übertragung von Datenpräsentationen wurde H.264 mit 720p benutzt.

Gatekeeper

Die Zusammenarbeit mit den Gatekeepern GNU-GK und Cisco MCM funktionierte ohne Einschränkungen.

SIP

Rufe zur DFN-MCU sind per SIP-Dialing mit der Syntax "Konferenz-ID@mcu.vc.dfn.de" möglich. Hierbei kann auch eine Übertragung einer Datenpräsentation im zweiten Kanal mittels BFCP vorgenommen werden. Die bei der Polycom RealPresence Group 500 aufgetretenen Fehler konnten nicht beobachtet werden.

URI-Dialing

Wenn keine Anmeldung an einem Gatekeeper vorliegt, ist URI-Dialing nach H.323 Annex O mit der Syntax "mcu.vc.dfn.de##Konferenz-ID" uneingeschränkt möglich. Falls das Gerät an einem Gatekeeper angemeldet ist, sind Rufe mittels URI-Dialing nicht durchführbar.

Verschlüsselung und Firewall-Traversal

In allen Verbindungen mit Ausnahme der Verbindungen zu der Polycom RealPresence Mobile App auf den mobilen Geräten wurde eine Medienverschlüsselung mit AES-128 bzw. AES-256 nach H.235.6 (H.323) bzw. RFC 3711, 4568, 6188 (SIP) durchgeführt.

Außerdem unterstützt das Gerät Firewall-Traversal nach H.460.18 und H.460.19.

Sonstiges

Mit einem separat zu erwerbenden optionalen Lizenzschlüssel kann die Polycom RealPresence Group 700 eine interne MCU für bis zu 8 Gegenstellen benutzen. Bei Verwendung von 720p (HD) sind maximal 4 Gegenstellen möglich.

Die Polycom RealPresence Group 700 unterstützt die Zusammenarbeit mit Microsoft Lync 2010/2013.

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Fazit

Die Polycom RealPresence Group 700 ist ein leistungsfähiges und flexibel einsetzbares Gerät, welches natürlich immer dann zum Einsatz kommen sollte, wenn die Leistung der Polycom RealPresence Group 500 nicht mehr ausreichend ist. Im Bereich Audio und Video zeigt es keine Schwächen, insbesondere in Verbindungen mit modernen Geräten zeigt das System seine ganze Leistungskraft mit 1080p@30. Einziger Wermutstropfen sind die nur durchschnittlichen Ergebnisse im Bereich Datenpräsentation, welche größtenteils auf den Fehler mit dem ständigen Neuaufbau des Bildes zurückzuführen sind. Dieser Fehler trübt den Gesamteindruck doch stark, insbesondere da es sich bei der Polycom RealPresence Group 700 um das Flaggschiff der Polycom RealPresence Group-Reihe handelt.

Dokumentation

Wir danken Frau U. Lätzsch von der Firma Polycom für die Teststellung.

Hersteller: Polycom
Ansprechpartner: Frau U. Lätzsch

Unterstützte allg. Standards H.323, SIP, H.239, BFCP
Audiokodierungen G.711, G.722, G.722.1, G.722.1C, G.728, G.729A, Polycom Siren 14, Polycom Siren 22
Videokomprimierung H.261, H.263, H.264
Auflösung bis 1080p mit 60 fps in Video und Datenpräsentation, maximale Auflösung: 1920x1200 (im Test nicht erreicht)
Bandbreite bis zu 6 Mbps
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