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Testbericht Sony PCS-XG100

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Allgemein

PCS-XG100 Zeitraum: März 2015

SW-Version: 1.41.000

Geräteklasse

Die Sony PCS-XG100 ist ein Settopsystem, das Videokonferenzen im IP-Umfeld nach den Protokollen H.323 und SIP durchführen kann. Die Unterstützung des Protokolls H.320 (ISDN) ist seit mehreren Jahren für die Software-Version 2.0 angekündigt.

Lieferumfang

Zur Grundausstattung gehören der Codec, die Full-HD PTZ Kamera SRG 120 DH, die Fernbedienung und zwei Tischmikrofone PCS-A1. Mittels kostenpflichtiger Softwareerweiterungen sind Mehrpunktkonferenzen bis sechs bzw. neun Teilnehmer möglich. Die Multipointfähigkeit bis 16 Teilnehmer erfordert die Kaskadierung von zwei Geräten und eine weitere zusätzliche Software.

Das System verfügt standardmäßig über eine Aufzeichnungskomponente, die mit einer Auflösung von 720p arbeitet.

Bandbreiten

Die Sony PCS-XG 100 kann Rufe bis zu einer Bandbreite von 16.000 kbps durchführen. In den praktischen Test wurde diese theoretische Höchstbandbreite aber nie als Verbindungsparameter erreicht.

Sonstiges

Das Design aller Komponenten ist sehr kompakt und gut aufeinander abgestimmt. Die Fernbedienung arbeitet per Funk und ist somit nicht auf eine Sichtverbindung angewiesen.

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Installation

Rückansicht der PCS-XG100Aufbau

Der Aufbau des Gerätes gestaltet sich problemlos. Die gute Beschriftung und klare Gliederung der Anschlüsse erleichtert diese Arbeit sehr. Alle zum Basisbetrieb notwendigen Kabel werden mitgeliefert. Die beigelegte Quickstart-Anleitung wirkt zusätzlich unterstützend auf den Aufbauvorgang. Nach dem Start ist die PCS-XG100 schnell betriebsbereit und der Nutzer kann die notwendigen Einstellungen vornehmen.

Konfiguration

Die Konfiguration des Gerätes erfolgt schnell und problemlos. Das Menü ist halbtransparent und sehr übersichtlich gegliedert, selten genutzte Menüeinträge sind ausgeblendet und lassen sich bei Bedarf aktivieren. Die zum Basisbetrieb notwendigen Eintragungen lassen sich schnell auffinden.

Für fortgeschrittene Nutzer gibt es eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten, die eine längere Einarbeitungszeit für die notwendige Kenntnis der Menüstruktur erfordern.

An das Gerät können wahlweise ein, zwei oder drei Monitore über zweimal HDMI und einmal DVI angeschlossen werden. Je nach Anzahl der Ausgabeeinheiten wird das Bild gegebenenfalls für die eigene Darstellung gesplittet.

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Test

Bedienung

Rückansicht der PCS-XG100

Die Software ist intuitiv gestaltet und nutzerfreundlich. Die von den Vorgängermodellen gewohnte und bewährte Fernbedienung gewährleistet eine komfortable Steuerung des Gerätes. An jeder relevanten Stelle wird ein Hilfetext eingeblendet, der angibt, welche Farbwahltaste an dieser Stelle für welche Funktion zuständig ist. Das geschieht mittels kontextsensitiver Funktionen oder mittels Kurzbefehlen, die in der Menüführung erklärt werden.

Das Hauptmenü der PCS-XG100 ist größtenteils individuell konfigurierbar und ist dadurch auf verschiedene Nutzeransprüche adaptierbar. So kann die Oberfläche beispielsweise in einer Art Kiosk-Modus (man hat nur auf die Kurzwahltasten und das Telefonbuch Zugriff) oder mit Anzeige verschiedener Menüeinträge betrieben werden. Auch während einer Videokonferenz sind die meisten notwendigen Funktionen schnell mit der Fernbedienung aktivierbar.

Alle darüber hinausgehenden Steuermöglichkeiten sind allerdings nur im Handbuch verzeichnet. Beispielsweise ist die Funktion für "Far End Camera Control" auf eine der farbigen Kurzwahltasten gelegt, was auf der Fernbedienung selbst aber nicht dokumentiert ist.

Audio/Video

Obwohl das System moderne Audiocodecs wie AAC-LD beherrscht, wird sehr oft nur der älteste von der ITU standardisierte Basiscodec G.711 ausgehandelt. Dessen sujektives Empfinden der Sprachqualität entspricht etwa einer ISDN-Telefonverbindung. Hier könnte der Hersteller noch den Verbindungungsalgorithmus verbessern, damit die modernen Audiocodecs öfter als bisher zum Einsatz gelangen können.

Die Qualität der Audioverbindungen war je nach verwendetem Codec gut (G.711) bis sehr gut (G.722 oder AAC-LD). Bei G.722 kommt "mode 1" zum Einsatz, was nicht mit G.722.1 verwechselt werden darf.

Im Bereich des Videokanals wurde ausnahmslos H.264 zur Kodierung der Daten verwendet. Mit etwas älteren und Einzelplatzsystemen wurde eine Auflösung von 720p (z.B. LifeSize Team 220, Polycom Real Presence Desktop), mit aktuellen Geräten (z.B. Cisco C40) von 1080p ausgehandelt. Einzig zur Polycom-Software für das iPad wurde die Auflösung w288p (512x288 Pixel) verwendet, die den Quasistandard für Apples iPhone und iPad darstellt. Trotzdem war die Bildqualität in dieser Verbindung nur befriedigend. Die Qualität aller anderen Videoverbindungen war immer sehr gut.

Datenpräsentation

Prinzipiell sind Präsentationsübertragungen als zweiter Kanal der Videokonferenz immer möglich. Allerdings schwankt deren konkrete Qualität in Abhängigkeit von den Inhalten und den Gegenstellen erheblich.

Einzelplatzsysteme

Bei Verbindungen mit Einzelplatzsystemen (z.B. Polycom Real Presence Desktop oder LifeSize Softphone) und dem iPad kommt es sporadisch während der Präsentation auf der empfangenden Seite zu Audioaussetzern. Bei LifeSize Softphone 8.1. für MacOS muss die Auflösung im Videokanal unter 720p abgesenkt werden, damit H.239 überhaupt möglich wird.

Die Übertragung statischer Inhalte ist in diesen Szenarien bei guter bis sehr guter Gesamtqualität für den praktischen Einsatz in beiden Richtungen geeignet.

Durch eine genutzte Bildwiederholrate von 7-8 Frames war auf der Seite der Sony XG 100 kein sinnvoller Empfang dynamischer Inhalte im Datenkanal gegeben. Die Gegenseiten hatten dagegen in allen Varianten einen uneingeschränkt guten bis sehr guten Empfang.

Settopsysteme

Die Datenpräsentation wurde in beiden Richtungen bei den getesteten Geräten der Firmen Cisco, Polycom und LifeSize sowohl bei statischen als auch bei dynamischen Inhalten in guter Qualität durchgeführt und war immer praktisch einsetzbar. Es wurde 1080p@30 für H.239 realisiert.

Kamerafernsteuerung

Die Kamerafernsteuerung war beim Vorhandensein der technischen Voraussetzungen an den Gegenstellen immer in beiden Richtungen möglich.

Dienst DFNVideoConference

Die Zusammenarbeit mit der DFN-MCU gelang problemlos mit qualitativ sehr guten Ergebnissen. Die Verbindung wurde mit 4096 kbps unter Nutzung von AAC-LC und H.264 ausgehandelt. Zur MCU wurde 720p gesendet, während von der MCU 1080p empfangen wurde.

Gatekeeper

Die Zusammenarbeit mit den Gatekeepern GNU-GK 2.8 und Cisco MCM funktionierte problemlos.

SIP

Das System beherrscht kein Registrarless SIP. Damit waren Verbindungen mittels dieser Wählmethode zu anderen Geräten ohne vorherige Anmeldung an einem SIP-Registrar nicht möglich.

URI-Dialing

Anrufe mittels URI-Dialing (H.323 Version 5; vormals Annex O) funktionierten sowohl nach einer Gatekeeper-Anmeldung als auch ohne diese mittels der Syntaxen "mcu.vc.dfn.de#Konferenz-ID" oder "194.95.240.2#Konferenz-ID" uneingeschränkt zur DFN-MCU.

Verschlüsselung und Firewall-Traversal

Die Verschlüsselung wurde mittels AES 128 realisiert und in allen Verbindungen angewandt.

Firewall-Traversal nach H.460.18 und H.460.19 wurde zum Zeitpunkt der Tests vom Gerät nicht unterstützt.

Sonstiges

Standardmäßig wird das System mit der Sony-Kamera SRG-120DH (Erfahrungsbericht) mit 12-fach Zoom ausgeliefert. Alternativ sind auch andere Kameras mit 30-fach Zoom möglich (z.B. SRG-300 HC).

Mittels eines 32 GByte USB-Sticks können Konferenzen inklusive des Datenkanals direkt am Gerät im Format 720p aufgezeichnet werden. Der Stick kann gleichfalls für die Sicherung von persönlichen Konfigurationseinstellungen und zum Einspielen neuer Updates benutzt werden.

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Fazit

Das System Sony PCS-XG100 hinterläßt insgesamt einen guten Eindruck. Im Bereich Datenpräsentation und Videoübertragung werden moderne Standards auf hohem Niveau genutzt. Im Bereich Audioübertragung sollte allerdings der Aushandlungsalgorithmus noch verbessert werden, damit G.711 nur in absoluten Ausnahmefällen zum Einsatz kommt.

Dokumentation

Hersteller: Sony

Unterstützte allg. Standards H.320, H.323, H.239
Audiokodierungen G.711, G.722, G.728, MPEG-4 AAC-LC (Mono/Stereo)
Videokomprimierung H.263, H.263+, H.263++, H.264, H.264 High Profile, MPEG4 Simple Profile
Eingänge 1 HDMI-Eingang (Video & Audio)
2 DVI-I-Eingänge (Video, PC)
6 Audio-Eingänge Klinke (Mikrofon)
2 Audio-Eingänge Chinch, stereo
Ausgänge

2 HDMI-Ausgänge (1. und 2. Monitor / Beamer)
1 DVI-I-Ausgang (3. Monitor / Beamer)
1 Audio-Ausgang Chinch, stereo

Wir danken der Firma MaxxVision für die Teststellung.

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