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Testbericht Sony PCS-XC1

Testbericht Sony PCS-XC1

PDF-Version (druckoptimiert)

AllgemeinSony PCS-XC1

Zeitraum

März 2016

SW-Version

1.20.20

Geräteklasse

Das Gerät Sony PCS-XC1 ist die mobile Ausführung in der PCS-Reihe von Sony. Es ist sehr kompakt ausgelegt und kaum größer als die vergleichbaren Sony SRG-Kameras. Als integrierte Kamera kommt die Sony SRG-120 DH zum Einsatz. Der Betrieb des Geräts ist als Settop-System vorgesehen. Die Anschlüsse sind im Vergleich zur Sony PCS-XG100 auf ein absolut notwendiges Minimum reduziert, so dass z.B. nur ein Monitor an das Gerät angeschlossen werden kann. Für erweiterte Mobilität ist ein WLAN-Modul erhältlich, welches bei der Option PCSA-WXC1 Wireless Software inkludiert ist. Mit diesem WLAN-Modul und der genannten Option können auch über WLAN Videokonferenzverbindungen aufgebaut werden.

Lieferumfang

Die Sony PCS-XC1 wird mit Codec und integrierter Kamera, dem Tischmikrofon Sony PCS-A1, der Funkfernbedienung Sony PCS-RF1 und allen notwendigen Kabeln für den Basisbetrieb ausgeliefert. Im Test waren außerdem das optional erhältliche WLAN-Modul IFU-WLM3 und ein USB-Stick für die Aufzeichnungsmöglichkeit am Gerät im Einsatz. Weiterhin waren die Optionen Präsentation, PCSA-RXC1 HD Upgrade und PCSA-WXC1 Wireless Software installiert. Diese ermöglichen die Übertragung von Datenpräsentationen, Video- und Präsentationsauflösungen bis 1080p bzw. die Nutzung von WLAN für Videokonferenzverbindungen. Die Option Präsentation ist immer vorhanden. Als weitere verfügbare Option kann PCSA-SAG1 bezogen werden, mit der Videokonferenzen mit Mobilgeräten über die Ipela Communication App ermöglicht werden.

Protokolle und Bandbreiten

Das System erlaubt Rufe mit H.323 und SIP bis zu einer Bandbreite von 4 Mbps.

Sonstiges

Die Fernbedienung arbeitet per Funk und ist somit nicht auf eine Sichtverbindung angewiesen.

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Installation

Der Aufbau des Gerätes und der Anschluss an alle Komponenten ist mit Hilfe der beiliegenden Dokumentation sehr einfach umzusetzen. Aber auch ohne Dokumentation ist die Installation dank der Übersichtlichkeit der Anschlüsse schnell vollzogen. Positiv zu bemerken ist, dass keine proprietären Steckverbindungen verbaut wurden. Die für den Betrieb notwendigen Einstellungen umfassen Angaben zum IP-Netz und zum Gatekeeper. Weiterhin sollten die Bandbreiten angepasst und die Verschlüsselung aktiviert werden. Um alle Einstellungen am Gerät vornehmen zu können, müssen die erweiterten Einstellungen zuvor per F4-Taste im Konfigurationsmenü eingeblendet werden.

Rückseite Sony PCS-XC1

Die Sony PCS-XC1 besitzt nur einen HDMI-Ausgang, über den auch zwingend das Audio ausgegeben werden muss. Der zweite HDMI-Anschluss ist ein Eingang, der für eine weitere Videoquelle oder für die Datenpräsentation verwendet werden kann. An diesem HDMI-Eingang wird kein Audio mit eingespeist. Des Weiteren werden HDCP und HDMI CEC an beiden HDMI-Ports nicht unterstützt. Als Mikrofoneingang ist ein Klinkenanschluss (3,5 mm) angebracht. Insgesamt sind 3 USB-Anschlüsse vorhanden, davon einer in der Mini-USB-Ausführung für externe Steuerung und Wartung. Die anderen beiden USB-Anschlüsse auf der Vorder- und Rückseite des Geräts sind für USB-Sticks zur Aufzeichnung oder für das WLAN-Modul vorgesehen. Dabei darf das WLAN-Modul allerdings nicht am USB-Anschluss an der Vorderseite angesteckt werden. Hinter dem RJ45-Port verbirgt sich ein Gigabit-Ethernet-Anschluss. Die weiteren Anschlüsse sind für das Netzteil und ein optional zu verwendendes Kensington-Sicherheitsschloss vorgesehen.

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Test

Start / Stromverbrauch

Die Sony PCS-XC1 benötigt vom Einschalten bis zur Herstellung der Betriebsbereitschaft 55 Sekunden. Aus dem Standby sind es 15 Sekunden. Der typische Stromverbrauch liegt bei ca. 81 kWh im Jahr.

Bedienung

Die Oberfläche der Sony PCS-XC1 ist intuitiv gestaltet und nutzerfreundlich. Die von den Vorgängermodellen gewohnte und bewährte Fernbedienung gewährleistet eine komfortable Steuerung des Gerätes. An jeder relevanten Stelle wird ein Hilfetext eingeblendet, der angibt, welche Farbwahltaste an dieser Stelle für welche Funktion zuständig ist. Das geschieht mittels kontextsensitiver Funktionen oder mittels Kurzbefehlen, die in der Menüführung erklärt werden.

Das Hauptmenü der Sony PCS-XC1 ist größtenteils individuell konfigurierbar und ist dadurch auf verschiedene Nutzeransprüche adaptierbar. So kann die Oberfläche beispielsweise in einer Art Kiosk-Modus (man hat nur auf die Kurzwahltasten und das Telefonbuch Zugriff) oder mit Anzeige verschiedener Menüeinträge betrieben werden. Auch während einer Videokonferenz sind die meisten notwendigen Funktionen schnell mit der Fernbedienung aktivierbar.

Aufgrund des Vorhandenseins nur eines Monitoranschlusses sind die verfügbaren Bildschirm-Layouts für die gleichzeitige Darstellung von Video und Datenpräsentation sehr wichtig und nützlich. Es kann zwischen Vollbild, zwei gleich großen Bildern, Bild-und-Bild (verschiedene Größen der Bilder) und Bild-im-Bild gewählt werden.

Weitere Zugriffsmöglichkeiten zur Sony PCS-XC1 bestehen über ein Webinterface oder per Telnet/SSH.

Audio

Die Audioqualität der Sony PCS-XC1 wurde in ca. 2/3 der Tests als sehr gut eingestuft. Obwohl das System moderne Audiocodecs beherrscht, wird in ca. 1/4 der Tests nur der älteste von der ITU standardisierte Basiscodec G.711 ausgehandelt. Dessen sujektives Empfinden der Sprachqualität entspricht etwa einer ISDN-Telefonverbindung, daher wurde die Audioqualität bei Verwendung des Codecs nur als gut eingeschätzt. Hier könnte der Hersteller noch den Verbindungungsalgorithmus verbessern, damit die modernen Audiocodecs öfter als bisher zum Einsatz gelangen können.

Die Sony PCS-XC1 arbeitet mit Acoustic Echo Cancellation (AEC), Automatic Gain Control (AGC) und automatischer Rauschunterdrückung. Im Test traten trotzdem in der Verbindung mit der Sony PCS-XG80 Echo-Probleme und Aussetzer bei gleichzeitiger Datenpräsentation auf, so dass das Audio in dieser Verbindung nur als gut eingestuft wurde.

Größere Probleme mit Audioaussetzern gab es nur in Empfangsrichtung in der Verbindung mit Polycom RealPresence Desktop (Windows) und der Polycom RealPresence Mobile App auf dem iPad. In diesen Tests wurde die empfangene Audioqualität als okay bewertet.

Für die Übertragung wurden im Test die Codecs G.711, G.722 und AAC-LC Mono verwendet. Bei G.722 kommt "mode 1" zum Einsatz, was nicht mit G.722.1 verwechselt werden darf.

Video

Die Videoqualität wurde in fast allen Verbindungen in beiden Richtungen mit "sehr gut" eingestuft. Einzige Ausnahme stellt die Verbindung zur Polycom RealPresence Mobile App auf dem iPad dar, in diesem Test konnten bandbreitenbedingt nur "gut" bzw. "okay" für die Videoqualität vergeben werden. Als Videocodec wurde stets H.264 benutzt. Die verwendeten Auflösungen lagen dabei immer mindestens bei 720p, bei einem Drittel der Tests bei 1080p. Nur in Verbindung mit der Polycom RealPresence Mobile App auf dem iPad wurden geringere Auflösungen verwendet (512x288, 480x272, 240x136).

Datenpräsentation

Im Bereich Datenpräsentation hinterlässt die Sony PCS-XC1 insgesamt einen guten bis sehr guten Eindruck. Im Datenkanal wurden durchweg Auflösungen von mindestens 720p bei H.264 als Videocodec erreicht, nur bei der Übertragung von HD-Videos ist teilweise noch Verbesserungsbedarf gegeben.

Bei der Übertragung von statischen Folieninhalten kam es nur in der Verbindung mit der LifeSize Team 220 zu Einschränkungen, ansonsten wurde die Folienübertragung stets mit "sehr gut" bewertet. In der Verbindung mit der LifeSize Team 220 traten sehr lange Umschaltzeiten auf bzw. wurden einzelne Folien nicht korrekt übertragen.

Die praktische Einsetzbarkeit der Übertragung von SD-Videos war in ca. 2/3 der Tests gegeben. Dabei traten Schwächen nur in Empfangsrichtung auf, wenn Gegenstellen zu geringe Frameraten an die Sony PCS-XC1 sendeten.

Das Senden und der Empfang von HD-Videos wurde in ca. 1/3 der Tests als praktisch einsetzbar eingestuft. Im Allgemeinen verhinderten zu geringe Frameraten, Blockbildungen bzw. Nachschärfeffekte eine bessere Bewertung.

In den Verbindungen mit der Cisco C40, der Polycom RealPresence Group 500 und der Sony PCS-XG80 wurde bei Übertragung einer Datenpräsentation die Videoauflösung von 1080p auf 720p bzw. die Videoframerate von 60fps auf 30fps gesenkt.

Ausführliche Testergebnisse sind in der Kompatibilitätsmatrix zu finden.

Kamerafernsteuerung

Die Kamerafernsteuerung funktionierte in den Tests bis auf eine Ausnahme stets bei entsprechender technischer Voraussetzung der Gegenstelle. In der Verbindung mit der Cisco C40 konnte die Cisco C40 die Kamera der Sony PCS-XC1 nicht steuern.

Dienst DFNVideoConference

Die Zusammenarbeit mit der DFN-MCU funktionierte fehlerfrei. Die Qualität von Audio und Video war sehr gut. Als Videocodec wurde H.264 benutzt, dabei wurde 720p@30 in Senderichtung und 1080p@25 in Empfangsrichtung als Auflösung verwendet. Als Audiocodecs kam AAC-LC Mono zum Einsatz. Bei Übertragung von Datenpräsentationen wurde H.264 mit 720p benutzt.

Gatekeeper

Die Zusammenarbeit mit dem Gatekeeper GNU-GK funktionierte ohne Einschränkungen.

SIP

Rufe zur DFN-MCU sind per SIP-Dialing mit der Syntax "Konferenz-ID@vc.dfn.de" möglich. Hierbei kann keine Übertragung einer Datenpräsentation im zweiten Kanal mittels BFCP vorgenommen werden. Ein SIP-Ruf von der DFN-MCU zur Sony PCS-XC1 war nicht möglich.

URI-Dialing

Mit der Sony PCS-XC1 ist URI-Dialing nach H.323 Annex O mit der Syntax "vc.dfn.de#Konferenz-ID" uneingeschränkt möglich. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Anmeldung an einem Gatekeeper vorliegt.

Verschlüsselung und Firewall-Traversal

In allen Verbindungen wurde eine Medienverschlüsselung nach H.235 Version 3 durchgeführt.

Außerdem unterstützt das Gerät Firewall-Traversal nach H.460.18 und H.460.19.

WLAN

Für erweiterte Mobilität ist das WLAN-Modul IFU-WLM3 erhältlich, welches bei der Option PCSA-WXC1 Wireless Software inkludiert ist. Das WLAN-Modul muss zwingend an dem rückseitigen USB-Port angeschlossen werden. Ein Plug&Play ist nicht möglich, das WLAN-Modul muss im ausgeschaltenen Zustand angesteckt werden, sonst wird es nicht richtig erkannt. Außerdem können LAN und WLAN nicht gleichzeitig an der Sony PCS-XC1 benutzt werden, es existiert ein entsprechender Schalter im Einstellungsmenü.

Nach Umstellung auf WLAN ist ein neuer Menüpunkt "Wireless Sicherheit" im Einstellungsmenü verfügbar. Über eine Liste der verfügbaren WLANs kann die gewünschte Verbindung aufgebaut werden. Es werden außer ungeschützten Verbindungen allerdings nur WPA1/WPA2-Verbindungen mit Passphrase unterstützt, so dass z.B. kein eduroam genutzt werden kann.

Im Test konnten 2 Mbps ohne Probleme als Bandbreite übertragen werden, bei 4 Mbps traten Paketverluste auf. Zudem muss das WLAN-Modul eine direkte Sichtverbindung zum Accesspoint aufweisen, sonst treten weitere Paketverluste auf.

Das WLAN-Modul arbeitet nach dem Standard IEEE802.11b/g/n und besitzt eine Verbindungsgeschwindigkeit von bis zu 4 Mbps.

Sonstiges

Ein optionaler USB-Stick kann zur Aufzeichnung von Videokonferenzen und von Fotos/Snapshots, zur Einspielung von Softwareupdates und zum Sichern von Setups und Telefonverzeichnissen genutzt werden. Auf einem 32 GB USB-Stick können bis zu 4 Stunden bei 1 Mbps aufgezeichnet werden.

Die Sony PCS-XC1 unterstützt Streaming mittels Unicast und Multicast (bis zu 10 Empfänger).
Update 08/2016: Bedingt durch die Abkündigung von QuickTime für Windows ist das Streaming nicht mehr möglich.

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Fazit

Die Sony PCS-XC1 ist durch ihre sehr kompakte Bauweise und die WLAN-Nutzbarkeit flexibel einsetzbar und dabei leicht zu transportieren. Die Einschränkung nur einen Monitor anschließen zu können muss allerdings beachtet werden. Die gewohnt gute Bedienbarkeit bei Sony PCS-Geräten ist auch bei der Sony PCS-XC1 gegeben. In den Bereichen Videoübertragung und Datenpräsentation kann die Sony PCS-XC1 überzeugen. Nur im Bereich Audioübertragung sollte der Aushandlungsalgorithmus noch verbessert werden, damit G.711 nur in absoluten Ausnahmefällen zum Einsatz kommt.

Dokumentation

Wir danken Herrn Herter von der Firma MaxxVision für die Teststellung.

Hersteller: Sony
Ansprechpartner: Herr R. Herter

Unterstützte allg. Standards H.323, SIP, H.239
Audiokodierungen G.711, G.722, G.728, MPEG-4 AAC-LC Mono
Videokomprimierung H.263, H.263+, H.263++, H.264, H.264 High Profile, MPEG-4 Simple Profile
Auflösung bis 1080p mit 60 fps in Video und 1080p mit 30 fps bei gleichzeitiger Verwendung von Video und Datenpräsentation (im Test nicht erreicht)
Bandbreite bis zu 4 Mbps
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