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Testbericht Emblaze-VCON vPoint HD 8.0

PDF-Version (druckoptimiert)

Allgemein

Zeitraum

Die Videokonferenzsoftware vPoint HD 8.0 (Bild der Oberfläche) wurde Anfang März 2008 im VCC getestet.

SW-Version

Die Software Emblaze-VCON vPoint HD lag in der Version 8.0 vor. Ein entscheidender Unterschied zur SW-Version 7.1 ist die Sendemöglichkeit von 720p. Auf dieser neuen Möglichkeit lag ein Schwerpunkt der Tests.

Es existieren drei Lizenzmodelle: Basic, Pro und Executive. Die in den Datenblättern noch aufgeführte Variante Broadcast ist ausschließlich für den professionellen Einsatz bei Providern, Fernsehsendern oder ähnlichen Einrichtungen gedacht, welche Inhalte broadcasten wollen.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Varianten liegen in der maximal möglichen Bandbreite für H.264, der möglichen Auflösung und der Darstellung des H.239-Datenstromes.

Wesentliche Unterschiede der verschiedenen Lizenzmodelle
 
Basic
Pro
Executive
max. Bandbreite beim Senden von H.264
512 kbps
1024 kbps
2048 kbps
max. Auflösung beim Senden
VGA
4 CIF + 720p
4 CIF + 720p
Zusätzliches Datenfenster
nein
nein
ja

Geräteklasse

Das Videokonferenzsystem vPoint HD 8.0 ist ein Softwareclient für die Betriebssysteme Windows 2000, XP und Vista. Die Software läuft nur mit einem gültigen Lizenzfile, USB-Dongle oder bei einer Anmeldung an einem Lizenzserver. Ohne diese Voraussetzungen ist die Laufzeit auf 3 Minuten beschränkt. Zusätzlich wird der Schriftzug "Emblaze-VCON" in das Bild gelegt, so dass eine störungsfreie Nutzung kaum möglich ist. Die Dongles der Vorgängerversionen sind nicht mehr nutzbar.

Für das Senden von 720p werden vom Hersteller explizit Anforderungen an den zugrundeliegenden PC gestellt. Diese sollten unbedingt eingehalten werden, ansonsten wird das gesamte Leistungsspektrum der Software beeinträchtigt. Bei PCs sollten Prozessoren ab der Baureihe Intel Core2 Duo E 6400 oder im Laptopbereich Intel Core2 Duo T7500 zum Einsatz kommen - besser ist es noch, diese zu überschreiten.

Lieferumfang

Die Software ist auf den Seiten des Herstellers verfügbar. Sie ist sofort nach Freischaltung mittels einer der oben genannten Varianten nutzbar.

Für den Betrieb empfiehlt der Hersteller die Nutzung von HD-tauglichen Webcams oder den Anschluss einer Sony EVI-HD1 mittels einer HD-tauglichen Capture-Card. Wenn die Kamera nicht mehr als 15 fps ermöglicht, wird die HD-Auflösung in 960*720 ("nahe HD") umgewandelt und mittels eines schwarzen Randes um das Bild als HD-Frame gesendet.

Bandbreiten

Das Videokonferenzsystem ermöglicht im LAN-Bereich Videokonferenzen bis 4 Mbps.

ISDN-Konferenzen sind nur mit den Lizenzmodellen Pro und Executive bis 512 kbps möglich. Dafür ist aber auch noch zusätzlich die firmeneigene ISDN-Box EVC ISDNPoint nötig. Sie muss optional zusätzlich erworben werden.

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Installation

Die Installation verläuft problemlos. Während des Setups wird die Leistungsfähigkeit der CPU geprüft und die möglichen Audio- und Videokapazitäten entsprechend angepasst. Diese Prüfung kann mittels des mitgeliefertem Tools Evcperf.exe geändert werden, falls die automatische Prüfung zu einem unbefriedigenden oder gar falschen Ergebnis führte.

Falls im laufenden Betrieb die Performance des Rechners nicht ausreichend ist, wird die gesendete Framerate herabgesetzt. Dieses wird im Betriebssystem Windows XP mittels einer leuchtenden roten Lampe in der Software angezeigt. Unter Windows Vista existiert diese Hilfe nicht.

Da nicht alle Optionen der Software voreingestellt sind, sollten diese vor der ersten Nutzung eventuell aktiviert werden. So muss z.B. die Nutzung von 720p erst erlaubt werden.

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Test

Bedienung

Die Bedienung der Software hat sich gegenüber den Vorgängerversionen kaum verändert. Trotz der leicht veränderten Programmoberfläche findet der erfahrene VCON-Nutzer alles schnell und am gewohnten Ort.

Die Schriftzüge der Menüs sind unabhängig von der Bildgröße immer gleich groß. Auch im Verhältnis zur gewählten Desktopauflösung sind diese etwas klein geraten. Hier wäre eine Möglichkeit der Beeinflussung durch den Nutzer im Sinne der Ergonomie wünschenswert. Ähnlich verhält es sich mit den Icons, welche nur einen anderen Blaufarbton als der Untergrund besitzen und dadurch sehr konzentriert angewählt werden müssen.

Audio/Video

Das Video war in allen getesteten Verbindungen gut bis sehr gut. Das Audio wurde stets in guter bis sehr guter Qualität gesendet und empfangen. Die Echounterdrückung benötigt allerdings immer einige Zehntelsekunden bis sich die Mikrofonverstärkung beim eigenen Sprechen angepaßt hat.

Falls die Hardware nicht die Mindestvoraussetzungen erfüllt, kommt es zu Problemen in der Tonqualität (Aussetzer oder Nebengeräusche), welche daraus resultieren, daß die Prozessorauslastung stetig bei 100 Prozent liegt.

H.264

Das Senden von H.264 war immer bis zu den Bandbreiten möglich, welche in der Dokumentation für die jeweilige Variante der Software angegeben sind.

H.239

Die Präsentation mittels H.239 war bei der Übertragung von Folien immer sehr gut. Die Qualität der Darstellung konnte auf der empfangenen Seite immer als sehr gut und immer ab 10 Pixel Schriftgröße lesbar eingeschätzt werden. Der Wechsel geschah fast in Echtzeit. Falls hier Probleme auftreten, kann der Präsentationsübertragung in den Einstellungen mehr Bandbreite gegeben werden, wenn diese verfügbar ist. Es führt zu einer schnelleren Übertragung bei H.239.

Die Präsentation eines Videos sollte möglichst nicht per "Desktop Sharing" stattfinden. Der Empfänger bekommt kein flüssiges Video, sondern eine Art "Slide Show" zu sehen. Dieser Effekt tritt in allen Programmvarianten auf. Für die Übertragung eines Videos sollte der Menüpunkt "Datei senden" benutzt werden. Hier bekommt die empfangende Seite ein Echtzeit-Video in sehr guter Qualität zu sehen.

In der Programmvariante Basic wird das empfangene H.239-Bild im selben Fenster statt des Videos dargestellt. Bei Empfang eines H.239-Stromes im 4:3-Format wird das Fenster entsprechend an die Größe angepasst. Nach Ende der Präsentation wird das Fenster aber nicht wieder in das ursprüngliche Seitenverhältnis zurückgesetzt, auch wenn das Video im Format 16:9 empfangen wird. Dieses wird dann ebenfalls in 4:3 dargestellt.

Kamerafernsteuerung

Die Kamerafernsteuerung hat beim Vorhandensein der technischen Voraussetzungen an den Gegenstellen in beiden Richtungen immer funktioniert.

MCU

In den Tests wurde vor allem die Möglichkeit der Videokommunikation mittels 720p untersucht. Dazu kam ein PC mit Intel Core2 Duo E 6850; 3GHz; 2 GByte RAM und Vista Ultimate zum Einsatz.

Bei einer Verbindung mit 4 Mbps empfing die Codian H.263+ und sendete H.264. Die vPoint sendete hier mit deutlichen Fehlern in Form von farbigen Klötzchen im Bild, die CPU-Auslastung lag bei 100 Prozent. Bei einer Verbindung mit 2 Mbps hat die Codian H.264 gesendet und empfangen. Das Videobild der vPoint war in Ordnung, es gab keinerlei Bildfehler. Die CPU-Auslastung lag ebenfalls bei 100 Prozent.

Bei Verbindungsaufnahmen zwischen der MCU und leistungsschwächeren Rechnern kommt es zu deutlichen Bild- und Tonfehlern. Diese können nur mit Hilfe des Herabsetzens der verwendeten Bandbreite behoben werden.

Gatekeeper

Die Zusammenarbeit mit den Gatekeepern GNU-GK 2.0.7 und CISCO MCM war nicht optimal. Die Anmeldung an den Geräten gelang immer erst nach einigen Anläufen. Ab dann war die Zusammenarbeit aber dauerhaft stabil.

Sonstiges

In allen getesteten Verbindungen wurde die Verschlüsselung mittels AES benutzt.

Die eingesetzten Rechner waren in Verbindungen ohne 720p mit etwa 50% Systemleistung und bei Verwendung von 720p mit über 60% bis teilweise 100% Systemleistung belastet. Um also alle Funktionalitäten in guter bis sehr guter Qualität nutzen zu können, ist ein deutlich leistungsstärkerer PC als in den von Emblaze-VCON empfohlenen Mindestvoraussetzungen zu empfehlen.

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Fazit

Das System Emblaze-VCON vPoint HD 8.0 ist ein softwarebasiertes VC-System, das als Arbeitsplatzsystem für Video- und Audiokonferenzen im SD-Bereich mit H.239 - Funktionalität empfohlen werden kann.

Die Nutzung von 720p hängt sehr stark von der Performance des zugrundeliegenden Rechners ab. Wenn man einen sehr leistungsfähigen, möglichst tagaktuellen PC besitzt, dann läßt sich der Client bei 2 Mbps hervorragend mit 720p verwenden. Bei 4 Mbps reicht eine 3 GHz CPU allerdings schon nicht mehr für diese Auflösung aus, da vPoint hier nur noch H.263 verwendet.

Dokumentation

Hersteller: VCON Emblaze
Distributor: Meytec

Unterstützte allg. Standards H.320, H.323, H.239, H.235 (AES)
Audiokodierungen G.711, G.722, G.722.1, G.723.1, G.728,
G.729, AAC-LD, G.722.1- Annex C
Videokomprimierung H.261, H.263, H.263 +, H.263 ++, H264 (beim Senden bis 2 Mbps)
Bandbreite 4 Mbps IP; 512 kbps ISDN

Wir danken der Firma Meytec für die Unterstützung während der Tests und der Firma Emblaze-VCON für die Bereitstellung der Testversionen.

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